Tradition Da flogen die Späne

Annett Recknagel

Das erste Sommerfest „Werkzeugstadt Schmalkalden“ zog am Samstag zahlreiche Besucher an das technische Denkmal „Neue Hütte“. Es gab viel Aktion zum Mitmachen und Staunen.

Mit dem Holzhammer klappte das. Mit der Schrotsäge ebenfalls. Oskar ist eben ein emsiges Bürschchen, das seinem Opa Karl-Heinz Kümpel nur zu gern assistiert. „Wir sind fast durch“, rief er und seine Augen leuchteten. Mit sechs Jahren einen Stamm durchzusägen, das soll ihm erst einmal einer nachmachen. Natürlich gab es jede Menge Späne. Und genau die waren der Aufhänger des ersten Sommerfestes mit dem Namen „Werkzeugstadt Schmalkalden“.

Seit dem 16. Dezember 2021 weist der Schmalkalder Werkzeugspan als Edelstahl-Glaskunstwerk auf die Werkzeugstadt Schmalkalden hin. Und weil es zur Enthüllung unangenehm kalt war, beschloss man, im Sommer gebührend zu feiern. Am Samstag nun war es soweit. Das Gelände des technischen Denkmals „Neue Hütte“ bot sich dafür bestens an. Als Initiatoren brachten Norbert Krah als Vorsitzender der FBF-Forschungs-&Bildungs-Fördergesellschaft e. V. , Ute Möcker vom Verein für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde und die Leiterin des technischen Denkmals „Neue Hütte“, Monika Schwintek, ihre Ideen ein. Man wollte schließlich nicht nur gemeinsam Essen und Trinken. Den Gästen sollte rund um die Werkzeugindustrie etwas geboten werden.

Und so wurde die Idee einer Werkzeugstraße geboren. Ursprünglich war sie für den „Thüringen Tag“ geplant, der eigentlich 2021 in Schmalkalden stattfinden sollte, den man aber wegen Corona auf 2023 verschieben musste. Freilich blieb die Idee der Werkzeugstraße im Hinterkopf. Im Kleinen wurde sie zum Sommerfest „Werkzeugstadt Schmalkalden“ schon einmal getestet. Und das mit Erfolg. Die Gäste staunten nicht nur am Stand der Zimmerei Kümpel aus Fambach. Passend zum Thema Holz gab es nebenan bei Philipp Krug Drechselprodukte zu sehen. Der Tischlermeister hat sich mit der Drechselei einen Ausgleich geschaffen, der auch seine Lebenspartnerin Ute Möcker begeistert. Philipp Krug hat sie längst angelernt. „Wir drechseln Schalen, Weihnachtsbaumkugeln, Teller, Teelichter, Ostereier“, erzählten die Beiden. Zum Sommerfest wurden Kreisel hergestellt. Und das gab natürlich einen Haufen Späne – das war es wieder, das Symbol.

Beim Umgang mit dem Glasschneider fielen auch Späne. Natürlich ganz andere. Aber auch hier konnte man viel lernen. Zum Beispiel was ein Halligan Tool ist. Mit dieser Art „Stangen“ werden Türen geöffnet. Selbst die Polizei benutzt derartige Werkzeuge – und das Beste: Hergestellt werden sie bei Herwig Bohrtechnik GmbH. Geschäftsführer Toralf Herwig war vor Ort und kam mit den Besuchern schnell ins Gespräch.

Damit war man beim Metall angelangt. Die Verbindung von Holz und Metall wurde durch die MHG Messerschmidt geschaffen. An diesem Stand gab es jede Menge Beitel zu sehen. Und dann war es nur noch ein Katzensprung zur Nagelschmiede. Bevor man Hobbyschmied Siegfried Teichmann bei seinem Handwerk über die Schulter schauen durfte, musste man unbedingt einen Blick in die Miniatur-Schmiede von Andreas Engelhardt und seinem Enkel Ben werfen. An dem Modell hat der Opa jahrelang gebaut. Natürlich mit Hilfe seines Enkels. „Ich will den Kinder auf einfache Weise zeigen, wie früher geschmiedet wurde“, erklärte er. Das Modell beinhaltet alles, was früher so auf einem Hof in der Region zu finden war. Außer Wohnhaus und Schmiede ist ein Garten mit Hasenstall, Bänken, vielen Utensilien von anno dazumal, Außenklo und noch vielen mehr. Martina Bogen-Wendt von der Stadtverwaltung war davon so begeistert, dass sie plant, das Modell demnächst in der Touristinformation zu zeigen. Und zum „Thüringen Tag“ 2023 ist Andreas Engelhardt mit seinem Enkel Ben und der Schmiede freilich wieder dabei.

Nicht vergessen werden darf auch Siegfried Kaufmann, der in der Bohrerschmiede aktiv war. Zudem konnte das Museum besucht werden. Monika Schwintek bot Führungen an. Für die kleinen Gäste gab es eine Hüpfburg. „Wir können auf unser Handwerk und auf die Werkzeugstadt sehr stolz sein“, sagte Stadtrat Fabian Amborn, der Bürgermeister Thomas Kaminski vertrat. Peter Casper als Beigeordneter der Landrätin, zeigte sich beeindruckt und freute sich, dass mit so einem Fest die Werkzeugstadt ins Bewusstsein gerufen werde. Dies ist ganz im Sinne von Norbert Krah, der auf das Edelstahl-Glaskunstwerk, das die Werkzeugstadt Schmalkalden symbolisch würdigt, sehr stolz ist. „Es genügt aber nicht“, meinte er. Jetzt komme es darauf an, zu zeigen, was eine Werkzeugstadt ausmache. Und damit war er beim neuesten Projekt, einem Weg, der von der Aue Hütte bis zur Neuen Hütte entstehen soll und an dem an verschiedenen Stationen mit Erläuterungen die Werkzeugstadt ins Spiel gebracht werden soll. Das Sommerfest selbst soll zur Tradition werden. Geplant ist, es jedes Jahr auf dem Hüttengelände zu feiern und immer andere Firmen zum Mitwirken zu gewinnen, um den Gästen die Werkzeugindustrie in ihrer Vielfalt zu präsentieren.

 

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