Kampf gegen Blutkrebs Schmalkalder Hausärztin hofft auf Spender

Sie ist immer für andere da. Jetzt braucht Dr. Stefanie Rasfeld selbst Hilfe. Die Hausärztin aus Schmalkalden ist an Blutkrebs erkrankt. Am 7. Mai ist eine Typisierungsaktion geplant.

Dr. Stefanie Rasfeld hofft auf einen passenden Spender. Foto: privat

Wer den Lutherplatz 13 in Schmalkalden kennt, kennt auch ihre Praxis. Seit 2011 ist Dr. Stefanie Rasfeld dort als Hausärztin tätig – mehr als 1000 Patientinnen und Patienten gehen pro Quartal bei ihr ein und aus. Sie beschreiben die 58-jährige Fachärztin für Allgemein- und Palliativmedizin als jemanden, der zuhört, sich Zeit nimmt und auch dann hilft, wenn andere längst an ihre Grenzen stoßen.

Nach der Werbung weiterlesen

Gerade in Zeiten von Urlaub, Vertretung und Personalmangel war ihre Praxis oft die einzige Anlaufstelle, erzählt Patensohn Jason Golm, der als Medizinischer Fachangestellter (MFA) in der Praxis arbeitet. Viele Menschen aus der gesamten Region hätten bei ihr Hilfe gefunden – oft kurzfristig, oft in schwierigen Situationen. Für viele sei Dr. Rasfeld nicht nur Ärztin, sondern auch eine Vertrauensperson. „Sie hat einfach immer weitergemacht. Egal wie voll das Wartezimmer war“, sagt Jason Golm, der aus dem Erzgebirge stammt und vor vielen Jahren zu seiner Patentante nach Schmalkalden gezogen war.

Stammzellenspender gesucht

Jetzt ist die Situation eine völlig andere: Dr. Rasfeld ist schwer erkrankt. Die Diagnose Blutkrebs hat ihr Leben von einem Tag auf den anderen verändert. Aktuell wird sie im Universitätsklinikum Leipzig behandelt, berichtet Golm. Doch die bisherigen Chemotherapien zeigen nicht die erhoffte Wirkung. „Ja, es geht um Leben und Tod.“

Die Hoffnung liegt nun auf einer Stammzellspende. Und damit auf Menschen, die bereit sind zu helfen. Ein einfacher Schritt kann Leben retten, rührt ihr Patenkind die Werbetrommel. Die Registrierung als Stammzellspender sei unkompliziert: Ein Wangenabstrich reiche aus. Jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren könne sich typisieren lassen.

Aus dem Umfeld der Ärztin kommt deshalb der eindringliche Appell: „Bitte macht mit. Es kann jeden treffen – und jetzt trifft es jemanden, der immer für andere da war.“

Am Donnerstag, 7. Mai, zwischen 16 und 20 Uhr, ist in der Mehrzweckhalle Schmalkalden eine große Typisierungsaktion geplant – gemeinsam mit der Deutschen Stammzellspenderdatei und dem Deutschen Roten Kreuz, verbunden mit einer Blutspende, sagt Jason Golm. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits auf Hochtouren, bestätigt Heike Fischer vom DRK-Kreisverband Schmalkalden. Nähere Informationen dazu gibt es zu gegebener Zeit.

Große Typisierungsaktion geplant

Während Dr. Rasfeld im Krankenhaus um ihr Leben kämpft wird, versuchen Freunde, Kollegen und Unterstützer, ihren Alltag zu organisieren. Die Praxis am Lutherplatz 13 bleibt vermutlich bis Ende des Jahres geschlossen, Patienten müssen sich neu orientieren, Unterlagen werden herausgegeben, Vertretungen gesucht. Jason Golm setzt sich mit ganzer Kraft für seine Chefin und Patentante ein. Neben organisatorischen Herausforderungen geht es um die vielen kleinen Dinge: die Versorgung der Haustiere, die Pflege der Wohnung, die Vorbereitung für mögliche kurze Heimaufenthalte. Auch der an Demenz erkrankte Vater der Ärztin, der mit im Haus am Lutherplatz lebt, muss versorgt sein. Dazu die Sorge um Frau Doktor selbst. Manchmal wisse er nicht, wo ihm der Kopf steht, gibt der junge Mann zu.

Eine Region kann jetzt etwas zurückgeben

Viele Menschen in Schmalkalden verdanken Dr. Rasfeld Unterstützung, Hilfe und oft auch Mut in schwierigen Zeiten, sagt Golm. Jetzt sei der Moment gekommen, etwas zurückzugeben. Seine Botschaft ist klar – und sie ist dringend: Es geht um Leben und Tod. Die Prognose ist nicht rosig. Jede Registrierung kann den Unterschied machen. Jeder einzelne Mensch kann zum Lebensretter werden. „Mein Leben hängt an einem passenden Spender“, meldet sich die Ärztin selbst aus dem Krankenhaus. „Fünf Minuten deiner Zeit für eine Chance auf Leben.“

Eine Ärztin, die nie Nein sagte

2011 war Dr. Stefanie Rasfeld aus dem Landkreis Recklinghausen nach Schmalkalden gekommen und hatte hier die Praxis von Erika Maurer übernommen. Dass sich die Medizinerin für Schmalkalden entschied, hatte mehrere Gründe. Schmalkalden als Stadt hatte es ihr angetan, wie die Nähe zu Oberhof, was sie als Biathlonbegeisterte zu schätzen wusste. Auf Anhieb gut verstanden hat sich die Allgemeinmedizinerin mit dem Vermieter und den beiden Arzthelferinnen Eicke Schmidt und Nancy Idjaschak. Da sie beide übernehmen wollte, musste die Chemie stimmen.

Den Schritt in die Selbstständigkeit hatte sich Stefanie Rasfeld damals wohl überlegt. „Wer sich dafür entscheidet, tut dies sehr bewusst, aus Spaß an diesem Beruf“, hatte sie nach der Praxisübernahme in einem Gespräch mit der Redaktion erklärt. Der versucht, sich über den Bürokratiekram, der immer mehr wird, hinwegzusetzen. Der will „tief im Herzen“ mehr Zeit für die Patienten haben. Der nimmt sich diese einfach und erledigt die Schreibarbeit eben in seiner Freizeit. Den stört auch die 50-Stunden-Woche nicht, die mit Sprechstunden, Hausbesuchen, Anfragen beantworten und Notdiensten auf ihn zukommt. „Das, was man tut, tut man für sich und seine Patienten.“ Das sei „einfach ein anderes Gefühl“.

Deutsche Stammzellspenderdatei

Registrieren
Die Deutsche Stammzellspenderdatei (DSD) gGmbH ist eine der größten von 26 Dateien in Deutschland zur Gewinnung von Freiwilligen, die anonym und unentgeltlich durch ihre Blutstammzellspende erkrankten Menschen weltweit eine zweite Chance auf Leben geben. Die Registrierung als potenzieller Stammzellspender kann man online, auf den DSD-Registrierungsaktionen oder auf Blutspendeaktionen des DRK-Blutspendedienst NSTOB durchführen. https://deutsche-stammzellspenderdatei.de › ueber-die-dsd