Thüringen Wieder weniger Anrufe beim Kinder- und Jugendsorgentelefon

Ingo Weidenkaff von der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild/dpa

«Wir hören dir zu»: Mit diesem Slogan wirbt das Thüringer Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche. Doch die Anrufe werden weniger. Bleiben die Sorgen aus?

"Wir hören dir zu": Mit diesem Slogan wirbt das Thüringer Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche. Doch die Anrufe werden weniger. Bleiben die Sorgen aus?

Erfurt (dpa/th) - Nach einem akuten Anstieg zu Beginn der Pandemie sind die Anrufe beim Thüringer Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche wieder zurückgegangen. "In diesem Jahr haben wir einen relativ ruhigen Verlauf an Anrufen", sagte Ingo Weidenkaff von der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen. Hatte es in der vergangenen Lockdown-Phase 2020 noch 300 bis mehr als 400 Anrufe besorgter junger Menschen im Monat gegeben, wählten in diesem Jahr bisher in der Regel rund 100 ratsuchende Kinder und Jugendliche im Monat die kostenlose Nummer. Der Statistik sei zu entnehmen, dass nun eine gewisse Abgeklärtheit der Jugend im Umgang mit Corona und den Maßnahmen bestehe, so Weidenkaff. "Man geht inzwischen unaufgeregt mit den Umständen um."

Im Mai gingen demnach sogar "so wenig Anrufe wie noch nie ein", nämlich gerade mal 59. Zwei bis drei Wochen vor den Sommerferien und mit der nahenden Zeugnisausgabe steigen die Anrufe laut Weidenkaff aber immer - Corona hin oder her. So auch dieses Jahr: Im Juni und Juli wurde laut LAG wieder die 100er Anrufmarke geknackt.

Trotzdem sei überraschend, dass selbst im August, mitten in den Ferien, noch über 200 Anrufe an den sechs Sorgentelefon-Standorten in Thüringen eingingen. Das sei eher ungewöhnlich. Die Hochs erklärt sich Weidenkaff wie folgt: "Das Problem in diesem Jahr war schlicht und ergreifend, dass die Schulen wieder geöffnet haben. Ich gehe mal davon aus, das hat einige Schüler unter Druck gesetzt."

Die Sorgen der Anrufer, vor allem Jugendliche, seien hingegen in den vergangenen 20 Jahren gleichbleibend: Freundschaften, Familie, Schule, Partnerschaft. Um diese Alltagsprobleme zu besprechen und behutsam auf Fragen einzugehen, ist die kostenlose 0800 008 008 0 rund um die Uhr besetzt. Die meisten Kinder rufen laut Weidenkaff am Nachmittag und bis in den frühen Abend hinein an.

"Was uns aber auffällt: Die Zahlen sind generell rückläufig", so der Sozialpädagoge - im Freistaat wie auch bundesweit. Man gehe stark davon aus, dass Messengerdienste und soziale Netzwerke bei der Jugend stark an Bedeutung gewonnen haben. "Die Sorgen sind nicht weniger geworden, man hat heute aber mehr Möglichkeiten." Trotzdem wolle der Thüringer Kinder- und Jugendschutz an dem Angebot festhalten. "Es ist ein Angebot und das halten wir auch weiter aufrecht".

© dpa-infocom, dpa:210926-99-363000/2

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