Thüringer Meisterschaft im Karnevalstanz Arnstädter Garde tanzt zu Silber

Annett Recknagel

Ohne Zuschauer zeigen Tänzer aus 19 Vereinen bei den 28. Thüringer Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport ihr Können in Schmalkalden. Auch die Arnstädter Tänzerinnen sind erfolgreich.

Schmalkalden/Arnstadt - Wenn da der Name mal nicht Programm war. „Tanz des Geldes“ hat die Aktivengarde des Arnstädter Karnevalclubs (AKC) ihren Showtanz überschrieben – und ihn am Ende versilbert. Wenn auch nicht in klingende Münze, so doch mit der Silbermedaille bei den Landesmeisterschaften im karnevalistischen Tanzsport.

„Der Erfolg ist der Wahnsinn. Wir freuen uns riesig“, strahlt Cindy Kretschmer, Trainerin und Tänzerin in Personalunion. „All unsere Mühe hat sich endlich gelohnt.“ Zwei Jahre lang hat sich die Garde auf diesen Auftritt vorbereitet. Zwangsweise so lange, denn coronabedingt fiel die letzte Karnevalssaison ins Wasser und damit auch die Meisterschaft.

Mittlerweile ist in Arnstadt die Saison erneut abgesagt, aber die Landesmeisterschaften in Schmalkalden konnten am Wochenende stattfinden. Sehr zur Freude von AKC-Präsident Jens Schweinsberger. „Ein toller Erfolg unserer Mädchen“, gratuliert er. Neun junge Damen sind zur Meisterschaft angetreten. Darunter auch die zweite Trainerin der Truppe, Caroline Henkel.

„Wir waren sehr kreativ“

Musikauswahl, Choreografie einstudieren, Tanzschritte trainieren – all das haben sie in Eigenregie gestemmt – unter schwierigen Coronabedingungen. „Wir haben eigentlich die zwei Jahre immer weiter trainiert. Per Video, im Freien auf der Setze und, wenn es möglich war, bei uns im Vereinshaus am Schönbrunn. Sind ziemlich kreativ gewesen“, erzählt Cindy Kretschmer. „Jetzt wissen wir, es hat sich gelohnt.

Zwischen 17 und 79 Punkte vergeben die fünf Kampfrichter für den „Tanz des Geldes“, das machte am Ende Platz zwei, quasi als Sandwich zwischen zwei Tanzformationen des Wasunger Carneval Clubs. Und auch mit dem vierten Rang im Marschtanz zeigten sich die Arnstädterinnen zufrieden. Nun hoffen sie, „dass wir in der nächsten Saison unsere Tänze endlich auch dem Publikum zeigen dürfen.“ Fleißig weiter trainieren wollen sie bis dahin auf alle Fälle.

Tränen bei Saphira. Und dabei erreichte das Wasunger Tanzmariechen 250 Punkte. „Das ist der eigene Anspruch“, sagt Trainerin Jessica Hildebrand und nimmt die Zehnjährige in ihre Arme. Eine Stunde später strahlt Saphira. Dreimal trat sie auf das oberste Treppchen. Drei Pokale nimmt sie mit nach Hause. Dreimal jubelt das Wasunger Team ihr zu.

Saphira ist nicht nur Thüringer Meister in der Kategorie Jugend Solistinnen, sondern heimste für ihre Leistung auch den Pokal für die höchste Punktzahl ein. Außerdem nahm sie den Wanderpokal für das beste Jugendtanzmariechen in Em­p­­fang. Der Jubel der Wasunger nahm an den beiden Tagen der 28. Thüringer Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport kein Ende. In sieben von elf Wertungen hatten sie die Nase vorn. Außerdem sorgten sie für Stimmung in der Schmalkalder Mehrzweckhalle.

Zuschauer müssen draußen bleiben

Zuschauer nämlich mussten in diesem Jahr draußen bleiben. Pandemiebedingt durften nicht einmal Eltern mit in die Halle. Jedoch hatten die Organisatoren vom Landesverband Thüringer Karnevalvereine nichts unversucht gelassen, damit die Eltern ihre Sprösslinge wenigstens aus der Ferne beim Auftritt sehen konnten. Im Eingangsbereich und in den Aufwärmräumen standen Monitore, die das Wettkampfgeschehen übertrugen.

