Tiergarten Sonneberg Tierisch viele Baustellen und ein endliches Budget

Auch am Tiergarten Sonneberg ist die wegen Corona verordnete Schließung nicht spurlos vorüber gegangen: Fehlende Eintrittsgelder schmälern das Futter-Budget für die Tiere. Gleichzeitig muss Vieles in naher Zukunft repariert und erneuert werden, wofür die Stadt aus ihrer Schatulle 50 000 Euro beisteuert, was aber bei Weitem nicht reicht.

Sonneberg - Brokkoli zum Frühstück: Die Stachelschweine im Tiergarten Sonneberg lassen sich morgens – die Frühlingssonne im Rücken – die erste Mahlzeit schmecken. Ihre Tour durch das Gelände machen gerade Juliane Zimmermann und Celine Rießland. Die beiden jungen Frauen ziehen die Eimer mit Grünzeug von der Ladefläche ihres Pick-ups und verteilen Salate, Möhren & Co. in den Gehegen. 120 Tiere vom Alpaka bis zur Ziege wollen täglich aufs Neue versorgt werden. Ein fünfstelliger Betrag fällt dafür pro Jahr an. Doch seit fast drei Monaten ist geschlossen. „Keine Besucher, keine Einnahmen“, sagt Doreen Heymann trocken. Sie hat die Tiergarten-Leitung inne und ist neben dem Gelände und der Belegschaft für alle „tierischen“ Belange zuständig. Unterstützt wird sie in organisatorischen Dingen, in der Verwaltung und beim Marketing von Kati Nimz. Hintergrund ist ein Betreibervertrag zwischen der Stadt und der Grundstückverwertungsgesellschaft Sonneberg (GVS), wiederum einer Tochter der Wohnungsbau GmbH, wo Nimz als Assistentin der Geschäftsführung tätig ist.

Frischfutter und Geldspenden

„Sikahirsche essen nun mal nicht wie in freier Wildbahn am liebsten Kastanien“, hat Kati Nimz in den letzten Wochen gelernt. Sie bevorzugen Champignons, Möhren und Äpfel. Und um mehr von dem ranzubekommen, was die Tiere dringend brauchen, starten die beiden Tiergarten-Frauen einen Aufruf zum Futter spenden. Willkommen sind sowohl Hunde- und Katzenfutter, welches etwa die Waschbären während ihrer Winterruhe mögen, als auch getrocknetes Brot sowie Salate, Obst und Gemüse, beispielsweise Äpfel, Birnen, Staudensellerie und Möhren. Eine Futterkiste ist am Wirtschaftseingang des Tiergartens für spontane „Vorbeibringer“ deponiert. Und als Hotline für die Spender dient die Nummer von Heymanns Handy. „Da momentan noch geschlossen ist, ist es besser, vorher einen Termin zu vereinbaren“, sagt die Tierpflegerin. Auch betont sie, wie wichtig es für das Tierwohl ist, dass das Futter nicht matschig und auch schimmelfrei gebracht wird. Dies habe einen doppelt positiven Effekt: Es werde nicht so viel weggeschmissen und man könne auch ohne Geldspenden Gutes tun. Bei Rewe im Wolkenrasen holt die Tiergarten-Besatzung drei Mal pro Woche Obst und Gemüse ab, das nicht mehr verkäuflich ist. „Das hilft uns wirklich sehr“, sagt Heymann. Und auch jeder Euro, der auf das Spendenkonto des Fördervereins geht.

Mit Kindergärten und Grundschulen kooperieren

In Zusammenarbeit mit der Stadt Sonneberg, insbesondere der Sachgebietsleiterin Kultur, Medien, Bürgerservice Cornelia Brückner und Pressesprecherin Christiane Heim, wurden bereits die nächsten Ideen für kontinuierliche „Lieferungen“ geboren. Kati Nimz stellt sich in Zukunft eine neue Stufe der Kooperation mit den Grundschulen der Stadt vor. „Wir möchten die Kinder wieder mehr an Natur und Tiere heranführen. Denkbar sind zum Beispiel Projekttage mit kostenlosem Eintritt, Tiervorträge an den Schulen und ein Lehrpfad“, erzählt sie. Letzteres wird wiederum über Cornelia Brückner forciert, die dabei auch die MINT-Initiativen der Stadt im Hinterkopf hat. Im Rahmen der Kooperationen mit den Grundschulen sind u. a. sogenannte Futterbeutel geplant, in die Kinder getrocknete Brotreste für die Versorgung der Tiere sammeln und vorbeibringen können.

Bevor jedoch die Zukunftsmusik in Neufang spielt, stehen noch mehrere Vorhaben an. Alles, was an Baum- und Strauchschnitt im vorigen Jahr angefallen ist, wird gerade von GVS-Mitarbeitern zu Kleinholz gehäckselt, welches wiederum als Streu für die Tierunterkünfte verwendet werden kann. „Einige Gehege müssen erneuert werden, der Toilettencontainer steht auf dem Plan, die alten Garagen sollen abgerissen und zwei neue samt Carport hingebaut werden“, zählt Kati Nimz auf. Zusätzlich soll es am unteren Ende des Geländes einen neuen Pavillon geben, in dem man sich aufhalten und verpflegen kann.

Tierpatenschaften & Förderverein

Neu belebt werden nach der Corona-Pause sollen die Themen Tierpatenschaften und Förderverein. Zu ersterem hat Kati Nimz eine Bestandsaufnahme gemacht: Welche Patenschaften sind wie lange vergeben? Welche Ziege oder welcher Esel warten noch auf einen Paten? Und sind die Beiträge für ein Jahr noch angemessen? Eine neue Liste und der Antrag auf Tierpatenschaft sind im Internetauftritt des Tiergartens veröffentlicht. Und auch in den sozialen Netzwerken bekommt die Neufanger Einrichtung gute Resonanz: Rund 1300 Abonnenten bei Facebook und bereits nach zwei Wochen fast 300 bei Instagram. Das kann sich in den Augen der Tiergarten-Crew durchaus sehen lassen. Und was den Förderverein anbelangt, so suche man jetzt neue Mitstreiter, die zu einer Mitgliedschaft im Förderverein Tiergarten Neufang e. V. bereit sind und vielleicht auch im Vorstand Funktionen wie die des Schatzmeisters und des Schriftführers ausüben möchten. Trotz der pandemiebedingten Einschränkungen im vorigen Jahr hatte sich der Förderverein in einzelnen Aktionen und Projekten im Tiergarten eingebracht. Nun hofft man, dass der Förderverein nach den Lockerungen wieder aktiv die Arbeit aufnehmen kann.

Öffnungs-Perspektive

Trotz einer gewissen Planungsunsicherheit drängen sowohl die Betreiber als auch Eigentümer des Tiergartens Neufang darauf, diese öffentliche Institution bald wieder zu öffnen. „Es handelt sich erstens um eine Freizeitaktivität an der frischen Luft und zweitens haben die Menschen doch gar keine Alternativen im Moment“, bemerkt Kati Nimz. Nach dem ersten Lockdown im vorigen Frühjahr habe das Hygienekonzept des Tiergartens gezeigt, dass es funktioniere – mit begrenzten Besucherzahlen, einem funktionierenden Schleusensystem und sehr diszipliniertem Publikum. Nimz blickt voraus: „Wir planen im Hintergrund gemeinsam mit der Stadt und hoffen, dass wir Ostern wieder öffnen können. Ein Veranstaltungskalender und das Tiergartenfest, voraussichtlich im Mai, sind ebenfalls in Vorbereitung.“

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