Thüringer in den Tropen Besuch mit Brüllaffen

Sofie Flurschütz

Zwei Monate lang war Julien Görlach mit Freundin Lucy Grund aus Eishausen in Costa Rica, um sich den Winter zu versüßen. Ein Abenteuer mit Meer, Brüllaffen und anderen Besonderheiten. Jetzt sind sie nach Deutschland zurückgekehrt.

Puerto Viejo/Eishausen - Wenn Julien Görlach und Lucy Grund durch einen Nationalpark in Costa Rica marschieren, sieht das etwa so aus: Kleine Kapuzineraffen hangeln sich von Ast zu Ast. In den Bäumen schlummern Radnetzspinnen und Schlangen. In den Büschen am Rand des Pfades hocken Geckos und Echsen. Ein Nasenbär kreuzt ihren Weg. Gelegentlich taucht ein Schild mit der Aufschrift „Schwimmen verboten – Gefahr durch Krokodile“ auf.

Jede Menge beeindruckende Tiere bestaunt das Paar in freier Wildbahn. „Man wusste wirklich nicht, wo man alles hinschauen soll, wir hatten unfassbares Glück“, sagt Julien. Nichts will das Paar verpassen. Ab und an müssen die beiden aber auch auf den Boden gucken, um nicht auf Tiere zu treten oder über Wurzeln zu stolpern.

Im November 2021 sind Julien und Lucy mit je 15 Kilogramm schweren Backpacker-Rucksäcke von Frankfurt nach San José geflogen. Nach fast 13 Stunden sind sie in der Hauptstadt Costa Ricas gelandet. „San José ist mit etwa 340 000 Einwohnern eine hektische Großstadt und um ehrlich zu sein, ist die Stadt nicht gerade unser Fall“, berichtet der Eishäuser. In der Stadt haben Julien und Lucy ein Schmetterlingsgarten und das Nationalmuseum besucht, um etwas über die Kultur und Geschichte zu erfahren. „Wir haben in San José die ersten Tage verbracht, weil wir auf meine Cousine Jessi gewartet haben. Zu dritt haben wir zwei Wochen im Norden des Landes Urlaub gemacht“, informiert der Maschinenbau-Ingenieur.

Giftstich und Regenwald

Mit einem gemieteten Kleinwagen haben die Touris verschiedene Nationalparks bereist und Tiere wie Ameisenbären, Kolibris, Tukane und Papageien gesehen. Gestoppt haben die Deutschen etwa in La Fortuna. „Die Unterkunft war schön, zwar mit etwas anderen Standards als man sie von Europa kennt“, sagt der 29-Jährige und ergänzt: „In Costa Rica mussten wir uns einmal daran gewöhnen, das Toilettenpapier nicht in die Toilette, sondern in einen beistehenden Mülleimer zu werfen.“

Von der Unterkunft aus sind Julien, Lucy und Jessi den Toucan Trail entlanggelaufen. „Der Rundweg sollte circa 40 Minuten dauern, wir waren etwa drei Stunden unterwegs. Nicht weil wir so langsam gehen, sondern weil wir alle paar Meter stehen geblieben sind und wunderbare Sachen in der Natur entdeckten“, informiert Julien. Ameisen, exotische Käfer, einen kleinen Pfeilgiftfrosch, zählt der Abenteurer auf.

Der Eishäuser habe schon Myanmar, Thailand, Indien, Neuseeland oder Madagaskar bereist. Noch in keinem Land habe er eine solche vielfältige Flora und Fauna zu Gesicht bekommen.

Sein Highlight: Die Entdeckung einer Tropischen Riesenameise, auch Bullet Ant genannt. „Das ist eine der größten Ameisenarten der Welt und sie sind echt gefährlich, denn ein Stich des Tieres soll in etwa den Schmerzen nahekommen, angeschossen zu werden und lässt erst nach etwa 24 Stunden nach“, erklärt der Naturliebhaber und fügt hinzu „Es ist weltweit das schmerzhafteste Insektengift und es war mein Ziel, eine solche Ameise mal zu sehen.“ Mit hunderttausenden Pflanzen- und Tierarten zählt Costa Rica zu den 20 artenreichsten Ländern der Welt.

Tausende Erfahrungen

Bei Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius tagsüber und wenig Regen haben die Urlauber zahlreiche Ausflüge unternommen. In La Fortuna badeten sie in einem Wasserfall und hüpften in einen kleinen Naturpool, der mitten im Dschungel angelegt worden ist. Auch fuhren die Deutschen Kajak und beobachteten dabei Meeresschildkröten. In der Surfer-Stadt Sámara an der pazifischen Westküste übten Julien und Lucy das Wellenreiten. Dort feierten die beiden auch Neujahr.

Einen letzten Halt machten die Reisenden im Touri-Ort Puerto Viejo im Süden Costa Ricas. „Die Karibikküste haben wir uns für das Ende unserer Reise aufgehoben, weil es dort den perfekten Übergang von Trocken- und Regenzeit gibt“, erklärt Julien. Wenn der Bus nicht gekommen sei, seien die beiden auch mal per Anhalter gefahren, saßen dann auf Obstlastern oder Pickups.

