Tradition&Handwerk Steinbacher Untergrund kommt ans Licht

Die Steinbach-Hallennberger Tourist-Info bietet eine neue Führung rund um den Arzberg an. Burgvogt und Stadtchronist, Stephan Herwig, blickt auf der dreistündigen Tour tief in die Geschichte der Bergleute und der Weiterverarbeitung des Eisens in den Werkstätten des Haseltals. Foto: privat

Zur Eisenindustrie im Haseltal gibt es jetzt eine neue Themenwanderung. Burgvogt Stephan Herwig führt Gäste dabei auch an den Arzberg, wo Bergleute einst in engen Löchern nach dem suchten, was der Berg im Namen trägt: Erz.

Kein Job für Klaustrophobiker: Bergmann im Spätmittelalter zu sein, das bedeutete Lebensgefahr und Kriechen in enge Löcher. Selbst Kinder und Jugendliche mussten mitmachen, denn sie eigneten sich mit ihrem kleinen Wuchs noch besser.

Dennoch fand Herwig in Archiven für das Jahr 1480 die Anzahl von immerhin 900 Menschen, die im hiesigen Bergbau beschäftigt waren. Es seien allerdings nur wenige Zahlen überliefert, sagte Herwig kürzlich zum Tag des Wanderns, als er die neue Wanderroute vorstellte. Beginnend am Heimathof, thematisiert er in der dreistündigen Tour über den Arzberg den Bergbau, die Eisengewinnung, als auch die Eisenverarbeitung.

„Der Bergmann hatte verschiedene Werkzeuge: Schlägel und Eisen und natürlich auch ein Geleucht – welches entweder mit Karbid oder ganz einfach mit Kienspan, Talg oder mit Öl betrieben wurde“, erklärte Herwig, der auch Stadtchronist im Haseltal ist. Bekannt ist er für ansprechende und unterhaltsame Anekdoten, etwa über die diebischen Franken oder geschäftstüchtigen Strühter, über die sich die Gäste auch diesmal wieder köstlich amüsierten.

Wenn das Steinbach-Hallenberger Original „Folget dem Vogt!“ ruft, geht es weiter. Über die typischen Treppchen, wie sie überall im Haseltal zu finden sind, ging es zur 100-jährigen Linde am Arzberg, einer beliebten Landmarke, an der sich Menschen treffen und fotografieren. „Die Treppchen sind ein Markenzeichen in der Region. Das Eisenhandwerk war zäh und warf nicht genug ab. Deshalb mussten die Familien zusätzlich Ackerbau betreiben, damit sie über die Runden kamen“, berichtete er.

Strüther Ossehaider

Die kleinen Gässchen ermöglichten es den Menschen damals, schnell zu ihren Feldern und zurück zum Arbeitsplatz an die Schmiede zu kommen. „Nachdem der Bergbau am Arzberg eingestellt wurde, bezog man den Eisenstein aus Trusetal und Seligenthal. Der Transport erfolgte mittels Ochsenkarren. Der Überlieferung zufolge wurden die müden Ochsen in der Struth ausgetauscht. Daher auch der heute noch geläufige Spitzname „Strüther Ossehaider“.

Auch an der Linde am Arzberg hatte der Burgvogt einige interessante Geschichten parat. „Die Linde steht für Liebe, Gerechtigkeit und Frieden“, erläuterte er. So habe man früher unter der Linde getanzt, Recht gesprochen und für den Frieden gebetet. „Ob diese Linde hier so genutzt wurde, weiß man allerdings nicht“, so Herwig weiter. Jedoch habe es in Steinbach-Hallenberg ein Berggericht gegeben, welches vom Vogt geleitet wurde. „Außerdem gab es einen Galgen“, informierte der Burgvogt die neugierigen Gäste der Wanderung weiter.

Historie des Wolffs-Garten

Von der Linde aus ging es dann querfeldein – zum einstigen Grubengebiet, der „Zeche Arzdelle“. Heute befindet sich dort die Gartenanlage „Wolfsgarten“ des Steinbach-Hallenberger Obst-und Gartenbauvereins. Dieser Verein, der 1906 gegründet wurde, prägte damals das örtliche Leben. „Der 1. Vorsitzende war Kantor Ferdinand Wolff“, berichtete der Burgvogt seinen interessierten Zuhörern. Die Obst- und Gartenbauanlage sei 1920 bis 1922 errichtet wurden, um dann am 1. Oktober 1922 feierlich eingeweiht zu werden.

Zur Würdigung des Vorsitzenden erhielt die Anlage den Namen „Wolffs-Garten“. Drei Jahre später wurde dort noch eine kleine Vereinshütte errichtet. Für die Vereinsmitglieder war die Obst- und Gartenbauanlage zur Eigenversorgung von großer Bedeutung.

Eine gemeinsam genutzte Obstpresse, welche noch bis in die DDR-Zeit hinein genutzt wurde, gehörte ebenso zum Verein wie diverse Gartengeräte und Maschinen. Der Burgvogt führte die Teilnehmer alten Grubenspuren folgend weiter auf verschlungenen Pfaden durch den Arzberg.

„Dort wäre ich selbst nie hingekommen“, schwärmte ein einheimischer Teilnehmer der Führung. Obwohl er sich gut auskenne, habe er Wege und Pfade kennengelernt, deren Existenz er nie vermutet hätte. Am Ende der Tour spendierte Herwig noch einen Bergmannsschnaps und verabschiedete seine Gäste mit einem „Glück auf“. wlm

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