Tierpark Bad Liebenstein Ein übervoller Kängurubeutel und ein brütfauler Nandu

Der Frühsommer ist im Bad Liebensteiner Tierpark eine Zeit, in der viele Tierkinder beobachtet werden können. Es gibt Nachwuchs – beispielsweise bei den Präriehunden, den Kängurus und den Äffchen – und so manch’ kuriose Geschichte.

„Eigentlich ist der schon viel zu groß für den Beutel“, sagt Simon Geib, Leiter des Bad Liebensteiner Tierparks, und lacht. Schon fast ein Teenager sei das Junge, suche aber immer noch Schutz bei seiner Kängurumutter. Komplett passt es jedoch nicht mehr in den Beutel, sodass die staksigen Hinterläufe unnatürlich hinausragen. Das Känguruweibchen scheint es gelassen zu nehmen.

Gelassen geht auch Nandu-Hahn Paul die Sache mit dem Nachwuchs an. Obwohl die Hennen Paula und Pauline in den vergangenen Wochen mehr als ein Dutzend Eier gelegt haben, kann sich Paul nicht wirklich fürs Brüten – das übernehmen bei den Laufvögeln nämlich die Männer – erwärmen. „Er ist unerfahren und weiß noch nicht so richtig, was er machen soll“, erzählt der Tierparkleiter. Er hoffe, dass Paul dazu noch den Dreh herausbekomme.

Seit einem guten Jahr ist Simon Geib Tierparkleiter in Bad Liebenstein. Er stammt aus Jena und hat viele Jahre in Köln gelebt. Der langjährige Leiter Udo Bleske, der in den Ruhestand gegangen ist, stehe ihm nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite. Und freue sich mit ihm über den tierischen Nachwuchs 2022, erzählt Simon Geib.

Fünf Jahre gab es bei den Präriehunden keine Babys. Und jetzt wurden gleich fünf auf einen Streich geboren. Von den Drillingen, die eine Krallenäffchen-Mama auf die Welt gebracht hat, haben nur zwei Tiere überlebt. Beim Aufziehen packt der Vater mit an. „Der Papa trägt die Kinder auf seinem Rücken“, sagt der Tierparkchef. Auch beim Nerz soll es Nachwuchs geben – Stichtag für die Geburt war Mitte Mai. Bislang hat diesen jedoch noch niemand zu Gesicht bekommen – wobei es nun langsam so weit sein müsste. Nach 28 Tagen öffnen die Babynerze ihre Augen und verlassen dann auch ihre Höhle für Ausflüge.

Insgesamt 80 Tierarten gibt es aktuell im Bad Liebensteiner Tierpark. Zwölf Mitarbeiter – drei davon fest angestellt – versorgen die Tiere und kümmern sich um die Pflege der weitläufigen Anlage. Der Tierparkleiter sucht jedoch händeringend neues Personal. „Zweit Mitarbeiter lernen Tierpfleger und zwei gehen in Rente“, erzählt er. Betrieben wird der Tierpark von einem Förderverein, zu dessen neuer Vorsitzender kürzlich Susanne Krüger gewählt wurde. Futter, Personal- und Energiekosten werden aus Eintrittsgeldern und aus Spenden finanziert.

In den Sommermonaten hat der Tierpark von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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