Erik Hande und Yannis Michel 01.04.2026 - 06:00 Uhr
Zwischen Dolmar und Hoher Geba soll eine 15 Kilometer lange Seilbahn entstehen. Sie würde 330 Millionen Euro kosten. Private Investoren zeigen Interesse. Wie kam es zu der Idee?
So könnte die Seilbahn von der Hohen Geba zum Dolmar einmal aussehen. Foto:
Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen nimmt ein ambitioniertes Projekt konkrete Formen an: Die Stadt erwägt den Bau der längsten Seilbahn Deutschlands. Die geplante Verbindung soll die beiden markanten Berge Hohe Geba und Dolmar miteinander verbinden – eine Strecke von beeindruckenden 15 Kilometern Länge. Eine Fahrt zwischen den beiden Bergen dürfte rund eine halbe Stunde dauern.
Doch damit nicht genug: Zusätzlich ist eine direkte Anbindung vom Meininger Bahnhof bis zum Dolmar vorgesehen. Dieser Abschnitt soll weitere sieben Kilometer umfassen. Insgesamt würde die Seilbahn damit auf eine Gesamtlänge von rund 22 Kilometern kommen – ein Projekt, das in Deutschland bislang ohne Vergleich wäre. Die Gondelbahn ist in erster Linie für den Tourismus gedacht. Besucher sollen künftig bequem und mit spektakulären Ausblicken über die sanften Hügel, Wälder und Basaltlandschaften der Rhön gleiten können. Die Region erhofft sich dadurch einen deutlichen Schub für den Fremdenverkehr sowie neue wirtschaftliche Impulse.
Geplant sind zudem mehrere Stationen entlang der Strecke. So ist auf dem Dolmar eine Haltestelle mit direkter Anbindung an das Wandernetz in Richtung Schmalkalden vorgesehen. Auf dem Berg bietet das Charlottenhaus bereits Kultur und Verköstigung. Eine weitere Station ist im Meininger Ortsteil Walldorf angedacht. Hier können Besucher bequem die bekannte Sandstein- und Märchenhöhle Walldorf erkunden sowie die historische Kirchenburg Walldorf besichtigen. Auf der Hohen Geba dürfen Besucher die Aussicht genießen oder nach einer Stärkung im Bergstübchen abends den klaren Sternenhimmel entdecken.
Die Vision vom Schiefen Turm auf der Hohen Geba scheiterte. Foto: Bießmann+Büttner
Die Idee für das Großprojekt geht auf den früheren Landrat Peter Heimrich zurück. Bereits in der Vergangenheit hatte er visionäre Vorhaben für die Region vorangetrieben – darunter das Projekt eines „Schiefen Turms“ auf der Hohen Geba, das seinerzeit in einer Bürgerabstimmung noch keine Mehrheit fand. Neue Impulse erhielt Heimrich im Gespräch mit dem Ingenieurbüro A. Priel Mitte Januar nach der Lektüre eines Berichts auf der Plattform ingenieur.de, der ihn dazu ermutigte, die Seilbahnidee aufzugreifen. Rückenwind bekam das Vorhaben zudem durch das Interesse einiger privater Investoren. Diese könnten einen Großteil der Finanzierung übernehmen, sodass der städtische Haushalt weitgehend geschont würde. Ergänzend sollen Fördermittel beim Freistaat Thüringen beantragt werden.
Finanziell handelt es sich um ein Großvorhaben: Mit geschätzten Kosten von etwa 15 Millionen Euro pro Kilometer beläuft sich die Gesamtinvestition auf rund 330 Millionen Euro. Trotz der hohen Summe sehen Befürworter in dem Projekt eine langfristige Chance, die Region überregional stärker zu positionieren. Von den zusätzlichen Besuchern könnten andere Tourismus-Standorte wie das Meeres-Aquarium in Zella-Mehlis, die Sportstadt Oberhof oder Schmalkalden mit Schloss Wilhelmsburg und der Viba Nougat-Welt profitieren.
Ob und wann die längste Seilbahn Deutschlands tatsächlich Realität wird, hängt nun von weiteren Planungen, Genehmigungen und der Finanzierung ab. Klar ist jedoch schon jetzt: Meiningen könnte mit dieser Vision ein deutliches Zeichen für innovative Tourismuskonzepte in der Rhön setzen. Allerdings muss der Stadtrat zunächst erst einmal die Idee aufgreifen und weiterentwickeln.