Trockenheit Auch Bäche und Flüsse sind belastet

Beim Gewässerunterhaltungsverband Obere Werra/Schleuse hat man erste Maßnahmen ergriffen, um der Trockenheit etwas entgegen zu setzen. Dabei kann jeder mithelfen.

Auch in den kleineren Fließgewässern macht sich die Trockenheit bemerkbar. Foto: picture alliance/dpa

Die anhaltenden Trockenphasen, die quasi schon im vergangenen Winter begonnen haben, machen sich weiter bemerkbar. Auch in den kleineren Gewässern ist das der Fall. „Ja, die Trockenheit hat sich bemerkbar gemacht und sie ist ein großes Problem, dem wir uns annehmen müssen“, sagt Katrin Holland-Moritz, Geschäftsführerin des Gewässerunterhaltungsverbands (GUV) Obere Werra/ Schleuse. „Der Klimawandel ist vor Ort angekommen.“

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Inzwischen gehe auch an den Kleingewässern der „Verteilungskampf“ los. Also die Debatte darüber, wer wieviel Wasser nutzen kann. Als der GUV unlängst ein Verteilerwehr in Hinternah an der Nahe instand gesetzt hatte, gab es darüber unter anderem die Diskussion, weil daran auch Fischteiche hingen. „Zur Bauberatung hatten wir sehr wenig Wasser. Und was ich nicht habe, dass nicht kann ich nicht verteilen.“

Aus Themar hatte der GUV unter anderem die Anfrage, wie der Verband es mit der Mahd an den Uferbereichen halte, was es für Maßnahmen gebe, um dagegen zu halten.

Aktuell plant der Verband den Beginn der Mahd so weit es geht, rauszuschieben. „Wir wollen erst Mitte/Ende August mit dem mähen beginnen, damit wir den Gewässern noch so viel wie möglich Schatten durch Stauden und hohe Gräser gewähren“, erklärt Katrin Holland-Moritz die Strategie des Verbands. Damit halte man der Verdunstung etwas entgegen, könne eine übermäßige Erwärmung der Fließgewässer zügeln. Und damit gelinge es auch die Lebensräume von Insekten, Kleinstlebewesen und Fischen so lange es geht zu erhalten.

„Wir haben auch gesehen, was passieren kann, wenn zu früh gemäht wird“, sagt Holland-Moritz. Dann könne sich das Wasser schneller erwärmen und verdunsten. „Wir hatten im Verbandsgebiet Fischsterben, die auf Wassermangel zurück gehen.“

Auch mit den Landwirten hat sich der Verband ins Benehmen gesetzt, um Lösungen zu finden, dass etwa nicht bis zum Ufer geackert wird und an den Rändern schattenspendender Bewuchs erhalten bleiben kann. Mit etlichen Landwirtschaftsbetrieben habe man dazu gut arbeiten können. Der Gewässerunterhaltungsverband hat zudem selbst begonnen, Pflanzen direkt in den Böschungsbereich zu setzen, wo sie bessere Bedingungen zum Anwachsen finden. Dazu werden Heister eingesetzt und auch gepflegt. Zudem müssen die jungen Bäume an manchen Stellen mit Drahthosen gegen Biberverbiss geschützt werden. Auch diese Maßnahmen sind mit Landwirten abgestimmt. „Wir haben vorher gesprochen, an welchen Stellen es die Bewirtschafter nicht so stört“, erklärt Holland-Moritz. Ab manchen Stellen sind die Neupflanzungen nach oben gekennzeichnet, damit sie leicht erkennbar sind.

Mit den Bepflanzungen wolle man auch die Gewässerstruktur verbessern. „Das ist ja auch eine unserer Hauptaufgaben. Gleichzeitig fördern wir damit die Klimaresilienz unserer Bäche und Flüsse.“

Die Niederschläge die es in den vergangenen Wochen und Monaten auch gegeben hat, waren nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Auf lange Sicht sei das zu wenig Wasser gewesen, das nur an der Oberfläche geholfen hat. „Es bräuchte dringend mehr Wasser – um der Natur zu helfen“, sagt Holland-Moritz und spricht ein weiteres Problem an: Die trockenen Waldbereiche, in denen jetzt keine oder kaum noch Bäume stehen. „Wenn dort jetzt der Regen kommt, wird der Boden ausgespült und das lose Material in die Gewässer eingetragen. „Und da haben wir im Thüringer Wald noch vergleichsweise gute Bedingungen in Thüringen. Die Kollegen im Erfurter Becken berichten da von ganz anderen Problemen.“

„Es ist ein ernst zu nehmendes Thema.“ Der Verband nutzt seine Möglichkeiten, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Inzwischen meldeten sich viele auch von sich aus, um bei den Fachleuten nachzufragen. Jeder könne auf seinem Grund ein kleines bisschen dazu beitragen. An der Grundstücksgrenze zu Gewässern Gras und Stauden zur Verschattung stehen lassen. Ans Wasserentnahmeverbot des Landkreises mit Pumpen halten

Wichtig wäre es auch, aus Sicht der Wasserexperten, versiegelte Flächen zu öffnen, und mehr Regenwasser vor Ort versickern zu lassen, damit man das Wasser im Kreislauf vor Ort behält. An vielen Stellen – wie etwa den baumlosen Waldflächen – sind fehlende Wasserspeicher auch ein Problem, das man wieder verstärkt angehen müsse.

Und letztlich wird – analog zum Hochwasserportal – in Thüringen auch ein Niedrigwasserportal erstellt, anhand dessen für jedes Grundstück ersichtlich ist, an welchen Stellen niedrige Wasserstände zu erwarten sind. Zudem sollen den Bürgern auch Handreichungen zum Niedrigwasser zur Verfügung gestellt werden.