Todkranke Mutter bittet um Hilfe „Ich will meine Kinder aufwachsen sehen“

Maria Ellwanger möchte ihre Kinder nicht mittellos zurücklassen. Foto: Steffen Ittig

Die 39-jährige Maria Ellwanger aus Geraberg ist unheilbar an Krebs erkrankt. Im Internet sammelt sie Spenden für eine Immuntherapie und für die Zukunft ihrer Kinder.

 
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Maria Ellwanger kämpft mit den Tränen. Immer wieder wischt sie sich über die Augen, atmet tief durch und versucht, sich zu sammeln, ehe sie über das sprechen kann, was ihr so sehr auf der Seele liegt – dass sie möglicherweise nur noch ein bis zwei Jahre zu leben hat und ihre zwei jüngsten Kinder im Alter von fünf und zwei Jahren nicht mehr auf deren Weg ins Leben begleiten kann. Denn die Vierfachmama ist unheilbar an Krebs erkrankt – an einem sogenannten Plattenepithelkarzinom. Diese niederschmetternde Diagnose habe sie erst im März dieses Jahres bekommen. „Das war wie in einem schlechten Film, mir hat es den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt sie. Es sei der zweite Schicksalsschlag gewesen, den die Familie innerhalb nur eines halben Jahres verarbeiten muss. Erst im vergangenen Oktober sei ihr Mann Björn mit gerade mal 43 Jahren an einem epileptischen Anfall verstorben. „Wie sollen wir das nur schaffen?“, fragt Maria. Sie hat Angst, große Angst, sie weiß nicht, wie es weitergehen soll ...

Als sie sich im März untersuchen ließ, war das wegen eines geschwollenen Lymphknotens in der Leiste. „Den habe ich bemerkt, als ich mit den Kleinen gekuschelt habe“, erinnert sie sich. Nach einer MRT- Untersuchung habe sie dann die Schockdiagnose erhalten mit der düsteren Aussicht, noch ein bis zwei Jahre zu leben. Die Ärzte haben sich nicht festlegen wollen, sagt sie. Seitdem sei sie schon dreimal operiert worden, um den Ursprungsherd zu finden. Vergebens.

Nach ihrem Umzug nach Geraberg habe sie sich gleich in der Uni-Klinik Jena untersuchen lassen. „Aber die wissen nicht, was sie mit mir machen sollen“, sagt sie verzweifelt. „Ich habe gedacht, ich komme hierher und mir wird geholfen.“ Dieser Krebs, eigentlich ein Hautkrebs, habe bei ihr Blase, Leiste, Lunge und Eierstöcke befallen. Sie glaube, der Ursprungsherd liegt in der Blase. Sie warte jetzt auf eine Nachricht des Arztes, der ihr hoffentlich sagt, wie es weitergehen soll. „Ich fühle mich so verloren, hilflos, machtlos und im Stich gelassen“, weint sie und wischt sich wieder über die Augen. „Es muss doch eine Therapie geben, die mir hilft“, sagt sie flehend.

„Erschwerend kommt dazu, dass ich für diese Art der Erkrankung noch recht jung bin.“ Das sei wohl untypisch, meint sie. In der Regel treffe diese Diagnose vor allem ältere Männer. Sie denkt, dass sich die Mediziner wohl auch deshalb noch nicht schlüssig sind, wie eine Therapie für sie aussehen könnte, sagt sie. „Ich verstehe nicht, warum das ausgerechnet mir widerfahren muss.“

Dennoch wolle sie sich nicht unterkriegen lassen, klammert sich an jeden Strohhalm und hofft, ihre Kinder wenigstens noch ein paar Jahre länger aufwachsen zu sehen. „Man setzt doch keine Kinder in die Welt, um dann zu sterben“, gibt sie sich trotz allem kämpferisch. Ganz große Hoffnung, wenn auch ohne Garantie, setzt sie in eine Immuntherapie, die in Frankfurt angeboten werde. „Die kostet aber 35 000 Euro. Viel Geld, das ich nicht habe. Ich bekomme Krankengeld, Witwen- und Halbwaisenrente und Kindergeld“, betont sie.

Kinder finanziell absichern

Deshalb habe sie auf einer Internetplattform eine Spenden-Kampagne gestartet, über die sie 100 000 Euro sammeln möchte. Für jede noch so kleine Spende sei sie unendlich dankbar, sagt sie. „Neben der Immuntherapie für mich möchte ich von den Spenden meine Kinder finanziell absichern und ihnen damit auch den Start ins Leben ein wenig erleichtern, wenn sie schon ohne Eltern aufwachsen müssen“, macht sie deutlich. Und sie möchte ihre Geschwister entlasten, bei denen sie dann wohl aufwachsen werden.

Seit Anfang Mai wohnt Maria nämlich wieder im Ilm-Kreis, in Geraberg. Sie sei hier geboren und im Alter von elf Jahren mit ihrer Mutter Dagmar (67) nach Baden-Württemberg gezogen. Ihre Geschwister sind damals im Ilm-Kreis geblieben. Nach der Diagnose habe sie aber wieder näher bei ihnen sein wollen. Also sei sie mit den beiden kleinen Kindern – Larissa (5) und Levin (2) – Anfang Mai hierhergezogen. Der Älteste, Steven (23), habe bereits eine eigene Familie gegründet und ist in Baden-Württemberg geblieben, wie auch die 14-jährige Tochter Noemie, die in einem Mädchenwohnheim wohne. Marias Mutter suche jetzt ebenfalls nach einer kleinen Wohnung in der Nähe, um ihrer Tochter zur Seite stehen zu können, erzählt die 39-Jährige tapfer.

Die beiden Kleinen wissen nicht, wie es wirklich um ihre Mama steht. „Sie wissen aber, dass ich krank bin, wollen deshalb auch manchmal nicht in den Kindergarten gehen, und lieber bei mir bleiben.“ Vor allem der zweijährige Levin hänge seit dem Tod des Vaters noch mehr an ihr, erzählt Maria.

Letzter Wunsch: Urlaub an der Ostsee

Neben ihrem größten Wunsch, wieder gesund zu werden und ihre Kinder aufwachsen zu sehen, wünscht sich Maria Ellwanger, noch einmal einen gemeinsamen Urlaub mit den Kindern an der Ostsee. Die beiden Kleinen hätten noch nie das Meer gesehen, sagt sie. Ansonsten versucht sie, die gemeinsame Zeit mit ihnen so intensiv wie möglich zu nutzen. Denn sie wisse nicht, wie lange sie sich noch um sie kümmern kann. Sie sei oft müde und schlapp, die Krankheit raubt ihr die Kraft. Und vor allem psychisch sei sie am Ende, sagt sie mit tränenerstickter Stimme. „Ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben, aber ich habe zurzeit nicht mal einen Strohhalm, an den ich mich klammern kann.“ Ihre Mutter Dagmar, Marias Bruder sowie ihre Schwester stehen ihr zur Seite, unterstützen sie, wo sie können und „holen mich manchmal für kurze Zeit aus meiner seelischen Dunkelheit, wofür ich sehr dankbar bin“.

Wer Spenden möchte, findet die Spendenplattform unter den Stichworten Maria Ellwanger Geratal im Internet.

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