Thüringentag Was vom Tag übrig bleibt

Thüringens grüne Tage in Schmalkalden sind vorbei. Was bleibt von diesem Fest mit mehreren zehntausend Menschen, das als klimafreundlich und nachhaltig beworben wurde? Eine Idee: Upcycling.

Der Trubel auf den Plätzen und in den Gassen hat ein Ende. Der 18. Thüringentag in Schmalkalden ist Geschichte. Die Einheimischen haben ihre Kleinstadt wieder. Gott sei dank, sagen die einen. Schade, trauern andere – und das ist wohl die Mehrheit – der ereignisreichen und turbulenten Festwoche nach. Die große Bühne auf dem Altmarkt, auf der noch am Sonntagabend John Lee’s Barclay James Harvest das letzte offizielle Konzert spielte und Begeisterungsstürme unter den Fans auslöste, ist abgebaut. Wie der Magic-Sky, unter dessen 26 Meter breiten Schirm bei hochsommerlichen Temperaturen tausende Besucher ausgelassen und friedlich feierten. Weg sind auch die anderen sechs Bühnen, die zahlreichen Stände und Zelte, der Mittelaltermarkt sowie die mehr als 120 Bäume und Sträucher in der Stadtkirche St. Georg.

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Alltag ist auch im Rathaus wieder eingezogen. Während der Organisationsstab mit der Nachbereitung des Landesfestes beschäftigt ist, setzen am Montagnachmittag Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, Wirtschaftsstaatssekretär Carsten Feller und Bürgermeister Thomas Kaminski feierlich den ersten Spatenstich für das neue Industrie- und Gewerbegebiet „An der B19“.

Nichtsdestotrotz ist der Thüringentag noch immer allgegenwärtig. Der Stadtchef spürt, dass dieses Ereignis etwas mit den Menschen gemacht hat. Zum Beispiel mit den rund 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung. Er habe das Gefühl, dass der Erfolg und das Lob der Gäste auf seine Mannschaft ausgestrahlt haben. Dass das Team stolz ist, ein guter Gastgeber gewesen zu sein. Ein Mitarbeiter, erzählt der Bürgermeister, sei freudestrahlend ins Amt gestürmt mit den Worten: „Jetzt wissen wir, wie es geht...“ Den Nebensatz möchte sich Kaminski sparen, stattdessen sein Versprechen erneuern, dass dieser Thüringentag der erste – und der letzte war, den Schmalkalden ausgerichtet hat. „Auch wenn es wunderbar war, so ein Ereignis brauche ich so schnell nicht wieder“, gibt der Verwaltungschef zu. Andere Feste werden kommen, wie das traditionelle Hirschessen im August und die 1150-Jahrfeier 2024.

Was bleibt noch von diesem Thüringentag, der laut Ministerpräsident Bodo Ramelow neue Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit gesetzt hat? Von Anfang an hatte sich die Stadt das Ziel gesetzt, das Fest so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Deshalb auch das Motto „Thüringens grüner Tag“. Der CO2-Ausstoß sollte so gering wie möglich gehalten werden. Deshalb warben die Organisatoren für die Anreise mit Bus und Bahn. Die Müllvermeidung war ein zweites wichtiges Thema. So gab es an Stelle von Wegwerfgeschirr Mehrwegsysteme. Im Stadtbild war das sichtbar. Verboten waren Werbegeschenke , weil sie nach Ansicht der Organisatoren früher oder später im Papierkorb landen. Da durch die Gäste, die teilweise auch aus dem Ausland anreisten, dennoch eine erhebliche Menge an CO2 anfällt, haben die Organisatoren eine Klimapauschale als Kompensationsmaßnahme eingeführt. Alle Aussteller zahlten einen Beitrag von 75 Euro, der in Umweltprojekte wie Baumpflanz-Aktionen gesteckt wird. Jetzt im Nachgang wird durch die VR-Bank als Mitveranstalter die Klima-Bilanz des Thüringentages berechnet und auch vorgestellt, kündigt Kaminski an. Das Deutsche Institut für Nachhaltigkeit und Ökonomie hat diese Bemühungen bereits honoriert und dem Thüringentag 2023 in Schmalkalden zwei Prüfsiegel verliehen: das einer nachhaltigen und das einer klimafreundlichen Veranstaltung.

Ebenfalls in die Rubrik Nachhaltigkeit fällt die Frage, wie umgehen mit den PVC-Werbespannern und Werbeplanen? Die Idee aus seinem Haus findet der Bürgermeister genial: Daraus sollen Taschen genäht und als Unikate verkauft werden. Auch bekannt unter dem Begriff „Upcycling“. Als Projektpartner steht die Interessengemeinschaft zur Förderung der beruflichen Weiterbildung bereit. Mit dem 500 Euro-Gewinn aus der Sendung „Johannes und der Morgenhahn“ kauft die Stadt nun eine Nähmaschine, die für das Polyestergewebe geeignet ist. Wieder verwerten kann man viele Materialien wie Kaffeeverpackungen. Diese eignen sich, genäht oder gebügelt, für Taschen und Geldbeutel.

Zum Schluss bedankt sich der Bürgermeister – weil man nicht genug danken kann – den mehr als tausend Mitwirkenden, den Helferinnen und Helfern, den Sponsoren und Unterstützern. Alle waren mit großer Leidenschaft dabei, sagt Kaminski. Er wünscht sich, dass diese positiven Erfahrungen mitgenommen und punktuell weiterentwickelt werden.