Traurige Bilanz Mehr Schmalkalder in der Junihitze verstorben

Thomas Heigl

Sterben eigentlich im Winter oder im Sommer die meisten Menschen? Die Tiefenanalyse ist aufschlussreich, es gibt einen neuen Trend.

Fordert die Bruthitze mehr Todesopfer? Viele deutet darauf hin. Foto: dpa

Die dunklen Monate des Jahres holten die Alten und Kranken: So lautet eine Lebensweisheit der Altvorderen, die an die Enkel und Urenkel überliefert worden ist. Wer betagt sei und den Mai erreiche, habe gute Chancen, noch ein bisschen auf Erden zu verweilen. Tatsächlich ist das kein Hörensagen, die Generationen der Vergangenheit lagen mit ihren Beobachtungen völlig richtig. Auch wenn die Unterschiede nicht dramatisch sind.

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120 Monate näher beleuchtet

Das Thüringer Landesamt für Statistik ist für die Lokalredaktion Schmalkalden in die Tiefen der Todesfalltabellen eingetaucht. Tatsächlich wird in den Wintermonaten „mehr gestorben.“ Und das sowohl im gesamten Freistaat, als auch im Landkreis Schmalkalden-Meiningen mit seinen inzwischen weniger als 120.000 Einwohnern. Die Fachleute haben 120 Monate zwischen 2016 und 2025 einzeln beleuchtet und einen Zehn-Jahres-Durchschnitt errechnet.

Faktisch gibt es im Winter die meisten Beerdigungen, vor allem in den ersten beiden Monaten, sowie im letzten Monat des Jahres. Der Sterbemonat schlechthin ist der Dezember, mit durchschnittlich 191 von jährlich 1907 Todesfällen im Landkreis. Es folgt der Januar mit 185 Verstorbenen, vor dem Februar (172). Der März (171) ist hier inzwischen auf Grund der Entwicklung in jüngerer Zeit nahe herangerückt, in Thüringen haben beide Monate schon die Plätze getauscht. Doch auch der November trägt inzwischen häufiger Trauerflor (165). Das war nicht immer so, obwohl genau dieser Monat mit dem Totensonntag ob der Witterung als der gemeinhin trostloseste des Jahres gilt. Tatsächlich gab es im Sommer erfreulicherweise weniger Beerdigungen – so der Blick in die Vergangenheit.

Schmalkalden-Meiningen hat in den vergangenen Jahren stets und ständig Einwohner verloren. Doch die Zahl der Todesfälle hat sich tendenziell erstaunlicherweise nicht verändert, verharrt auf einem ähnlichen Niveau. Die Bürgerschaft altert, erreicht ein höheres Lebensalter, das ewige Leben ist aber unerreicht.

Ein Jahr sticht heraus

Dennoch sticht ein Jahr heraus: Im Jahr 2021 sind kreisweit 2200 Menschen verstorben, weit mehr im als Zehnjahresmittel. Und auch 2022 fällt mit 2062 Toten deutlich ab. Es ist die Zeit der Corona-Jahre: Die Pandemie lässt sich durchaus ablesen. Das gilt auch für andere Extreme: Wie die häufiger auftretenden Hitzeperioden mit sehr heißen Tagen. Die Landesstatistik, die alle Totenscheine erhält, hat eine Schnellauswertung vorgenommen: So viele Juni-Tote wie im Juni 2026 gab es seit Langem nicht, höhere Werte sind nicht bekannt: 160 Tote im Landkreis sind ein trauriger Rekord. „Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 13,6 Prozent mehr Sterbefälle, im Vergleich zum Zehn-Jahres-Mittel sind es 12,5 Prozent“, so die Landesbehörde.

Ob der Juni ein Ausreißer war, oder ob er exemplarisch für eine Sterbewelle parallel zur Hitzewelle steht, wird man sehen, wenn auch die Auswertungen für Juli und August vorliegen.