Eine knappe Mehrheit in den USA unterstützt weiterhin die Todesstrafe für Mörder - der Sohn der Frau, an deren Mord Smith beteiligt war, gehört dazu. „Wenn man ein Verbrechen begeht, weiß man, dass man dafür bezahlen muss“, sagte er 2022 dem Sender WAAY. „Meine Schwägerin ist Krankenschwester. Wir bringen sie das nächste Mal mit. Sie wird sie (die Vene) schon finden.“
Meinungen wie diese finden sich aber immer weniger. Während es keine belastbaren Zahlen für Justizirrtümer gibt, wächst in der US-Öffentlichkeit das Bewusstsein dafür. Fortschritte in der Forensik - etwa die DNA-Analyse -, aber auch Enthüllungen über zurückgehaltene Beweise und Falschaussagen führen zu Zweifeln, ob manche der bereits hingerichteten Menschen tatsächlich schuldig waren.
24 Todesurteile im vergangenen Jahr vollstreckt
Diskriminierung im US-Strafjustizsystem ist ein weiterer Aspekt. Bei einer Verurteilung spielt längst nicht die Tat allein eine Rolle, sondern auch die Qualität des Rechtsbeistands. „Die Menschen, die in diesem Land zum Tode verurteilt werden, sind die Ärmsten der Armen“, betont Maher vom DPIC. „Sie können sich keine guten Anwälte leisten.“ Etliche Studien zeigen zudem, dass Mörder von weißen Menschen eher zum Tode verurteilt werden als jene, die schwarze Menschen umgebracht haben. Gleichzeitig bekommen schwarze Verurteilte bei gleichen Verbrechen tendenziell schwerere Strafen als weiße.
2023 wurden in den USA 24 Todesurteile vollstreckt und 21 gefällt. Noch vor zehn Jahren waren es deutlich mehr. 2331 Menschen warten landesweit auf ihre Hinrichtung, wie Kenneth Eugene Smith oft schon seit Dekaden. Bei seiner Verurteilung 1996 empfahl die Jury eigentlich eine lebenslange Haftstrafe, doch der Richter setzte sich darüber hinweg. Heute wäre das so nicht mehr möglich: Das Gesetz des sogenannten Judicial Override schaffte Alabama 2017 als letzter US-Bundesstaat ab.