Erfurt - Ein Entführungsalarm in Erfurt könnte ein schlechter Scherz gewesen sein. Die Polizei hatte am Mittwochabend in einer Wohnung ein Trio festgenommen, das im Verdacht stand, eine 22-Jährige entführt zu haben. Ihre Mutter hatte mittags den Anruf eines angeblichen Entführers gemeldet, der mit der Ermordung ihrer Tochter drohte und Lösegeld forderte. Nach Polizeiangaben vom Donnerstag saß die 22-Jährigen jedoch mit dem Trio friedlich zusammen und fühlte sich nicht bedroht. Die drei Verdächtigen hätten gesagt, sich nicht an einen Anruf erinnern zu können.
Nun ermittelt die Polizei wegen Vortäuschens einer Straftat. Bei einer absichtlich vorgetäuschten Entführung würde den Verantwortlichen nicht nur eine Strafe drohen - die Polizei könnte ihnen auch die Kosten für ihren Einsatz in Rechnung stellen.
Nach dem Anruf hätten die Ermittlungen zu drei Freunden der 22-Jährigen geführt, berichtete die Polizei. Am Abend sei das Spezialeinsatzkommando (SEK) in eine Wohnung eingedrungen und habe zwei 28 und 30 Jahre alte Männer sowie eine 16-Jährige festgenommen. Zusammen mit der 22-Jährigen hätten sie offenbar ganz normal zusammengesessen. Hinweise auf Alkohol oder illegale Drogen gebe es nicht. Seit wann die 22-Jährige an dem Tag schon in der Wohnung war, konnte ein Polizeisprecher nicht sagen. Alle Anwesenden hätten erklärt, nichts von dem Anruf zu wissen, der die Mutter vom Handy ihrer Tochter erreichte. Die Polizei hält die Angaben der Frau für glaubwürdig.
Ermittelt werde zunächst nur gegen die drei Freunde der 22-Jährigen wegen des Verdachts auf Vortäuschen einer Straftat. Einer der Männer sei wegen kleinerer Eigentumsdelikte polizeibekannt, der andere wegen leichter Körperverletzungen. dpa