Tröster in der Pandemie Die Hildburghäuser essen 590 Tonnen Schokolade

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Schokolade macht glücklich, meint die Werbeindustrie. In Hildburghausen wird davon immer mehr gegessen. Dabei könnte alles auch nur Einbildung sein.

Hildburghausen - Der Hunger auf Schokolade & Co. ist in der Pandemie gestiegen: Im Landkreis Hildburghausen wurden im vergangenen Jahr rein rechnerisch rund 2100 Tonnen Süßwaren gegessen – davon allein 590 Tonnen Schokoladenwaren, 350 Tonnen Knabberartikel und 280 Tonnen Speiseeis. Diese Zahlen hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) anhand aktueller Zahlen des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie ermittelt. Demnach stieg der Verbrauch süßer und salziger Snacks im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf durchschnittlich 33,4 Kilo pro Kopf.

„Vom Eis, das zuhause gegessen wird, wenn die Eisdiele zu hat, über das Stück Schokolade als Nervennahrung im Homeoffice bis hin zu den Chips vorm heimischen Fernseher – in der Pandemie greifen viele Menschen verstärkt zu Süßwaren“, sagt Jens Löbel, Geschäftsführer der NGG-Region Thüringen. Die steigende Nachfrage gerade im Lebensmitteleinzelhandel führe zu wachsenden Umsätzen bei den Herstellern, an denen nun auch die Beschäftigten der Branche beteiligt werden sollen.

In den anstehenden Tarifverhandlungen für die Süßwarenindustrie fordert die Gewerkschaft ein „kräftiges Einkommensplus“. Thüringen ist dabei das Bundesland mit der höchsten Anzahl an Süßwarenbetrieben. Zu den wichtigsten Standorten in der Region zählen die Produktionsstätten der Marke Storck und von Brandt Zwieback in Ohrdruf sowie die Werke des Kekse-Herstellers Griesson-de Beukelaer in Kahla und des Schokoladen-Herstellers Stollwerck in Saalfeld.

„Von einer Krise kann in der Branche, anders als in vielen anderen Wirtschaftszweigen, keine Rede sein“, betont Löbel. Zwar habe es im Zuge weltweiter Lockdowns leichte Rückgänge beim Exportgeschäft gegeben. Aber „unterm Strich“ stünden die Firmen wirtschaftlich gut da. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz in der deutschen Süßwarenindustrie laut Statistischem Bundesamt um 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Nach Unternehmensangaben gab es im vergangenen Jahr die stärksten Zuwächse im Bereich der Knabberartikel (Salzstangen, Chips, gewürzte Erdnüsse und andere). 2020 stieg hier der Pro-Kopf-Verbrauch um 8,4 Prozent auf 5,6 Kilo.

Die Schoko-Wirkung

Schokolade hebt kurzfristig die Stimmung – da sind sich Konsumenten und Wissenschaftler einig. Schokolade taugt sogar als Glücksbringer und Stresspuffer für ungeborenen Nachwuchs, wie finnische Forscher berichteten. Verzehren Mütter während der Schwangerschaft täglich Schokolade, zeigten sich demnach ihre Babys mit sechs Monaten aktiver und glücklicher, gemessen zum Beispiel an der Häufigkeit ihres Lächelns oder Lachens. Bei Kindern von gestressten Müttern fiel der Effekt noch deutlicher aus.

Tatsächlich scheint die Gabe der Aminosäure Tryptophan depressive Symptome zu lindern, berichtet das Wissenschaftsmagazin Spektrum. Je mehr davon ins Gehirn wandert, desto mehr Serotonin entsteht. Tryptophan ist reichlich enthalten in Sojabohnen, Cashewkernen und ungesüßtem Kakaopulver. Der Zucker in der Schokolade unterstützt diese Wirkung: Er regt die Bauchspeicheldrüse dazu an, Insulin auszuschütten. Das sorgt unter anderem dafür, dass Tryptophan leichter ins Gehirn gelangt, und hebt so den Serotoninspiegel und damit die Laune. Schnecken scheinen bestimmte Schokoinhaltsstoffe sogar beim Lernen zu helfen.

Aber grau ist alle Theorie: Für das kurzfristige Schoko-High sei vielmehr ein evolutionär verankertes Ernährungsprogramm verantwortlich, das den Menschen auf fett- und zuckerhaltige Nahrung geeicht hat, denn die Inhaltsstoffe Zucker und Fett (Kakaobutter) liefern dem Gehirn Energie, so heißt es weiter in Spektrum.

Bilder reichen schon

Das Belohnungszentrum im Gehirn spricht deshalb schon auf Bilder von Schokolade an. Noch dazu haben wir gelernt, uns mit Schokolade zu belohnen oder zu trösten. Wenn sich beim Naschen ein Glücksgefühl einstellt, kann das also auch an unseren Erwartungen liegen. Aktive Substanzen wie Tryptophan steckten nämlich auch in anderen Lebensmitteln, ohne dass diese merklich die Stimmung aufhellen.

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