Amnesty fordert Aufklärung der Todesumstände
Menschenrechtler kritisieren, dass es in Russland keine Aufklärung gab. "Bis heute vertuschen die russischen Behörden die Umstände seines Todes", erklärt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. Zugleich führe der Machtapparat eine "gnadenlose Kampagne" gegen Anhänger Nawalnys. Seine Anwälte sind inhaftiert. "Diese systematische Repression zeigt, wie kompromisslos der russische Staat gegen jede Form friedlicher Kritik vorgeht", sagte sie.
Duchrow appellierte an die russischen Behörden, die Inhaftierten freizulassen und "ungerechtfertigte Verurteilungen" aufzuheben. Zugleich forderte sie die Bundesregierung dazu auf, politisch verfolgten Menschen aus Russland zu helfen, etwa durch flexible Visa- und Aufenthaltsregelungen.
Tausende politische Gefangene
Nawalny war einer von Tausenden politischen Gefangenen in Russland, von denen Putin bisher nur einige im Tausch mit im Westen inhaftierten Russen freigelassen hat. Menschenrechtler sehen viele Gefangene in Lebensgefahr in den russischen Straflagern - aufgrund von Folter oder anderer als menschenunwürdig kritisierten Umstände.
Die Menschenrechtsorganisation Memorial geht davon aus, dass Russland mindestens 5.027 Menschen wegen politischer Motive in Gefangenschaft hält. Memorial führt eine namentliche Liste. "Das ist eine minimale Schätzung. Wir gehen davon aus, dass es in Wirklichkeit mindestens doppelt so viele Gefangene geben könnte", hieß es in einer Mitteilung.