Thüringer Rhön Kinder lernen und leben in der Rhön

Lea Hohmann

Das Jahr 2025 brachte einige neue Schulen und Kindergärten in der Thüringer Rhön, die sich nun Biosphären-Schule oder -Kindergarten nennen dürfen.

Gemeinsam wird von den Schülerinnen und Schülern der Grundschule Oepfershausen das heimische Gewässer erforscht. Die Schule ist eine der Biosphären-Schulen. Foto: Nicole Ritz

Im Unesco-Biosphärenreservat Rhön wird Nachhaltigkeit nicht nur gelehrt, sondern aktiv gelebt. Zahlreiche Schulen und Kindergärten in der Thüringer Rhön haben 2025 ihre Zertifizierung oder Rezertifizierung als Biosphären-Schule oder -Kindergarten erfolgreich abgeschlossen. Diese Auszeichnungen zeigen, wie engagiert die Einrichtungen ökologische Verantwortung, soziale Teilhabe und bewusste Ernährung in ihren Alltag integrieren.

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Der Kindergarten „Haus der Entdecker“ in Kaltennordheim wurde rezertifiziert und hat den Bereich Ökologie neu aufgenommen. Die Kinder erforschen die Natur in Themenwochen, gestalten Hochbeete und Naschhecken, sammeln Müll im Ort und bauen Vogel- und Futterhäuschen aus recycelten Materialien. Experimente wie das „Grasköpfe-Projekt“ und Klimaforschung im Frühjahr ergänzen das Angebot. Auch der Sternenpark ist ein Thema: Die Kinder basteln Sterne und besuchen die Sternwarte in Bad Salzungen.

Das Thüringische Rhön-Gymnasium Kaltensundheim feierte seine Rezertifizierung mit dem neuen Schwerpunkt Ernährung. Die Schule organisiert jährlich zudem einen Biosphärentag, engagiert sich im Amphibienschutz und integriert nachhaltige Projekte in den Unterricht – von Hochbeeten über Belegarbeiten bis hin zu Kochkursen mit regionalen Produkten. Eine geplante Schulpartnerschaft mit dem Partnerbiosphärenreservat OxapampaAshánika-Yánesha in Peru soll zukünftig den Blick über die Region hinaus weiten.

Die Schulen und Kitas können Plaketten für die Erfüllung von fünf Handlungsbereichen erhalten. Foto: Ulrike Schade

Der Kindergarten „Abenteuerland“ in Kaltenwestheim wurde neu zertifiziert und legt besonderen Wert auf Inklusion, Tradition und Kreativität. Waldtage, Rhöner Dialekt und die Zusammenarbeit mit Landfrauen prägen den Alltag. Barrierefreiheit und spezielle Förderangebote für Kinder mit besonderen Bedürfnissen sind selbstverständlich. Ein eigenes Kindergartenlied stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Die Regelschule Kaltennordheim „Andreas Fack“ erhielt ihre Zertifizierung für ökologische Projekte und bauliche Maßnahmen. Ein neu gestaltetes Grünes Klassenzimmer, Umwelttage und Baumpflanzaktionen zeigen das Engagement für die Natur. Die Schule pflegt Magerrasenflächen, legt Komposthaufen an und beteiligt sich an Projekten wie „Tag der Natur“ und Insektenförderung.

Manchmal geht es auch bei einem Bildungsmodul in den nahe gelegenen Wald. Foto: Nicole Ritz

Die Grundschule Oepfershausen „Am Hahnberg“ setzt auf Ernährung und Soziales. Ein Lehrpfad und Barfußweg laden zum Erkunden ein, während Projekttage, eine Koch-AG mit Großeltern und das Schulgartenprojekt den nachhaltigen Gedanken fest verankern. Das Projekt „Klasse 2000“ fördert gesunde Ernährung, und ein zuckerfreier Vormittag gehört zum festen Programm.

Der Biosphären-Kindergarten Urnshausen erhielt seine zweite Rezertifizierung und setzt neue Akzente in Ernährung und Sozialem. Die Kinder kochen gemeinsam, stellen Marmelade und Löwenzahngelee her und engagieren sich bei Dorfaktionen wie Frühlingsfest, Kirmes und Baumpflanzungen im Mehrgenerationenpark. Ein besonderes Highlight ist das Kartoffelprojekt – vom Pflanzen bis zum Backen im traditionellen Backhaus.

Im Kindergarten „Löwenzahn“ in Diedorf stehen Ökologie und Konsum im Mittelpunkt. Die Kita kocht selbst, veranstaltet Waldtage und führte das Projekt „Vom Ei zum Huhn“ durch, bei dem die Kinder das Schlüpfen von Küken hautnah miterlebten. Ergänzt wird dies durch jährliche Waldwochen mit Baumpflanzaktionen zur Aufforstung und spannende Naturerlebnisse wie den Bau einer Fühlstraße oder das Bestimmen von Bäumen.

Die Schülerinnen und Schüler der Regelschule Kaltennordheim setzen sich auf kreative Weise mit Bildung für nachhaltige Entwicklung auseinander. Foto: Christian Dittmar

Die Kita „Schlosszwerge“ in Gehaus wurde nach Umzug und Teamneufindung neu zertifiziert. Sie setzt auf regionale Ernährung, Müllvermeidung und Ressourcenschonung. Lebensmittel stammen von lokalen Betrieben, eigene Produkte wie Dips und Aufstriche werden hergestellt, und soziale Projekte wie Besuche bei Senioren oder der Feuerwehr fördern Gemeinschaft und Verantwortung.

„Biosphären-Schulen und -kitas“

Schulen und Kindertageseinrichtungen im Gebiet des Unesco-Biosphärenreservats Rhön, die ihren Vorschulkindern, Schülerinnen und Schülern originäre und nachhaltige Natur-, Kultur und Heimaterfahrungen im direkten Umfeld ermöglichen wollen, können sich für das Zertifikat „Biosphären-Schule“ oder „Biosphären-Kita“ bewerben. Um das Zertifikat zu erhalten, müssen die teilnehmenden Einrichtungen besonderes Engagement in mindestens zwei der folgenden fünf Handlungsfelder erbringen: Ernährung, Ökologie, Bauliche Maßnahmen, Soziales & Kooperation sowie Konsum.

Im Gegenzug werden sie Teil eines großen Netzwerkes, denn über 70 Einrichtungen in bayerischen, hessischen und thüringischen Rhön treffen sich regelmäßig zum Austausch und werden in Themen der Bildung für nachhaltigen Entwicklung (BNE) fortgebildet und betreut.