Thüringensport Handball-Verband: ein halbes Jahr bis zum neuen Präsidium

Im Thüringer Handball – hier eine Szene aus dem Thüringenliga-Spiel Suhl/Goldlauter gegen Goldbach/Hochheim mit dem Suhler Tadej Matijasic und Goldbachs Torwart Florian Schneegaß – gibt es nun wieder ein Präsidium. Aber dessen Wahl war nicht ganz einfach. Foto:  

Der Thüringer Handball-Verband hat mit halbjähriger Corona-bedingter Verspätung ein neues Präsidium gewählt. Neuer Verbandschef ist der 56-jährige Stefan Scholz aus Gera.

Erfurt - Der Thüringer Handball-Verband (THV) hat es trotz der Corona-Pandemie geschafft, ein neues Präsidium zu wählen. Das war gar nicht so einfach und dauerte auch fast ein halbes Jahr, wurde nun aber am vergangenen Freitag erfolgreich abgeschlossen.

Die Vorgeschichte: Ursprünglich war der 12. THV-Verbandstag für den 6. Juni in Erfurt vorgesehen, konnte da aber pandemiebedingt nicht ausgetragen werden und wurde daraufhin in den November verlegt. Aber auch dieser zweite Termin wurde durch den abermaligen Lockdown hinfällig.

Daraufhin wurden ein Online-Verbandstag ins Auge gefasst und Erkundigungen eingeholt, wie ein solcher rechtssicher abzuhalten sei. Unter anderem wurde, um die gesetzlichen Fristen einhalten zu können, der Verbandstag kurzfristig mit dem Attribut „außerordentlich“ versehen. Schließlich schalteten sich am 19. Dezember die Delegierten im Online-Format zusammen.

Wie bei einer Präsenzveranstaltung auch waren dabei alle vorgeschriebenen Formalitäten wie etwa die Feststellungen der ordnungsgemäßen Einberufung, der Anzahl der Stimmen und der Beschlussfähigkeit einzuhalten. Das bisherige geschäftsführende Präsidium wurde von den Delegierten mit deutlicher Mehrheit entlastet, und nach der Vorstellung der Kandidaten für die Neubesetzung der Gremien erfolgte eine Briefwahl. Am vergangenen Freitag wurden nun die dabei eingegangenen Stimmen ausgezählt. Auch hier musste zunächst die korrekte Stimmenabgabe (Posteingangsstempel, Erklärungen) festgestellt werden.

Da es jedoch für die jeweiligen Ämter keine Gegenkandidaten gab waren keinerlei Überraschungen zu erwarten und sämtliche Bewerber wurden dann auch durch die Briefwahl satzungskonform in ihren angestrebten Ämtern bestätigt.

Neuer Präsident des Thüringer Handball-Verbandes ist Stefan Scholz vom Post-SV Gera. Der 56-Jährige wohnt auch in der Stadt an der Elster und ist beruflich als Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Altenburg-Gera tätig. Handball hat er selbst ab 1973 beim Post-SV gespielt, danach war er lange als Schiedsrichter aktiv und ist als solcher in den Handballvereinen Thüringens gut bekannt. Bisher amtierte er als Vorsitzender des Handballbezirks Ost.

Nachdem die bisherige THV-Präsidentin Katrin Kunz angekündigt hatte, nicht noch einmal zu kandidieren, „habe ich mich entschlossen, mich um die Nachfolge zu bewerben, auch nachdem ich durch einige Sportfreunde darauf angesprochen worden bin“, erklärte Stefan Scholz gegenüber unserer Zeitung. „Entgegen kam mir dabei, dass sich mein Arbeitsplatz von Weißenfels nach Gera verlagert hatte, sodass ich die bisher nötige Fahrzeit nun in den Handball investieren kann.“

Als neuer Vizepräsident für Finanzen und Recht wurde Volker Krempel aus Ruhla gewählt, bekannt auch als Staffelleiter. Der aus Franken stammende frühere Trainer des HV Ilmenau 55, Martin Tews, der auch bereits dem vorherigen Präsidium angehörte, ist weiterhin Vizepräsident für Spielbetrieb und Recht.

Dem Erweiterten Präsidium gehören nunmehr an der in der THV-Geschäftsstelle tätige Thomas Löffler als Vorsitzender des Jugend- und Entwicklungsausschusses, der Landestrainer für männlichen Nachwuchs Christian Roch als Vorsitzender des Leistungssportauschusses, Julian Bizuga als Vorsitzender des Bildungsausschusses sowie Lutz Pfefferkorn aus Altenburg als abermaliger und inzwischen langjähriger Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses.

Die Rechtsanwälte Jörn Riedenklau (auch tätig als Rechtsberater des ThSV Eisenach) sowie der in Minden (Niedersachsen) praktizierende Helge-Olaf Käding, der auch den Online-Verbandstag leitete, stehen dem Verbands- bzw. dem Sportgericht vor.

In einem ersten Gespräch mit unserer Zeitung legte der neue Präsident einige Grundsätze für seine künftige Arbeit dar: „Wir brauchen als erstes ein offenes Ohr für die Belange der Vereine, und das heißt in der jetzigen Zeit, dass wir praktikable Antworten finden müssen, wie wir angesichts der politischen Vorgaben am zweckmäßigsten zum Spielbetrieb zurückkehren können. Das wird ein wichtiger Job für das neue Präsidium sein. Wir müssen hier als THV unsere Stimme erheben, auch im Mitteldeutschen Handball-Verband, um hier zu praktikablen Lösungen zu kommen. Ich hatte auch schon meine erste Videokonferenz auf der Ebene des Deutschen Handball-Bundes, und auch da wurde beispielsweise intensiv diskutiert, wie in den Nachwuchsauswahlmannschaften mit der Corona-bedingten Pause umgegangen werden sollte. Ich habe eine große Sorge: Wenn die jetzigen Zustände noch länger andauern, dann werden wir den einen oder anderen jungen Handballer verlieren, weil wir ihm nichts anbieten können.“

Als Zweites kündigte der neue Präsident einen Kassensturz an, „da uns durch die Pandemie auch Einnahmen wegbrechen. Wir müssen sehen, dass wir unsere Finanzen neu ordnen.“

 

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