Bad Salzungen/Schwabhausen - Gut ein Jahr, nachdem auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf (Kreis Gotha) erstmals eine Wölfin nachgewiesen wurde, macht sich das Tier jetzt offenbar durch getötete Nutztiere bemerkbar. Im Bereich der Gemeinde Leimbach (Wartburgkreis) sei ein Kalb gerissen worden. Ein Gutachter habe nicht ausschließen können, dass dies durch einen Wolf geschehen sei, teilte das Landratsamt in Bad Salzungen am Freitag mit. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass bei Schwabhausen (Kreis Gotha) mehrere Schafe getötet worden waren. Bisher waren nach Angaben des Naturschutzbundes keine Wolfsattacken auf Nutztiere bekanntgeworden.
Das Landratsamt erklärte, die Tierhalter könnten damit rechnen, dass sie die getöteten Tiere voll entschädigt bekommen. Voraussetzung sei, dass durch einen der drei in Thüringen bestellten Rissgutachter der Wolf als Verursacher bestätigt wird. Diese Verfahrensweise war bereits in dem vor zwei Jahren in Kraft getretenen Managementplan für den Wolf in Thüringen festgelegt worden, so die Behörde. Auch bei einem Riss durch einen Luchs, der ebenso streng wie der Wolf geschützt ist, gibt es Entschädigungen.
Bei Schwabhausen waren über Pfingsten fünf Schafe getötet und sieben verletzt worden. Die Bisswunden der fünf getöteten Tiere seien typisch für eine Wolfsattacke, bestätigte Uwe Müller, Wolfsgutachter der Landesanstalt für Umwelt und Geologie am Freitag einen Bericht der Thüringer Allgemeinen. Müller sagte, eine Genprobe solle noch klären, ob es möglicherweise ein anderer Wolf als das bisher bekannte Tier gewesen sei.
Auf dem unmittelbar an Schwabhausen angrenzenden Truppenübungsplatz war Anfang Mai 2014 erstmals eine hier lebende Wölfin nachgewiesen worden. Zwischen beiden Orten liegen etwa 40 Kilometer Luftlinie. Nach Angaben der Wolfsregion Lausitz kann das Revier eines Wolfs 150 bis 350 Quadratkilometer groß sein. Nicht auszuschließen ist allerdings auch, dass das Kalb von einem anderen Wolf gerissen wurde als die Schafe.
In Schwabhausen war der Räuber nach Angaben Müllers unter dem tiefsten Draht des Elektrozauns hindurch gekrochen. Wölfe und Hunde, die ebenfalls gelegentlich Nutztiere reißen, könnten sich sogar unter Zäunen durchgraben. Das Land will bei Ohrdruf ein Wolfsgebiet ausweisen, was zusammen mit einer Förderrichtlinie Hilfen für den Bau von Schutzeinrichtungen ermöglichen soll. Ersatzleistungen für gerissene Tiere sind nach Angaben des Umweltministeriums aber bereits jetzt möglich. jwe/dpa
Bisher über 30 Wolfsfamilien in Deutschland
In Deutschlands Wäldern leben derzeit vermutlich mehr als 30 Wolfsfamilien. Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor. In dem am Donnerstag verbreiteten Schreiben ist von 25 Wolfsrudeln und acht Paaren die Rede sowie von drei Einzelwölfen.
Jahrzehntelang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst seit der Jahrtausendwende sind die Tiere in Deutschland wieder heimisch geworden. Der Wolf ist geschützt und darf nicht gejagt werden. Trotzdem wurden seit 1991 nach Angaben des Umweltministeriums 22 Wölfe illegal getötet – zuletzt in diesem Jahr im südlichen Brandenburg.