Amelie, Emmi und Tara von der „Teenie Dance Group“ aus dem Haseltal konnten auf diese Weise die Tänze ihrer Freundinnen und Konkurrentinnen verfolgen. Emmi war mit ihren acht Jahren das erste Mal bei einem Turnier. Amelie und Tara kannten die besondere Atmosphäre schon. Wobei die Veranstaltung diesmal schon außergewöhnlich war. „Ich bin heute noch aufgeregter als sonst“, meinte Tara. Im Aufwärmbereich dehnten sich die Mädels, übten die ein oder andere Figur und sprachen sich gegenseitig Mut zu.

„Die Kinder wollen endlich wieder tanzen und Spaß haben“, sagte Trainerin Michelle Voigt. Die letzten Thüringer Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport waren im Herbst 2019. Seitdem übten alle entweder einzeln oder in kleinen Gruppen. Saphira aus Wasungen trainiert dreimal pro Woche und durfte in diesem Jahr schon in Cottbus an einem Turnier teilnehmen. „Wir sind sehr froh, dass die Meisterschaft in Schmalkalden stattfindet“, meinte ihre Trainerin Jessica Hildebrand. Wasungen nahm mit gleich 40 Kindern und Jugendlichen teil. Im Januar 2020 war man mit der gesamten Mannschaft letztmalig auf einem Turnier. „Wir haben für uns trainiert, freilich auch online und via Video“, berichtete Heike Jackstädt. Motivation sei alles. Und wie geht das in der Pandemie?

„Einfach ist es nicht“, lautete die Antwort. Die zwei Siebenjährigen Hella und Lea tanzten bei ihrem ersten Turnier. Beide kommen aus Wasungen und genossen es, geschminkt zu werden. Im Schautanz erzählten sie vom Urlaub.

Thomas Henkel sang in der Halle vom Stern, der deinen Namen trägt. Hella und Lea linsten um die Ecke. Aufgeregt warteten sie auf ihren Auftritt. Hurtig wurde vor Beginn der zweiten Runde die Technik durchgecheckt. Nach und nach kamen die Damen und Herren der Jury wieder. Und los ging er – der Schautanz. Nach jeder Kategorie gab es eine Siegerehrung. Das Turnier war sehr gut vorbereitet worden. Für alle Teilnehmer war es ein absoluter Höhepunkt.

Security und 2G-plus

Security und 2 G-plus

Die Tänzerinnen, die gerade nicht dran waren, saßen auf der Tribüne und sorgten nach jedem Auftritt für Stimmung. Es wurde geklatscht und gejubelt, um das fehlende Publikum ein Stück weit zu ersetzen. Was ebenso fehlte, war die Bühne. Das hängt mit den fehlenden Zuschauern und den fehlenden Einnahmen zusammen. Trotzdem bemühten sich alle Akteure, die 28. Meisterschaften so normal wie möglich ablaufen zu lassen. Wobei sich die Mehrzweckhalle in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt hatte. Mit Security und 2 G-plus-Regelung. Selbst eine Pass­kontrolle gab es. Und Masken zu tragen war Pflicht. „Wir finden hier hervorragende Bedingungen“, betonte Michael Danz, Präsident des Landesverbandes Thüringer Karnevalvereine.

Trotz großen Aufwandes habe man sich für die Durchführung der Veranstaltung entschieden. Die Kinder und Jugendlichen sollten schon wissen, wo sie leistungsmäßig stünden. Sehr erfreut war Danz, in Schmalkalden den Präsidenten des Bundes Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess, begrüßen zu dürfen. „Ich bin sehr stolz und es ist sehr gut, dass der Landesverband hier den Kindern und Jugendlichen eine Plattform bietet, gerade in dieser schwierigen Zeit“, sagte er. Strahlende Kinderaugen seien der schönste Lohn. „Es ist sehr wichtig, dass das Gemeinschaftsgefühl wieder gefördert wird“, sagte Fess.

Zu den Teilnehmern zählte auch Jolin Sommer vom Ichtershäuser Carneval Verein, die in der Wertung der Junioren-Mariechen Platz acht belegte.

Alle Ergebnisse der Thüringer Meisterschaften gibt es auf der Internetseite des karnevalistischen Tanzsportes.

 

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