Der Fischotter ist im Freistaat wieder auf dem Vormarsch. «Wir haben in Thüringen eine richtige Wiedereinwanderung beobachten können», sagt Maria Schmalz von der Fischökologischen und Limnologische Untersuchungsstelle Südthüringen in Schleusingen. Die ans Leben am und im Wasser angepasste Marderart galt seit 1974 ausgestorben. Lange wurden die Tiere gejagt, Umweltverschmutzungen taten ihr Übriges. «In Thüringen ist er 1996 erstmals an der Grenze zu Bayern wieder nachgewiesen worden», berichtet Schmalz. Seit 2001 werde systematisch untersucht, wo sich der Fischotter im Freistaat findet.

Vor allem sei eine Bewegung von Osten nach Westen bei der Ausbreitung des «Lutra lutra» in Thüringen zu beobachten. So sei die Pleiße, die Weißen Elster und die Saale besiedelt. Inzwischen gebe es aber auch Nachweise an der Unstrut und an der Werra.

Mehr als Hinweise vom scheuen Fischotter gibt es kaum. «Man bekommt ihn ganz selten zu Gesicht», sagt Schmalz. In ihren 20 Jahren, in denen sie im Auftrag des Landes dem Tier nachspüre, habe sie selbst noch keinen lebenden Otter in der freien Natur gesehen.

Stattdessen setzt sie bei der Suche nach den Tieren vor allem auf deren Losung, also Kotspuren. Deshalb sei es auch nicht möglich, genaue Angaben zur Bestandsgröße zu machen.

Fündig wird Schmalz vor allem auf Querungen unter Brücken. Denn: «Der Fischotter markiert mit der Losung gerne auffällige Stellen, eben wie Brücken.» Oft setzten die Tiere ihre Hinterlassenschaften auf selbst zusammengeschobene «Schauhäufchen» aus Sand. Die einzelgängerischen Otter nutzten die Losungen als Kommunikationsmöglichkeit unter einander. «Ein Männchen kann anhand des Losung etwa erkennen, ob ein Weibchen gerade fruchtbar ist.»

Eine Besonderheit der Otter-Losung sei, dass sie nicht stinke, aber einen sehr charakteristischen Geruch habe. «Sie riecht nicht nach Fisch, wie man meinen könnte, sondern es ist ein sehr aromatischer moschusartiger Geruch», erklärt Schmalz.

Aber auch Totfunde gelten als Nachweise. Die meisten Fischotter, die tot gefunden werden, seien von Autos überfahren worden, so Schmalz. «Seit 1996 sind etwa 25 Totfunde gezählt worden, was zum Glück nicht besonders viel ist». 2018 war aber auch ein Exemplar der eigentlich streng geschützten Tiere geschossen worden. Der Nabu Thüringen hatte damals über den Fall an der Saale im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt informiert.

Inzwischen kämen aber auch Nachweise über Bilder aus Wildkameras. «Zum Teil sieht man auf den Aufnahmen die Fischotter auch mal mit Nachwuchs», berichtet Schmalz mit hörbarer Freude.

Fisch fresse der Otter natürlich gerne, aber er fresse auch Amphibien und Kleinsäuger wie Wasserspitzmäuse. «Und er greift sich auch den nicht einheimischen Signalkrebs, da kann er aufräumen», berichtet Schmalz. Gerade Naturschützer blicken skeptisch auf diese Krebse, da sie einheimische Arten verdrängen.

Aber auch der Fischotter ist nicht überall gern gesehen. In Bayern, wo die Bestände der Fellträger besser aufgestellt sind, fürchten Teichwirte und Angler um Fische, Krebse und Muscheln. «Wir haben gute Kontakte zum Berufsfischerverband, aber bislang gab es in Thüringen noch keinen Ärger wegen des Fischotters», sagt Schmalz.