Campen auf dem ehemaligen Grenzstreifen: Thüringen baut seine Trekking- und naturnahen Übernachtungsplätzen am Grünen Band aus, wie das Umweltministerium auf Anfrage in Erfurt der Deutschen Presse Agentur (dpa) mitteilte. Im Freistaat verläuft mit 763 Kilometern mehr als die Hälfte des rund 1400 Kilometer langen ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens, der heute als Grünes Band ein Naturrefugium und Erinnerungsort an die deutsche Teilung ist. Er hat in Thüringen den Status als Naturmonument. Nachdem im vergangenen Jahr erste offizielle Übernachtungsplätze für Camper bei Lichtenhain im Kreis Saalfeld-Rudolstadt eingerichtete wurden, folgen laut Ministerium nunmehr drei weitere Angebote: Übernachtungsmöglichkeiten in der Natur soll es unter anderem nahe des Schalkauer Stadtteils Truckendorf sowie am Generalsblick auf dem Isaak bei der Gemeinde Frankenblick geben. Das Projekt sei vom Umweltministerium angeschoben, von der Stiftung Naturschutz finanziert und von den Naturfreunden Thüringen koordiniert worden. Übernachtet werde im Zelt oder unter einer Art Zeltplane (Tarp) in der Natur fernab von größeren Tourismusgruppen. Diese Variante des Tourismus hat in der Region ziemlichen Nachholbedarf. „Das generelle Problem sind Übernachtungsmöglichkeiten für Wanderurlauber“, umreißt Ralf Kirchner die Situation im Thüringer Schiefergebirge und dessen Vorland. Der stellvertretende Geschäftsführer des Naturpark Thüringer Wald sieht auf diesem Gebiet Handlungsbedarf. Gäste, die mit dem Pkw unterwegs sind, hätten die Möglichkeit für eine Übernachtung in ein Quartier zu fahren. Für Wanderer, die zu Fuß über längere Strecken das Naturmonument und die Erinnerungslandschaft an der einstigen innerdeutschen Grenze erkunden möchten, gebe es diese Möglichkeit nicht. Ausgerichtet seien die Standorte jeweils auf eine Übernachtung, Dauercamping sei ausgeschlossen, so Kirchner. Nicht selten ist die Zielgruppe sogar ohne Zelt unterwegs und möchte einfach nur im Freien übernachten. Entsprechend halte man an den einzelnen Standorten Toiletten und Stromanschlüsse vor. Toiletten seien unstrittig notwendig, ein Stromanschluss sei mitunter wichtig, um beispielsweise das Handy aufladen zu können. Hinsichtlich der Toiletten setze man vor allem auf Trockenanlagen. Allerdings müsse in jedem Fall ein Vertrag geschlossen werden zwischen einem Betreiber – oder jemand der sich kümmert – und den jeweiligen Grundstückseigentümer. Der Naturpark vermittle gerne, aber aktiv werden müssten dann die jeweiligen Partner.
Tourismus Camping im Grünen Band
Thomas Schwämmlein 11.06.2025 - 14:00 Uhr