Thüringer Wandertag Ein hundertfaches „Gut Runst“

Die 29. Auflage des Thüringer Wandertages zog Naturfreunde aus ganz Deutschland nach Schmiedefeld. Zehn verschiedene Routen wurden entlang des Rennsteiges begangen und auch der Ministerpräsident schnürte seine Wanderstiefel.

Schmiedefeld am Rennsteig - Bodo Ramelow spricht die Sprache aller Wanderfreunde, kennt aber auch die Gepflogenheiten des Rennsteigs ganz genau. Dementsprechend begrüßte der Thüringische Ministerpräsident (Die Linke), der selbst bereits seit der Jugend passionierter Wanderer ist, die rund 500 Teilnehmer des 29. Thüringer Wandertages in Schmiedefeld. So beließ er es nicht nur bei einem einfachen „Frisch auf“. Vielmehr feuerte er auch gleich noch ein energisches „Gut Runst“, also das Hoffen auf eine einwandfreie Rennsteigwanderung, hinterher. Ein Gruß, der schnell mit ebenso großer Inbrunst hundertfach erwidert wurde.

Passenderweise begaben sich die Wanderer kurze Zeit später zu den Klängen des Rennsteigliedes, das dieses Jahr seinen 70. Geburtstag feiert und von Karin Roth gesungen wurde, auf die Strecken. Insgesamt zehn freiwählbare Routen hatte die Ortsgruppe Suhl des Rennsteigverein 1896 zusammen mit der Stadt Suhl vorbereitet. Die Lust auf den Spaziergang war dabei noch nicht einmal von der Wetterlage – am frühen Morgen wartete Nieselregen und eine dichte Wolkendecke auf die Teilnehmer – getrübt worden.

Kleidungswahl entscheidend

„Um 6 Uhr wurde ich durch den Niederschlag geweckt und habe befürchtet, es kommen nicht so viele. Da ist es umso schöner, dass es trotzdem so ein großer, bunter Haufen geworden ist“, freute sich etwa die ehemalige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), die dem Thüringer Wanderverband als Präsidentin vorsteht, bei der Eröffnung.

Auch die weiteren Teilnehmer nahmen die äußeren Bedingungen gelassen. Für Bernd Schubert aus dem hessischen Reichensachsen gibt es ohnehin kein schlechtes Wanderwetter. Der Vorstand vom Wanderverband Hessen kommt immer wieder gerne auf den Rennsteig. Zum Thüringer Wandertag hat er über ein Dutzend Wanderfreunde aus seiner Heimat mitgebracht. „Wer die Region kennt, weiß, dass es hier vier Monate im Jahr nebelig ist. Entscheidend ist doch nur die richtige Kleidung“, erklärte der Hesse. Er hatte sich für Tour 4 entschieden, die anspruchsvollste von allen. Sie führte über zehn Kilometer und 264 Höhenmeter hinauf zum Großen Finsterberg.

Persönlich interessant wurde es für das Ehepaar Gövert aus Norddeutschland auf der Wandertour 1. Die ebenfalls zehn Kilometer lange Route führte entlang der Nahe, die später in der niedersächsischen Heimat der Göverts über die Weser in die Nordsee fließt. Nur dank einer glücklichen Fügung hätten sie vom Wandertag erfahren, so Ulrich Gövert. Zusammen mit seiner Frau Maria weilt er gerade im Urlaub in Schmiedefeld. Das Wanderfieber hätte sie allerdings schon vor Jahren infiziert, sagte der Ehrenpräsident des Wiehengebirgsverbandes Weser-Ems.

Gleiches gilt für Jordan Geyersbach aus Arnstadt. Der Jugendliche wandert seit Jahren leidenschaftlich gerne mit seinem Großvater Wolfgang Nüchter. Auch auf den Rennsteig hatte es die beiden schon das eine oder andere Mal verschlagen. „Wir wandern in ganz Thüringen und wissen, dass das Wetter nicht planbar ist“, erzählte der Enkel. Auf Wandertour 2 erkundeten sie durch Wald und Wiesen das im 12. Jahrhundert entstandene Schmiedefeld.

Großer Dank den Helfern

Für die Sicherheit aller Wanderer sorgte die Bergwacht. „Die meisten Touren begleiten wir mit zwei Einsatzkräften, damit wir im Notfall schnell reagieren können“, klärte Timo Goldberg, Einsatzleiter, vor Beginn der Veranstaltung auf. Den Thüringer Wandertag zu begleiten, sei für die Bergwacht ein Novum, aber man verfüge über ausreichend Erfahrung und stünde ja sowieso 24 Stunden an sieben Tagen die Woche auf Abruf bereit, sagte er.

Dass der Wandertag in dieser Form überhaupt stattfinden konnte, ist in erster Linie dem Engagement der Ortsgruppe Suhl des Rennsteigvereins 1896 um seinen Vorsitzenden Ernst Haberland zu verdanken. „Danke an alle, die daran geglaubt haben. In dieser Zeit ist die Durchführung einer solchen Veranstaltung nicht selbstverständlich“, hielt der Vorsitzende fest. Über 100 ehrenamtliche Helfer waren für den Wandertag im Einsatz.

 

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