Gegessen haben die Urlauber beispielsweise Gallo Pinto, also Reis mit schwarzen Bohnen. Es ist das Nationalgericht der Ticos, der Einwohner Costa Ricas. „Die Einheimischen essen das morgens, mittags, abends. Nach dem dritten Mal Gallo Pinto haben wir allerdings beschlossen, dass es das Essen nicht jeden Tag geben muss“, sagt die Lehramtsstudentin und ergänzt: „Am häufigsten haben wir Casados gegessen, das ist ein Teller voll mit Gallo Pinto, Salat, Käse, Rührei und Gemüse oder Fleisch.“ Das sehe alles trocken und seltsam zusammengewürfelt aus, sei aber sehr lecker. „Wir haben vor, es auch in Deutschland mal zu kochen und brauchen dazu nur noch Kochbananen, die angebraten und zusätzlich serviert werden“, bemerkt Julien.

In Bijagual de Upala habe das Paar mit Guide Miguele eine Nachtwanderung erlebt und dabei einen rotäugigen Baumfrosch, das Wahrzeichen Costa Ricas, gefunden. „Nach bereits 15 Minuten sahen wir den ersten dieser exotischen, wunderschönen Frösche. Er schlief auf einem Blatt, gut getarnt mit seinem grünen Rücken, sodass wir ihn kaum sahen“, erinnert sich Julien.

Im Laufe der Wanderung seien die Blicke des Paares geschulter geworden und sie entdecken weitere Frösche, ein paar Ara-Papageien, eine winzige Gottesanbeterin, unzählige Spinnen, Ameisen und Käfer und Kröten. „Und zu guter Letzt sahen wie ein anderes tierisches Wahrzeichen Costa Ricas: ein Faultier, spanisch el perezoso“, berichtet Lucy und ergänzt „Und es war sogar wach, es futterte gerade, als wir es mit unseren Taschenlampen am Ende eines Astes entdeckten.“

„Faultiere sind Pflanzenfresser, sie ernähren sich primär von Blättern, nur ganz selten essen sie auch mal Früchte“, erklärt Julien und ergänzt „Auf den Boden kommen sie nur etwa ein Mal pro Woche, um ihr Geschäft zu verrichten und weil sie so langsam sind, werden sie dabei zu leichter Beute.“

Das Land in Mittelamerika hat das Paar mit Vulkanen, Feucht- und Nebelwäldern, riesigen Wasserfällen und wasserreichen Flüssen begeistert. Den beiden gefiel, wie Geckos durch den Garten rennen und Brüllaffen in der Nachbarschaft plärren. Brüllaffen haben ihren Namen vom lauten Brüllen der Tiere, das beide Geschlechter ausstoßen und das über mehrere Kilometer hinweg hörbar ist. Das Gebrüll dient vor allem der Kommunikation verschiedener Gruppen untereinander. Alle Männchen der Gruppe stimmen ein, zusammen mit dem Antwortgebrüll anderer Tiere ergibt sich ein lautes Spektakel. Brüllaffen machen damit ihre Anwesenheit deutlich, um andere Gruppen vor ihrem Kernbereich zu warnen. Energieaufwändige Kämpfe – da die Brüllaffen Blätterfresser sind, müssen sie mit der Energie haushalten – können so vermieden werden. Ein zweiter Grund für das Gebrüll kann darin liegen, dass Einzeltiere Anschluss an eine Gruppe suchen – die Migration unter den Gruppen ist relativ hoch – und durch ihr Geschrei ihre Anwesenheit signalisieren und auch auf diese Weise Antwort erhalten, ob sie willkommen sind oder nicht. Meistens erklingt das Gebrüll am Morgen, im Bedarfsfall auch zu anderen Tageszeiten. Maskenpflicht und Hände waschen in einem improvisierten Waschbecken vor Geschäften gehörte ebenso zum Alltag.

So groß wie Niedersachsen

„Ich fand unsere Reise super, Land und Leute waren so herzlich und ich hätte nie gedacht, dass so viele Menschen sofort anhalten und uns mitnehmen würden- eine gute Mentalität“, resümiert Lucy. Auch nach zehn Wochen sei es für sie noch eine Herausforderung, die Einheimischen zu verstehen. „Es gibt hier in Lateinamerika zum Beispiel andere Anredeformen als in Europa und in bestimmten Regionen kommt man ohne Spanisch nicht sehr weit“, sagt die Sprachbegeisterte.

Mit rund 51 000 Quadratkilometern ist Costa Rica fast so groß wie Niedersachsen, aber habe viele verschiedene Witterungen „Die Vielfalt der Landschaften und Mikroklimata, die ein Besucher in Costa Rica an einem einzigen Tag genießen kann, macht dieses Land zu einem wahren Urlaubsparadies“, sagt Julien.

 

Bilder