Tote Tiere in der Oder Fischsterben könnte auch Ostsee treffen

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Tote Fische treiben an der Oberfläche der Oder (hier in Brandeburg). Das Fischsterben könnte nun auch die Ostsee treffen. Foto: dpa/Patrick Pleul

Das Fischsterben geht weiter und könnte nun auch Teile der Ostsee treffen. Die aktuellsten Infos zu dem großen Sterben in der Oder und die schwerwiegende Frage nach der Verantwortung.

Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern rechnet mit Auswirkungen des Fischsterbens in der Oder auf das Stettiner Haff. Es sei damit zu rechnen, dass die Belastungen die Odermündung nahe Stettin (Polen) abhängig von Wind- und Strömungsverhältnissen bereits am Abend erreichen, schrieb das Ministerium in einer Mitteilung am späten Freitagabend. Im Verlauf des Samstags könnte dann auch der vorpommersche Teil des Stettiner Haffs betroffen sein.

Das Ministerium von Till Backhaus (SPD) rief daher die Anlieger vorsorglich dazu auf, auf das Fischen in und die Wasserentnahme - unabhängig von der Nutzung - aus dem Gewässer zu verzichten. Die zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern bereiten demnach aktuell Gewässer- und Fischproben vor.

Die Ursache für massenhafte Fischsterben entlang der Oder ist noch nicht klar. Bisherige Laboranalysen brachten noch keinen genauen Aufschluss über die Belastung des Wassers und die Ursachen.

Umweltschutzverbände schlagen Alarm

Umweltschutzverbände, wie der Naturschutzbund (Nabu) schlugen Alarm. Auf Twitter bezeichnete die Organisation das Sterben als „verheerende Katastrophe für das gesamte Ökosystem“.

Polen setzte unterdessen wegen des Fischsterbens in der Oder eine hohe Belohnung für Hinweise aus, die zur Ergreifung eines Täters führen soll. Die Polizei habe dafür eine Summe von umgerechnet 210 000 Euro ausgelobt, sagte Vize-Innenminister Maciej Wasik am Samstag in Gorzow Wielkopolski. „Wir wollen die Schuldigen finden und die Täter des Umweltverbrechens bestrafen, um das es hier wahrscheinlich geht“, betonte Regierungschef Mateusz Morawiecki.

Darum steht Polens Regierung nun unter Druck

Polens Regierung und Behörden stehen unter Druck, weil sie zu zögerlich auf das Fischsterben reagiert haben. Am Freitagabend hatte Morawiecki deshalb den Chef der Wasserbehörde und den Leiter der Umweltbehörde entlassen. Er schließe weitere personelle Konsequenzen nicht aus, sagte der Regierungschef nun. Morawiecki räumte ein, er habe erst am 10. August von dem massiven Fischsterben erfahren. „Ich wurde auf jeden Fall zu spät informiert.“

Der Oppositionsführer und frühere EU-Ratspräsident Donald Tusk von der liberalkonservativen Bürgerplattform (PO) forderte nach einem Treffen mit Regionalpolitikern die Regierung auf, in den vier Wojewodschaften an der Oder den Ausnahmezustand wegen einer Naturkatastrophe zu verhängen.

Das Fischsterben in der Oder beunruhigt seit Tagen die Menschen, die in Polen und Deutschland an dem Fluss leben. Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben bereits Ende Juli erste Hinweise darauf bekommen, dass in dem Fluss massenweise verendete Fische treiben. Die Ursache des Fischsterbens ist noch ungeklärt.

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