Thüringens harter Kurs Maskenpflicht bleibt vorerst bestehen

Nachdem in mehreren Nachbar-Bundesländern die Maskenpflicht im Nahverkehr gefallen ist oder demnächst fällt, wird auch in Thüringen der Ruf nach Lockerungen lauter. Doch Gesundheitsministerin Heike Werner will daran festhalten.

In Bussen und Bahnen braucht man sie hier noch. Foto: dpa/Marijan Murat

Die Thüringer müssen voraussichtlich noch bis März mit den strengeren Corona-Regeln klarkommen, dazu gehören die fünftägige Absonderungspflicht bei einer Corona-Infektion und die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen. Die aktuell geltende Corona-Infektionsschutzverordnung gelte unverändert bis zum 3. Februar, bekräftigte das Thüringer Gesundheitsministerium am Donnerstag auf Anfrage.

Nach der Werbung weiterlesen

Nachdem die Nachbarländer Bayern und Sachsen-Anhalt die Maskenpflicht bereits aufgehoben haben und Sachsen dies für Mitte Januar plant, hat die CDU-Landtagsfraktion am Donnerstag dies auch für Thüringen gefordert. Die Einschränkungen für die Menschen seien nun nicht länger zu rechtfertigen, sagte der sozialpolitische Sprecher der Fraktion, Thadäus König: „Maßnahmen müssen für die Bevölkerung nachvollziehbar sein. Das ist beispielsweise bei der Maskenpflicht im Personenverkehr schon lange nicht mehr der Fall. Im Flugverkehr keine Maskenpflicht, im Fernverkehr FFP2-Maskenpflicht und im ÖPNV je nach Bundesland Maskenpflicht ja oder nein – dieses Chaos muss ein Ende haben“, sagte der CDU-Politiker. Deshalb solle die Landesregierung nun vorangehen und dem Vorbild der Nachbarländer folgen. Die gleiche Forderung hatte zu Weihnachten bereits die FDP im Landtag aufgemacht. Lockerungen wären keine milde Gabe zu Weihnachten gewesen, sondern ein Gebot von Einsicht und Vernunft, sagte der Sprecher der Parlamentarischen Gruppe, Thomas Kemmerich.

Demgegenüber zeigte sich Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) zunächst noch abwartend: „Wenn es in den nächsten Wochen nicht zu einer Verschlechterung der Lage durch ein deutlich ansteigendes Infektionsgeschehen oder eine gefährlichere Virusvariante kommt, sollen die fünftägige Absonderungspflicht im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus und die Maskenpflicht im ÖPNV spätestens im März aufgehoben werden“, ließ Werner mitteilen.

Zuvor hatte sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) besorgt über die neue Coronavirus-Variante XBB.1.5. geäußert: „Hoffentlich kommen wir durch den Winter, bevor eine solche Variante sich bei uns ausbreiten kann“, schrieb Lauterbach auf Twitter. Die neue Variante – eine Untergruppe der seit Ende 2021 zirkulierenden Omikron-Variante – lasse im Nordosten der USA die Zahl der Krankenhauseinweisungen steigen.

Derzeit ist Thüringen das Bundesland mit den wenigsten gemeldeten Corona-Infektionen. Laut Robert-Koch-Institut lag die Sieben-Tage-Inzidenz hier am Donnerstag bei 88,9 Fällen auf 100 000 Einwohner, im Bundesdurchschnitt waren es 174,6. Werner sagte, Deutschland und Thüringen befänden sich in einer ersten endemischen Welle. Die Immunität der Bevölkerung verhindere extreme Belastungen des Gesundheitswesens auch ohne Schutzmaßnahmen, die über die Masken- und Isolationspflicht hinausgehen. Allerdings würden Woche für Woche viele hundert Menschen in Deutschland an den Folgen einer Infektion sterben. Zudem sei bei der letzten Gesundheitsministerkonferenz auf die Belastung des Gesundheitswesens durch vermehrte Fälle von Long-Covid hingewiesen worden.