Die strukturelle Kapitalschwäche vieler Thüringer Verlage, die Wert auf Unabhängigkeit von großen Verlagsgebilden legen und sich weder aufwendiges Marketing noch teure Messen leisten können, kennt Helmut Stadeler natürlich auch. Deshalb ist der Jenaer Verleger froh, wenn das für die Förderung der Kreativwirtschaft zuständiger Thüringer Wirtschaftsministerium die Buchtage als eine Art Regionalmesse überhaupt ermöglicht oder den Verlagen mit einem Gemeinschaftsstand etwa auf der Frankfurter Buchmesse unter die Arme greift. Sichtbarkeit ist für die Verleger überlebenswichtig. Manche haben übrigens ganz clevere eigene Ideen: Etwa die gemeinsame „Bibliothek schöne Bücher“, bei der nicht nur Jeannette Bauroth mitmacht, sondern auch Siegfried Nucke mit seinem Verlag „Tasten & Typen“ aus Bad Tabarz oder der Eisfelder Verleger Bastian Salier. Den Verlag hat Hans-Jürgen Salier kurz nach der Wende in Hildburghausen gegründet. Nach vielen Jahren in Leipzig ist sein auf Freimaurer-Literatur spezialisierte Sohn im vergangenen März wieder in den alten Landkreis, nach Eisfeld, gezogen. Damit hat der Süden Thüringens wieder einen Verlag mehr. Nachdem sich „amicus“ in Sonneberg oder Jung in Zella-Mehlis zurückgezogen haben, ist das ein kleiner, auch moralischer Erfolg für die hiesige Kreativwirtschaft. Zu „Schöne Bücher“ gehören fast 80 kleine Verlage, die erfolgreich ein gemeinsames Verlagsprogramm herausgeben,