Wohnmobil-Tourstopp Westhausen Mürbs, Clubberer und Todeshäuschen

Die Wohnmobil-Tour der Heimatzeitung geht weiter. Montag war Westhausen dran und mitten vor einem Konsum offenbarte sich so viel Leben. Wein und Rückert standen im Fokus.

Todeshäuschen sind etwas Besonderes und selten. Foto: /Daniela Rust

Es gibt Dörfer, da fährt man ab und zu durch, denkt sich „ok, nett hier, aber irgendwie ruhig“, bis man plötzlich an einem Montagmorgen während der Wohnwagentour des Verlags vor einem Konsum mitten im Dorf steht und Menschen begegnet. Dann dreht sich das Bild und es wird spürbar, wie viel tiefes Leben, wie viel Geschichte und Geschichten, welche Eigenarten und Besonderheiten einen Ort zu dem machen, was er für die Menschen ist. Eine Heimat – mit Wurzeln und Verankerung, mit Zusammenhalt und Brauchtum, mit Nächstenliebe und Gemeinsamkeiten.

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Tourstopps.

Alleine der Schulkonsum neben der ehemaligen Schule in Westhausen ist ein Juwel für das Dorfleben. Wie im Taubenschlag geht es zu. „Und heute Morgen ist gar nicht so viel los“, sagt Verkäuferin Regina Geßler-Hunstock. Die Heldburgerin arbeitet seit zwei Jahren im von der Lietz-Schule im benachbarten Haubinda betriebenen Konsum und liebt ihren Beruf. Seit 47 Jahren übt sie ihn aus und genießt bis heute den Kontakt zu Menschen. „Unser Konsum ist ein Magnet für die Menschen in Westhausen. Sie kommen natürlich zum Einkaufen, treffen sich aber auch hier zum Kaffee. Die Männer sitzen regelmäßig zusammen und mittlerweile auch die Jugendlichen“, erzählt sie.

Der Schulkonsum ist ein Magnet. /Daniela Rust

Bodo Leipold nutzt den Konsum für seine hauptsächlichen Einkäufe, ist froh, dass es solch eine Institution in Westhausen gibt: „Es gibt tolle Backwaren. Und als zu Corona-Zeiten alles schwierig war, hat der Konsum die Menschen sogar beliefert.“ Der Westhäuser mag das Brauchtum und die Geschichte seines Wohnortes, erzählt begeistert, dass die Familie von Friedrich Rückert einst in Westhausen heimisch war und bis heute der Rückert-Freundeskreis aus Bad Rodach mit der Heimat des Dichters verbunden ist. Mit Rückert kommen andere Geschichten ans Licht. Die, dass Westhausen einst Weinberge hatte, dass Luthers Freunde hier waren, dass es das Westhäuser Unterland als geografischen Begriff gibt, dass 2026 die 1250-Jahr-Feier des 450-Seelen-Dorfes ansteht.

Mit ihrer Heimat verbunden: Wolfgang Rottenbacher (links) und Heinz Culmbacher. /Daniela Rust

Zum Fest werden sie alle zusammenkommen. Thomas Voigt, der aus Eisenach stammt, eine Oma in Streufdorf hatte und irgendwann mit seinen Eltern nach Westhausen gezogen ist. Er mag die Geselligkeit, die Treffen am Konsum und – den FCN! „Schon zu DDR-Zeiten haben wir hier für den fränkischen Verein mitgefiebert“, erzählt der Clubberer, der nach der Wende einen Fanclub mitgegründet hat, kein Spiel verpasst und sich im Dorf mit Bayern-Fans verträgt. Sogar Turniere zwischen Fanclubs wurden in Westhausen schon ausgetragen und zum 35. Fanclub-Jubiläum dieses Jahr fällt den Westhäusern garantiert einiges ein.

Lichtstube verschönert das Dorf

Heinz Culmbacher wird da sein zur Jahrfeier. Er gehört zum Backhaus und zur Lichtstube, kennt das Geheimnis hinter dem Westhäuser Nationalgebäck Mürbs, das er nicht verrät und gibt Backhauswissen an nächste Generationen weiter, während er der Kirchenorgel eine Pfeife spendiert, mit der Lichtstube den Ort schmückt und Besuchern etwas zeigt, das es nur in zwei Kirchen in Deutschland gibt: Totenhäuschen. Die Schreine sind aufgereiht in der St.-Kilians-Kirche zu Westhausen, zeugen von traurigen Geschichten über zu kurze Leben.

Wolfgang Rottenbacher ist aus Gellershausen nach Westhausen gekommen, holt sich die digitale Zeitung am Montagmorgen währen der Wohnmobiltour des Verlags und mag doch so sehr die Welt wie sie früher war, sortiert seine Zigaretten in einem silbernen Etui und genießt den Austausch mit Menschen seiner Heimat. Montagmittag, als das Wohnmobil weiterzieht, sind Geschichten erzählt und es wurde klar: Mitten im Herzen Deutschlands leben so viele Menschen mit einem Herz für ihre Heimat und in diesen Herzen wohnen die schönsten Geschichten, die das Leben einfach so schreibt.