Tumor seit SäuglingWie der kleine Max gegen den Krebs kämpft
Jessie Morgenroth 15.08.2025 - 15:00 Uhr
Max aus Ilmenau ist erst drei Jahre alt – und kämpft seit dem Säuglingsalter gegen den Krebs. Doch die Frohnatur gibt nicht auf. Wie man Max und seiner Familie helfen kann.
Max ist riesiger Dinosaurier-Fan. Gemeinsam mit seiner Mutter Nicole Greiner bestaunt er im Urlaub die riesigen Exponate im Dinopark. Ebenfalls zu sehen: Max und seine Schwester Zoé an der Ostsee und die kleine Frohnatur als Säugling, kurz nach der OP im August 2022. Foto: privat
Max ist ein aufgeweckter Junge. Er ist neugierig, ein kleiner Quatschkopf. Und er liebt Dinosaurier, spielt manchmal selbst einen. „Raaaaarrrr“, ruft der Dreijährige lachend und deutet mit den Armen eine Tyrannosaurus-Rex-Position an. Ein unbeschwerter Junge – das könnte man im ersten Moment denken. Doch wie viel Schmerz und Leid Max in seinem jungen Leben bereits erfahren hat und welch schwerer Kampf noch vor ihm liegt, ist nicht zu erahnen. Wäre da nicht die Narbe, die seinen Schädel ziert. Max ist schwer krank. Er hat Krebs.
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Der Feind sitzt in seinem Kopf. Die Diagnose lautet: Pilozytisches Astrozytom – ein gutartiger Hirntumor, der hauptsächlich bei Kindern und jungen Erwachsenen auftritt. Doch auch wenn der Tumor nicht bösartig ist, beeinträchtigt er Max’ Leben enorm. Denn er wächst – und ist inoperabel.
Max und seine Mutter Nicole Greiner bestaunen die Dinos im Dinopark. Foto: privat
Die Leidensgeschichte begann, als der Ilmenauer gerade einmal acht Monate alt war. Die Augen des Babys flackerten plötzlich, erinnert sich seine Mutter Nicole Greiner. Dieser sogenannte Nystagmus war neu – Mutter und Kind gingen zum Kinderarzt, der einen folgenschweren Verdacht äußerte. Es ging direkt weiter zum MRT nach Suhl: Dort wurde er sichtbar – der Tumor in Max’ Schädel.
Die Ursache des Pilozytischen Astrozytoms ist unklar. Auch wie lange sich der Tumor bereits in Max’ Kopf befindet – ob er seit Geburt da ist oder erst später gewachsen ist – weiß niemand. „Es war schrecklich“, blickt Nicole Greiner auf die Diagnose zurück. Sie habe von da an nur noch funktioniert und auf die Ärzte gehört. Zuvor war die heute 35-Jährige nie mit dem Thema Krebs in Berührung gekommen. Ein Schock für die ganze Familie – auch für Max’ ältere Schwester Zoé, die damals erst elf Jahre alt war.
Max musste zunächst für eineinhalb Monate ins Krankenhaus. An seiner Seite: Mutter Nicole und Lieblingskuscheltier Hasi. Schwester Zoé wohnte derweil bei den Großeltern. Nicole Greiner ist alleinerziehend. Max’ Vater weiß zwar von der Diagnose, doch es gibt keinen Kontakt. „Aber wir schaffen das auch alleine. Unsere Familie und Freunde stehen hinter uns“, sagt die 35-Jährige tapfer.
Mit der Behandlung in Jena zufrieden
Nicole Greiner entschied sich für die Behandlung für die Klinik in Jena. „Die ist heimatnah und top – wir sind sehr zufrieden“, sagt sie. Der Großvater des kleinen Kämpfers übernimmt die Fahrten, nimmt dafür sogar unbezahlten Urlaub. Auch der Taxiservice am Ilmenauer Bahnhof steht stets für den Transport bereit.
Max und seine große Schwester Zoé genießen den Urlaub an der Ostsee. Foto: privat
Am 12. August 2022 hatte Max seine erste Biopsie am offenen Kopf, erinnert sich seine Mutter. Es folgten unzählige Operationen und eine Chemotherapie. 82 Wochen musste das Kleinkind die Strapazen über sich ergehen lassen. Max hat einen Chemo-Port unter der Haut am Oberkörper, der einen dauerhaften Zugang zu den Blutgefäßen ermöglicht. Andernfalls wären seine kleinen Venen mittlerweile völlig zerstochen, erklärt seine Mutter.
Sie berichtet auch von den Nebenwirkungen der schweren Therapie: Während der intensiven Chemophase war Max sehr schlapp, konnte nur liegen, seine Blutwerte verschlechterten sich. Das Kind benötigte Transfusionen. Die Hoffnung, dass sich all die Strapazen lohnen würden, war groß. Zum Ende der Therapie durfte Max im Juli vergangenen Jahres endlich die Chemo-Glocke läuten. Der Tumor war etwas geschrumpft – alle dachten, die Therapie hätte angeschlagen. Der schwere Kampf schien geschafft.
Doch die Freude währte nicht lange. Max muss regelmäßig zum MRT und CT ins Krankenhaus. Nur drei Monate nach Ende der Chemo dann der Schock: Der Tumor ist einen Zentimeter gewachsen. Drei mal drei mal vier Zentimeter misst das golfballartige Ungetüm in seinem Kopf, sagt seine Mutter. Deshalb folgt nun die nächste Chemotherapie – 73 Wochen lang. Der Verdacht, dass der Krebs mittlerweile von gutartig zu bösartig mutiert ist, bestätigte sich glücklicherweise nicht. Doch auch so richtet er durch sein Wachstum schweren Schaden in Max’ jungem Körper an.
