Ton-Art im Schloss Altenstein Besonderes Konzert an besonderem Ort

Das Ensemble Ton-Art aus Apolda beeindruckte die Besucher mit einem besonderen Konzert an einem besonderen Ort. Foto: Sibylle Bießmann

Die abendliche Stimmung im Altensteiner Park bei herrlichem Sommerwetter bot einen fantastischen Einstieg in ein ganz besonderes Konzert mit dem Ensemble Ton-Art aus Apolda.

Auch wenn sich die Location, der große Saal des Schlosses Altenstein, noch im Rohbau befindet – dem Konzerterlebnis mit dem Ensemble Ton-Art aus Apolda tat dies keinen Abbruch.

Besondere Geschichte

Die Veranstaltung prägt eine beeindruckende Geschichte. Jana Birken ist in Bad Liebenstein Stadtführerin aus Leidenschaft. Mit ihrem fundierten Wissen und ihrer sehr nahbaren und fesselnden Art beeindruckte die Zweiundfünfzigjährige auch die Damen und Herren vom Ensemble Ton-Art aus Apolda. Die waren vom Schloss Altenstein und dem Brahms-Gedenk-Zimmer so sehr beeindruckt, dass sie nicht nur spontan ein Liedchen trällerten, sondern danach nur noch einen Wunsch hatten: ein Konzert mit Jana Birken als Moderatorin.

Vorher geübt

Und was eigentlich unmöglich schien, wurde wahr. Einen Chor zu moderieren, war für Jana Birken eine ganz neue Herausforderung. Damit auf dem Altenstein alles klappt, hatte sie die Premiere bereits souverän gemeistert, bei einem Konzert in Apolda. Im Weimarer Land hat sich das seit 2011 agierende Sextett längst einen Namen gemacht. Dabei legen die Sänger und Sängerinnen ihren Schwerpunkt auf die Wiederbelebung und Erhaltung alten Liedgutes: „Wir haben Corona getrotzt, im Kurpark in Bad Sulza oder in der Scheune eines unserer Mitglieder geprobt und so die Zeit gut überbrückt“, erzählt Chorleiterin Maritta Mühling. Das Konzert im Altensteiner Schloss komplettierten Adeline (Violine) und Michael Ebert (E-Piano) aus Coburg, beide hochkarätige Musiker und Absolventen der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar.

Die aufgestellten Gartenstühle waren allesamt besetzt. Die Gäste konnten sich zurücklehnen und ein sehr anspruchsvolles, überaus klangvolles und sehr kurzweiliges Repertoire erleben. Gespickt war der Abend mit vielen interessanten und passend auf die Stücke angestimmten Informationen zu den Komponisten: So erfuhren die Anwesenden, welche Rolle Johannes Brahms für Clara Schumann spielte und vom Aufenthalt der Konzertpianistin Clara Schumann in Bad Liebenstein kurz vor ihrer Heirat mit Robert Schumann, bei dem sie sich über die schlechte Qualität des Flügels auf dem Altensteiner Schloss beschwerte.

Verschiedene Interpretationen

Die unterschiedliche Interpretation von „Wenn ich ein Vöglein wär“, einmal als spritziges Lied in der Fassung von Johannes Brahms und anschließend in der getragenen instrumentalen Fassung von Robert Schumann – beide Stücke hervorragend vorgetragen – spiegelten sehr gut die unterschiedlichen Emotionen der Komponisten wider.

In einem Schloss mit Brahms-Gedenk-Zimmer fand dieser natürlich besondere Wertschätzung. Ehrgeizig, wohltätig, bescheiden, aber auch schroff und harsch soll Brahms gewesen sein. Die Widersprüchlichkeit und die Höhen und Tiefen seines Lebens finden sich in seinen Werken wieder. Der zweite Teil des Konzerts war geprägt von getragenen Stücken. Passend dazu war durch die großen Fenster der Sonnenuntergang zu erleben.

Begeisterte Besucher

Die Reha-Patientinnen Lisa Heim (57) aus Nürnberg, Ute Rüth (59) aus Karlsstadt am Main sind sich einig: „Es ist sehr beeindruckend, vor allem die Kulisse, auch wenn es eine Baustelle ist“ und Sabine Scholten (50) aus Wesel am Niederrhein fügte hinzu, „schön, dass solches Liedgut präsent ist in der heutigen Zeit. Es darf nicht verloren gehen.“

Während draußen langsam die Sonne untergeht, ertönt im Saal nach der Pause „Weißt du, wie viel Sternlein stehen.“ Natürlich durften „Guten Abend, gute Nacht“, das wohl bekannteste Lied von Johannes Brahms, und auch Schumanns „Träumerei“ nicht fehlen. Beide Stücke wurden so hervorragend gespielt, dass bei so manchem Gast der Gänsehauteffekt nicht ausblieb.

Herzenswunscherfüller

„Dieser Abend ist ein Herzenswunscherfüller“, verriet Jana Birken dem Publikum. „Es ist sehr schön, dass wir euch kennenlernen durften“, gab sie den Musikern des Ensembles Ton-Art am Ende des Konzerts mit auf den Weg. „Ein Wiedersehen wäre schön. So viele Emotionen in den Gesichtern zu sehen, hat mich sehr erfreut. Ich hoffe, Sie nehmen viele schöne Momente mit nach Hause.“

Noch als die Gäste bereits gegangen waren, war Chorgesang zu vernehmen. Die Akteure konnten nicht genug bekommen vom ehrwürdigen Schloss und sangen einfach noch weiter.

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