Thüringer in Ushuaia Liebe bis ans Ende der Welt

Es ist die große Liebe und es wird die ganz große Tour: Lisa aus Suhl und Michael aus Benshausen fahren um die Welt. „Ich geh vom Nordpol zum Südpol zu Fuß ...“, sang Frank Schöbel. Die beiden sitzen auf schweren Motorrädern. Die südlichste Stadt vor dem Südpol haben sie schon erreicht.

Zwei Südthüringer suchen das Abenteuer: Lisa Jimenez, 34 Jahre alt aus Suhl und Michael Hänsel, 37 Jahre alt aus Benshausen. Einmal mit dem Motorrad um die Welt fahren, dass war schon immer Michaels Traum. Mit Lisa hat er nicht nur seine große Liebe, sondern auch die perfekte Reisepartnerin dafür gefunden.

Während die ganze Welt im Lockdown verharrte, überlegten sie wie sie ihr Abenteuer planen könnten. Erstes Ziel Lateinamerika, dass war Lisas Prämisse.

Erst mal brauchte Lisa aber einen Führerschein für Ihr Motorrad. So langsam öffneten in Thüringen wieder die Fahrschulen und sie war eine der ersten Fahrschülerinnen, die wieder unter einigermaßen normalen Umständen den Schein machen konnte. Lisa hatte bis dahin noch nie auf einem Motorrad gesessen, geschweige denn auf einer „Sime“ obwohl ihre Eltern zu DDR-Zeiten bei Simson in Suhl in die Lehre gingen. Ein paar Wochen später hielt Lisa voller Stolz Ihre Fahrerlaubnis in der Hand. Parallel dazu kaufte sie sich eine BMW F650 GS. Das perfekte Motorrad für so ein großes Unterfangen.

Michael hatte es da etwas einfacher. Er arbeitet nebenberuflich als Instruktor beim „Enduro Action Team“ in der Nähe von Leipzig. Dort lehrte er seinen Teilnehmern, wie man eine große Reiseenduro richtig im Gelände bewegen kann. Er wird auf der Reise von einer BMW F800 GS Adventure begleitet. Beide Motorräder haben ein Kampfgewicht von mehr als 200 Kilogramm und dazu kommt noch eine ganze Menge Gepäck.

Die beiden kommen auf Ihrer Reise nicht in Luxushotels sondern im Zelt und in Hostels unter. So günstig wie möglich soll es sein. Denn sie wollen mit dem Ersparten so weit wie möglich kommen. Wobei sie auch – wenn das Geld mal knapp wird – einer Arbeit nachgehen möchten.

Wohnung gekündigt

In Deutschland haben sie fast alles aufgegeben. Lisa kündigte ihren Job als Leiterin eines mexikanischen Restaurants in Erfurt, kündigte ihre Wohnung, verkaufte ihr Auto und alles, was man nicht mit auf die Reise nehmen konnte. Auch Michael kündigte seinen sicheren Job als Servicetechniker für Maschinen, die in der Bäckerei und Konditoreiindustrie eingesetzt werden, gab seine Wohnung auf und verkaufte alles, was nicht in die Gepäcktaschen vom Motorrad passte. In Deutschland sollten keine Kosten mehr anfallen.

Ein befreiendes Gefühl für die Südthüringer. Aber auch ein großer Schritt ins unbekannte. Denn damit gaben die beiden auch viele Sicherheiten auf. Bekannte und Freunde waren sehr verwundert über den Zeitpunkt der Reise, denn nach wie vor hatte Corona die ganze Welt im Griff. Oft kam die Frage, ob man überhaupt Reisen könne und warum man gerade in Südamerika anfange. Da sei es doch so gefährlich.

Aller Skepsis zum Trotz wurden die Motorräder im November 2021 von Hamburg nach Santiago de Chile verschifft. Lisa und Michael reisten dann am 11. Januar 2022 mit dem Flugzeug hinterher. Allerdings nicht direkt, denn der erste Stop dieser Reise war Kuba. Lisas Vater ist Kubaner und kam 1985 nach Deutschland. Ihre Oma sowie Tanten, Onkel und Cousinen leben auf der größten karibischen Insel. Durch Corona konnte sie diesen Teil der Familie die letzten zwei Jahre nur über Videotelefonie sehen.

Wurzeln in Kuba

Auch auf Kuba waren die beiden auf zwei Rädern unterwegs. Der Onkel von Lisa hatte eine alte MZ ETZ 250. Diese wurde mit Ersatzteilen aus Sachsen, welche Michael im Flugzeug mitnahm wieder fahrtüchtig gemacht. Nach drei Wochen Sonne ging es dann mit dem Flugzeug nach Santiago de Chile. Dort übernahmen sie im Hafen von San Antonio ihre beiden BMWs. In der Millionenstadt Santiago hielten es Lisa und Michael nur ein paar Tage aus und so ging es langsam in den Süden des Landes. Vorbei an den Vulkanen und sieben großen Seen der Region Osorno auf die größte chilenische Insel Chiloé, weiter über Puerto Montt auf die abenteuerliche Carretera Austral nach Patagonien. Dort erwanderten sie den Nationalpark des Torrs del Paine und sahen aus nächster Nähe einen Puma in freier Wildbahn. Von Punta Arenas fuhren sie in das argentinische Ushuaia. Ushuaia ist der südlichste Punkt der Erde, den man über eine Straße, der Ruta 3, erreichen kann.

Von nun an geht es nur noch nach Norden. Ihr großes Ziel ist es. Death Horse in Alaska zu erreichen. Wie lange sie dafür brauchen wissen die beiden nicht genau. „Es gibt so viel Schönes zu sehen und hinter jeder Kurve wartet das Unbekannte welches es zu erkunden gilt“, berichten sie. Bis Ende April sind sie 107 Tage unterwegs und sind über 11 000 Kilometer gefahren. Sie lernen täglich gastfreundliche Menschen kennen, diese versorgen die beiden mit Tipps über Sehenswürdigkeiten der Region. „Es gibt so viele Verrückte“, meinen die beiden, wenn sie alle Mitreisenden beschreiben, die sie auf ihrem Weg kennenlernen. Derzeit sind sie in Santiago de Chile zurück, um ein paar Servicearbeiten an den Motorräder vorzunehmen In ein paar Tagen geht die Reise weiter.

Wer gerne den zwei Weltenbummlern auf Reisen gehen möchte kann ihnen bei Instagram unter @MiLi_Weltenbummler oder auf einer interaktiven Weltkarte folgen:

www.polarsteps.com/MiLiWeltenbummler

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