Die PP des damaligen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy war es auch gewesen, die die Richter in dieser Sache angerufen und gefordert hatte, dass das Tötungsverbot wieder aufgehoben wird.
Mit Mallorca fiel eine der letzten stierkampffreien Bastionen Spaniens. Schon 2016 hatte die Justiz ein in Katalonien seit 2010 geltendes Stierkampfverbot gekippt. Die Kanaren sind die einzige Region, in der noch eine Art Stierkampfverbot gilt. Auf den Atlantikinseln gibt es aber auch keine Tradition des Spektakels, kein Interesse. Die letzte Corrida fand dort 1984 statt.
Der Stierkampf ist in Spanien ein großes Geschäft. Allein die mehr als tausend Zuchtbetriebe mit rund 70.000 Mitarbeitern erwirtschaften jährlich rund 1,5 Milliarden Euro. Das Spektakel ist aber im ganzen Land zunehmend umstritten. Vor allem unter den Jüngeren verliert er immer mehr an Attraktivität.
Nach einer Umfrage des Onlinemagazins "El Español" von Januar sind inzwischen rund 56 Prozent der Spanier gegen das aus dem Mittelalter stammende Brauchtum. Voriges Jahr forderten bei einer Demo in Madrid 40.000 ein landesweites Verbot. Die Zuschauerzahlen sind stark rückläufig, 2018 ging die Zahl der Stierkämpfe im Vergleich zum Rekordjahr 2007 um rund 60 Prozent auf 369 zurück. Viele Arenen wurden deshalb in den vergangenen Jahren geschlossen oder wurden, wie in Barcelona, zu Einkaufszentren umfunktioniert.
Die Verfechter der "Tauromaquia" denken aber nicht daran, das Handtuch zu werfen. Einige fordern sogar, den Stierkampf in Spanien zum Schulfach zu machen. "So kann man dem großen Problem des Generationenwechsels begegnen", sagte vor einiger Zeit der angesehene Universitätsprofessor und Jurist Javier López-Galiacho.