Tierquälerei 17 Hunde und 18 Katzen aus vermüllten Haus geholt

Eines der 36 geretteten Tiere auf dem Arm einer Behördenmitarbeiterin. Die Vierbeiner hatte das Landratsamt dem Halter weggenommen, nachdem Nachbarn Alarm geschlagen hatten. Foto: /Landratsamt Sonneberg

Nach Hinweisen von Anwohnern nahmen Mitarbeiter des Veterinäramtes 36 Tiere eines Privathalters in Obhut. In diesen Umfang hat es vergleichbare Maßnahmen im Landkreis noch nicht gegeben.

„Als ich das gehört habe, musste ich erst einmal überlegen, wie wir das organisieren“, sagt Katja Höfler. Die Leiterin der Sonneberger Tierauffangstation musste diese Woche kurz innehalten, denn 36 Tiere, konkret 18 Katzen und 17 Hunde von jetzt auf gleich aufzunehmen? Eine solche Aufgabe hatte die Einrichtung bislang nicht zu bewältigen. „Sonst sind es vielleicht ein oder zwei Tiere, die so zu uns kommen“, weiß Höfler.

Am Mittwoch hatte das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt im Landratsamt im Frankenblick-Ortsteil Rauenstein die drei Dutzend Hunde und Katzen aus einer im Sinne des Tierschutzes unzumutbaren Privathaltung herausgeholt, teilt Michael Volk mit. „Die verwahrlosten und in einem völlig vermüllten Haus gehaltenen Tiere wurden durch die Behörde fortgenommen und auf Kosten des Halters im Tierheim Sonneberg untergebracht“, so der Behördensprecher. Bei dem Einsatz sind die Landratsamtsmitarbeiter von Polizisten nebst Kräften des Ordnungsamts der Gemeinde Frankenblick und vom Sonneberger Tierheim unterstützt worden.

Auflagen erteilt

Die Inobhutnahmen, wie es im Amtsdeutsch heißt, kam nicht von ungefähr. Bereits zu Jahresbeginn habe das Veterinäramt von Anwohner Hinweise zu Haltungsbedingungen bekommen, die dem Tierwohl nicht in Einklang zu bringen sind. Diesem Tipp sei dann die Behörde umgehend nachgegangen und habe dem Halter nach einer Vor-Ort-Prüfung zunächst entsprechende Auflagen erteilt. Offenbar hatte sich die Situation jedoch nicht verbessert – sondern sogar verschlechtert.

Denn am 28. April verständigten Nachbarn erneut die Veterinärbehörde. In der Mitteilung des Landratsamtes vom Donnerstag ist die Rede von „Hinweisen auf weitere Verstöße gegen das Tierwohlgebot im betreffenden Haus“. Es kam zu einer neuerlichen Inaugenscheinnahme der Situation. „Hierbei stellten die Mitarbeiter nunmehr eklatante Missstände fest, deren Ausmaß den Zustand bei der Erstkontrolle deutlich überstieg.“ In Absprache mit dem Tierheim habe das Veterinäramt daraufhin beschlossen, dem Halter die Tiere wegzunehmen, was am Mittwoch umgesetzt wurde.

Der Fall steht im Landkreis singulär da, bestätigt Volk. Lediglich in Judenbach haben man in der Vergangenheit eine ähnliche Situation unterbunden. Derweil seien die Fälle, in denen die Behörde einschreiten müsse, nur wenig vergleichbar. Wie im aktuellen Fall, versuche man zunächst über Hinweise und Auflagen, also mit „milderen Mitteln“, den Tierhalter zu einem Einlenken zu bewegen, damit er sich besser um seine vierbeinigen Schützlinge zu kümmert. In Rauenstein war dies offenbar erfolglos.

Neue Herrchen gesucht

„Die Tiere – darunter auch Hundewelpen und Katzenjunge – werden seitdem im Tierheim Sonneberg versorgt“, so das Landratsamt. Dort würde man sich freuen, wenn sich Tierfreunde melden, die den Hunden und Katzen ein geeignetes, neues Zuhause bieten wollen.

Katja Höfler ist optimistisch, dass sich solche Zeitgenossen finden. Doch so oder so wollen Miez und Mops zuerst vom Dreck befreit sein. Ein ausgiebiges Wannenbad stehe den Vierbeinern bevor, hieß es.

Wer Interesse hat, den beschlagnahmten Katzen und Hunden ein neues liebevolles Zuhause zu bieten, kann sich an die Tierauffangstation Sonneberg wenden in der Neustadter Straße 135 A in Sonneberg, Telefon: (03675) 74 27 59 wenden.

Autor

 

Bilder