Wenn mehrere Partner an einem Strang ziehen und ihre Kräfte bündeln, können Projekte verwirklicht werden, die einer allein nie hätte schaffen können. Darauf verwies Bauerbachs Ortsteilbürgermeisterin Rosemarie Fickel bei der Begrüßung der Gäste zur Eröffnung des neuen Räuber-Rundwanderweges. Unter ihnen Staatssekretär Carsten Feller vom Thüringer Wirtschaftsministerium, Grabfeld-Bürgermeister Christian Seeber sowie Mitglieder einer Arbeitsgruppe des Schillervereins Bauerbach. Und so sagte sie allen einen Dank, die am Projekt Räuber-Rundwanderweg mitwirkten – ob sie dies nun finanziell unterstützten oder Arbeiten in Eigenleistung erbrachten. So haben Wirtschaftsministerium und Gemeinde je 4700 Euro beigesteuert. Weitere 800 Euro will die Gemeinde für die Beschilderung zur Verfügung stellen. Danke sagte Rosemarie Fickel den Mitarbeitern des Bauhofes für etliche ausgeführte Arbeiten. „Was in unserem Dorf mit nur 270 Einwohnern geschaffen worden ist“, so die Ortsteilbürgermeisterin, „ist von überregionaler Bedeutung. Denn Besucher kommen oft von weither, um auf Schillers Spuren zu wandeln. Ihnen können wir nun mit diesem Wanderweg, der insbesondere für Familien konzipiert ist, eine weitere Attraktion anbieten.“ Kreiswegewart Ulrich Ganß war einer der ersten, der den Bauerbachern dazu gratulierte, liegt ihm der weitere Ausbau von Wanderwegen doch seit Jahren am Herzen. Ein Blick in die Geschichte (teils auf informativen Schautafeln entlang des Weges dargestellt) macht deutlich, warum hier das Wort Räuber keine negative Bedeutung hat. Denn Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ bringt 1782 zur Uraufführung in Mannheim ein ganzes Theater zum Kochen. Schiller trifft damit ein Lebensgefühl seiner Zeit. Im gleichen Jahr, inzwischen war er Militärarzt, floh er vor dem Landesherrn Herzog Karl Eugen aus Württemberg nach Bauerbach in Thüringen, weil ihm wegen unerlaubter Entfernung vom Dienst Festungshaft und ein Schreibverbot drohten. Das Wohnhaus des Rittergutes von Bauerbach diente Friedrich Schiller vom 7. Dezember 1782 bis zum 24. Juli 1783 als Zufluchtsort. Henriette von Wolzogen überließ ihm drei Räume im Obergeschoß ihres Hauses, dem heutigen Schiller-Museum. Nicht ohne Stolz stellte Rosemarie Fickel fest: „Schiller steht im besonderen erinnerungsgeschichtlichen Fokus unseres Ortes. In einem breiten Spektrum kümmern sich die Bauerbacher um die Traditionspflege des deutschen Dichters.“
Tourismus im Grabfeld Hier ist ein Räuber nicht verpönt
Wolfgang Swietek 03.07.2024 - 16:41 Uhr