Auf dem rechten Auge erblindet
Der Tumor hat sich um den Sehnerv des rechten Auges gewickelt und ihn abgeklemmt. Seit zweieinhalb Jahren ist Max auf diesem Auge erblindet, sieht nur noch mit dem linken. „Aber er wächst damit auf und kommt klar. Das linke Auge sieht sozusagen für das rechte mit“, sagt Nicole Greiner.
Ein normales Leben wie gleichaltrige Kinder kann Max nicht führen. Der kleine Kämpfer wächst gewissermaßen im Krankenhaus auf – er kennt es nicht anders. Nach den Therapien gibt es für Max immer kleine Belohnungen: Es wird gespielt und Eis geschleckt. Zwar kann er stundenweise in den Kindergarten gehen, doch sein Immunsystem ist durch die Therapie stark geschwächt. „Dann kommt er mit Schnupfen oder einem Magen-Darm-Infekt heim und muss wieder drei Wochen zuhause bleiben“, so Nicole Greiner.
Max als Säugling, kurz nach seiner OP im August 2022. Schon damals eine Frohnatur, die sich nicht unterkriegen lässt. Foto: privat
Die Pflege ihres Sohnes, der Pflegestufe drei hat, ist ein Fulltime-Job, der viel Zeit und Kraft kostet. Arbeiten gehen kann die alleinerziehende Mutter nicht. Auch für Tochter Zoé ist die Situation alles andere als einfach.
„Zoé geht seelisch und moralisch jeden Weg mit, war auch mit im Krankenhaus“, erzählt Nicole Greiner. Sie berichtet von dem innigen Verhältnis der beiden, wie sie gerne gemeinsam spielen und wie sich die große Schwester liebevoll um den kleinen Bruder kümmert. Beiden Kindern gerecht zu werden, scheint wie eine Zerreißprobe. Denn auch Zoé war zwischenzeitlich krank, lag mit Gallensteinen im Arnstädter Krankenhaus. Nicole Greiner musste plötzlich zwischen zwei kranken Kindern pendeln.
Prognose ist ungewiss
Mittlerweile ist zumindest Zoé wieder fit und besucht nun die neunte Klasse eines Gymnasiums. Max aber kämpft weiter, stellt sich tapfer der Chemotherapie und den unzähligen Krankenhausbesuchen. Die große Hoffnung: das Tumorwachstum stoppen, ihn schrumpfen lassen. Seine Prognose ist ungewiss. „Das kann uns niemand sagen“, sagt seine Mutter. Doch sie vertraut auf die Ärzte. „Und Max ist stark, ein Kämpfer“, betont sie immer wieder.
Der kleine Kerl ist lebendig, agil, manchmal auch frech. „Aber das ist mir lieber, als wenn er nur im Bett liegen würde“, sagt Nicole Greiner. Bei Wind und Wetter geht sie mit Max auf den Spielplatz, wo er sich auspowert. Er liebt Fußball. Allerdings muss er beim Toben besonders auf seinen Kopf achten, darf sich nicht verletzen. Denn sein Schädel ist durch fehlendes Gewebe nach den vielen Biopsien besonders empfindlich. Am liebsten würde seine Mutter ihm immer einen Helm aufsetzen – auch bei für andere Kinder ganz normalen Aktivitäten wie dem Ballspielen –, um ihn vor Schmerzen zu schützen.
Große Faszination für alles mit zwei Rädern
Darüber hinaus hat Max eine große Begeisterung für alles, was zwei Räder hat. Ob er selbst mit seiner Sehbeeinträchtigung eines Tages den Mopedführerschein machen kann – so wie seine große Schwester Zoé gerade –, ist unklar. „Aber bis dahin ist noch viel Zeit“, sagt seine Mutter.
Ihr größter Wunsch für Max’ Zukunft: „Dass er endlich gesund wird und wie andere Kinder aufwachsen kann, anfangen kann zu leben, seine Kindheit zu genießen“, sagt sie.
Finanzielle Belastung für alleinerziehende Mutter
Finanziell kommt die Familie über die Runden, große Sprünge sind jedoch nicht möglich. Die Berliner Schauspielerin und Influencerin Anne Wünsche und ihre Kollegin Caro haben der Familie in den Sommerferien einen einwöchigen Urlaub an der Ostsee ermöglicht. „Das hat den Kindern gutgetan“, sagt Nicole Greiner. Ein besonderes Highlight für den kleinen Mann: der Besuch im Dinopark.
Im Alltag ist die finanzielle Belastung, die die alleinerziehende Mutter stemmen muss, groß. Für Max’ Gesundheit fallen Sonderausgaben an. Nicole Greiner muss zum Beispiel besonders hautverträgliche Pflegeprodukte in der Apotheke kaufen, da Max’ Haut durch die Therapie stark angegriffen ist. Auch seine Zähne sind durch die Chemotherapie in Mitleidenschaft gezogen. Gerne würde seine Mutter Kronen für die Vorderzähne einsetzen lassen – doch die 600 Euro übernimmt die Krankenkasse nicht.
Außerdem möchte die Ilmenauerin auch Zoés großen Wunsch erfüllen und mit der Familie eine Auszeit im Tropical Island verbringen. „Meine Kinder glücklich zu sehen ist das, was mich aufbaut!“, betont sie.
Der Verein „Freies Wort hilft“ kann mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Max und seine Familie unterstützen. Das ist möglich durch Ihre Spenden, die auf das Vereinskonto eingezahlt werden können. Diese bitte gern an: Freies Wort hilft e.V. Verwendungszweck: Max IBAN: DE39 840500 00 1705 017 017 Rhön-Rennsteig-Sparkasse