Tourismus Thüringer Wald soll in die Spitze der Mountainbike-Regionen

Das Naturerlebnis steht für die meisten im Vordergrund, die mit dem Mountainbike Urlaub machen. Davon hat der Thüringer Wald viel zu bieten. Foto: Michael Reichel

Rund 16 Millionen Deutsche sind regelmäßig mit dem Mountainbike unterwegs. Der Regionalverbund Thüringer Wald sieht in ihnen ein riesiges Gäste-Potenzial. Noch rangiert die Region in der Gunst der Biker aber nur im deutschen Mittelfeld.

Der Thüringer Wald liegt nicht nur geografisch ziemlich genau in der Mitte Deutschland. Was ihm touristisch den großen Vorteil einbringt, sowohl von München als auch von Berlin in weniger als drei Stunden mit dem Zug erreichbar zu sein, wie Adrian Seeber, Produktmanager beim Regionalverbund, am Donnerstag in Suhl berichtet. Auch in der Gunst der deutschen Mountainbiker liegt der Thüringer Wald im Mittelfeld. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Mountainbike Tourismusforum Deutschland aus Leipzig.

Demnach liegen die drei beliebtesten Regionen in Bayern, ohne dass die Befragung sie genau benennen würde. Unter den beliebtesten sechs liegen die Pfalz und das Erzgebirge – und damit noch vor dem Thüringer Wald.

Doch mit Mittelmaß will sich der Thüringer Wald nicht zufrieden geben. „Unser Ziel muss es sein, wenigstens unter die besten zehn Mountainbike-Regionen aufzusteigen“, formuliert Seeber den Anspruch des Thüringer Waldes beim Auswertungsgespräch zur Sommersaison 2022 mit vielen regionalen Akteuren in Suhl.

Dazu solle die Region im kommenden Jahr optisch noch besser sichtbar werden als Mountainbike-Region. Auf allen Ebenen. Es dürfe nicht länger passieren, dass etwa Fahrradverleiher auf ihren Internet-Seiten mit Fotos von Mountainbikern in den Alpen für ihre Leistungen werben. Der Regionalverbund habe in den vergangenen Monaten viel in neues, schönes Bildmaterial investiert, dieses müsse nun auch nach außen getragen werden. Und auch die Fahrradindustrie hat den Thüringer Wald für sich entdeckt. Rose, einer der größten deutschen Fahrradhersteller mit Sitz in Bocholt in Nordrhein-Westfalen, hat das Werbevideo zur Markteinführung seiner neuen E-Gravel-Bikes in den vergangenen Monaten im Thüringer Wald gedreht. „Mit der gleichen Crew, die sonst Produktvideos für das Unternehmen in Namibia und an anderen Orten der Welt produziert“, berichtet Seeber und hofft, dass der Start des Werbevideos im kommenden Jahr auch Impulse in den Thüringer Wald sendet.

Dass Investitionen in das Mountainbike-Segment sich auszahlen, beweist der Bikepark in Oberhof. In den vergangenen Jahren ist viel Geld in dessen Ausbau geflossen. Das Resultat: Die Besucherzahlen steigen. Markus König, Betreiber des Bikeparks, berichtet von 12 400 Radfahrern, die die Anlagen in diesem Jahr unter die Reifen genommen haben. Das waren zwar weniger als die 14 000 Besucher im Jahr 2021, doch da hätte der Park einfach von den Reisebeschränkungen der Corona-Pandemie profitiert.

Angefangen hatte der Bikepark mit rund 3500 Besuchern, als König ihn 2019 übernommen hatte. Das war vor dem Ausbau. Bevor Geld in die Hand genommen wurde, um mehr Besucher anzulocken. Bei 3500 Besuchern im Jahr steht aktuell auch der Bikepark in Steinach, berichtet Geschäftsführer Axel Müller. „Damit liegen wir auf dem Niveau, das Oberhof vor seinem Ausbau hatte“, sagt Müller. Und gibt damit gleich die Marschrichtung vor. Im Idealfall würde er in den kommenden Jahren – mit staatlicher Unterstützung – gerne 700 000 Euro in den Ausbau des Bikeparks und des Skihangs investieren. In neue, längere Strecken und eine bessere Infrastruktur. Dann, da zeigt sich Müller zuversichtlich, könnte Steinach durchaus ähnliche Besucherzahlen erreichen wie Oberhof.

Doch es sind nicht nur die Bike-Parks, die Mountainbiker für ihren Urlaub hierher locken. Zwar bezeichnen sich 75 Prozent der 15 000 befragten Radfahrer selbst als All-Mountain-Fahrer, die also schon größere Herausforderungen suchen, doch in der Realität seien 75 Prozent der Biker Tourenfahrer, berichtet Dirk Messing, Bike-Guide und Inhaber der Firma Thüringer Bike Abenteuer. Aus seiner Sicht steht und fällt der Erfolg der Region mit der Qualität der Tourenangebote, in denen viel Arbeit stecke. „Es kann sein, dass ich im April eine Strecke abfahre und sie dann ganz toll ist und im August ist sie dann nicht mehr befahrbar“, berichtet er. Viel Arbeit also auf dem Weg aus dem Mittelfeld.

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