Thüringen wirbt in Oberhof Das Grüne Herz schlägt auch für den Sport

Die Landesregierung hat die eingestellte Werbekampagne „Das Grüne Herz“ wiederbelebt. Auch in den Sport investiert sie, in die fünf Oberhofer Weltcups insgesamt 250.000 Euro.

Es gibt keine besseren Botschafter als „unsere Sportler“: Staatssekretär David Möller, einst ein erfolgreicher Rennrodler, zeigt eine der Werbeflächen in Oberhof. Foto: Imago/Christian Heilwagen

Vor mehr als 125 Jahren hat ein gebürtiger Sachse Thüringen sein bekanntestes Anhängsel verpasst: das grüne Herz Deutschlands. In einem seiner Bücher hatte der Wanderschriftsteller August Trinius (1851-1919) Thüringen die herzensgute Verknüpfung von Natur pur und warmer Heimeligkeit zugeschrieben.

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Bis heute ist das grüne Herz Deutschlands als Synonym beinahe in aller Munde – auch als Werbeslogan für den Freistaat. Fast 90 Prozent der Thüringer kennen ihn, fast genau so vielen gefällt die einstige Marketing-Dachmarke bis heute. Das habe eine Umfrage im Auftrag der CDU-Landtagsfraktion ergeben, zitiert David Möller, Staatssekretär für Sport und Ehrenamt, aus einer jüngst durchgeführten, großen Befragung.

Startleibchen, Werbebanden und mehr

Möller, vierfacher Weltmeister im Rennrodeln, holt die Zahlen in seinem alten „Wohnzimmer“, der Rennrodelbahn in Oberhof, aus gutem Grund hervor. Auch hier soll das unter der Vorgängerregierung eingerostete und durch den Slogan „Das ist Thüringen“ ersetzte „Grüne Herz“ wieder zu schlagen beginnen. 250.000 Euro steckt die jetzige Landesregierung dazu in die fünf Weltcups, die in diesem Monat innerhalb von nicht einmal drei Wochen dank 1500 ehrenamtlicher Helfer am Rennsteig über die Bühne gehen.

Das Grüne Herz ist auf Startleibchen zu sehen, auf Werbebanden, an Start- und Zieltoren und auch direkt im Eis der Rennrodelbahn. So soll die Werbung für den Freistaat die Wohnzimmer in aller Welt erreichen. In der Vorwoche schalteten allein in Deutschland zwischen 1,2 und 3,9 Millionen TV-Zuschauer bei den Biathlon-Rennen ein. Beim Volleyball und Handball tauchte „Das Grüne Herz“ zudem bereits auf Werbebanden auf – bei Spielen der beiden Thüringer Bundesligisten VfB Suhl und ThSV Eisenach.

Für David Möller sind die 250.000 Euro, die die Landesregierung nun für die Oberhofer Weltcup-Wochen in die Hand genommen hat, eine gute Investition, unterstreicht er bei der Präsentation der sogenannten Untereiswerbung in der Kurve 6 der Oberhofer Rennrodelbahn.

Alleine Deutschlands beliebteste Wintersportart Biathlon spüle jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag in die Region. Das habe eine Untersuchung der Rennsteigstadt in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer Südthüringen ergeben. Bei der Heim-Weltmeisterschaft 2023 waren es gar zwischen 50 und 60 Millionen Euro, fügt Oberhofs parteiloser Bürgermeister Daniel Fischer an. Zu den diesjährigen Weltcups in den Sportarten Biathlon, Langlauf, Nordische Kombination und Rennrodeln werde erneut eine Analyse durchgeführt. Schon jetzt ist für Fischer klar: „Die Bilder gehen in die ganze Welt, das ist unbezahlbare Werbung.“

Blickfang für Zuschauer vor Ort und daheim vor den Bildschirmen (von rechts): Uwe Theisinger, Staatssekretär David Möller, Bürgermeister Daniel Fischer, Silke Kraushaar-Pielach, Andreas Schlütter, Bernd Wernicke, Jens Roß und Sylvia Böhm an der Kurve 6 der Oberhofer Rennrodelbahn. Auch hier wirbt der Freistaat für „Das Grüne Herz Deutschlands“. Foto: Imago/Christian Heilwagen

Einheimische Sportler als Botschafter

Nach den Worten von David Möller, den ehemaligen Leistungssportler, kann es für „Das Grüne Herz“ keine besseren Botschafter als „unsere Sportler“ geben. Deshalb plane man mit einigen der einheimischen Athleten, die sich für die Olympischen Winterspiele in Italien qualifizieren können, kleine Werbeaktionen im Social-Media-Bereich. Hierzu befinde man sich im Moment noch mit den Sportlern in Gesprächen.

Es wäre dann das noch sichtbarere Zeichen, dass die Kampagne „Das Grüne Herz“ nicht nur die Bereiche Tourismus, Natur und Kulinarik umfasse. Die Region will sich genauso als Sportland sowie als guter Platz zum leben und arbeiten präsentieren.

Die passende Internetadresse für das wiederbelebte grüne Herz hat sich der Freistaat bereits gesichert. Noch finden sich hier einzig die Ergebnisse der anfangs erwähnten Umfrage. Bereits jetzt liegen Anfragen von Hotels und Herstellern von Produkten aus Thüringen vor, die sich zur möglichen Verwendung des Logos erkundigt hätten. „Das Grüne Herz“ soll eine geschützte Marke werden. Kostenloses Nutzen werde zwar nicht möglich sein, erklärt David Möller. Doch eventuell werde es Lizenzierungen geben. „Das ist aber noch ein laufender Prozess.“

Oberhof ist die „erste Adresse“

Die Macher hinter den aktuellen sportlichern Großereignissen in Oberhof blicken positiv auf das vertraute Markenzeichen des Freistaats. „Das Grüne Herz ist eine Marke. Dahinter kann man sich versammeln. Thüringen braucht sich nicht verstecken. Wir haben die Infrastruktur, was viele andere nicht haben“, hebt etwa Andreas Schlütter, Sportvorstand im Deutschen Skiverband, hervor.

Im Rennrodeln sieht man es ähnlich. Hier sei Oberhof schon längst die „erste Adresse“: „Wenn irgendwo was ausfällt, fragen sie meist in Oberhof zuerst an“, erzählt Uwe Theisinger, Geschäftsführer des Thüringer Schlitten- und Bobsportverbandes.