Erfurt - Der Bürgermeister von Geisa ist kein Freund des Volksbegehrens zur Familienpolitik. Martin Henkel hält es für einen "fatalen Fehler", dass mit dem Volksbegehren deutlich mehr Personal in die Kindergärten kommen soll. Das liegt nicht etwa an einem konservativen Familienbild des 34-Jährigen, wie es im katholisch geprägten Städtchen im Wartburgkreis wohl anzutreffen ist.
In den Augen des CDU-Bürgermeisters ist es vielmehr unverantwortlich, jetzt viel Geld für neue Kindergärtnerinnen auszugeben. Seine Kritik gilt in gleicher Weise der schwarz-roten Landesregierung, die parallel zum Volksbegehren das Kita-Personal aufstocken will. "2400 zusätzliche Stellen sind in der heutigen Finanzlage deutlich zu hoch", warnt der Henkel, der selbst Vater von zwei kleinen Kindern ist. Seine Meinung hat er in einem Kindergarten der Stadt auch deutlich kund getan. Vier Einrichtungen werden in Geisa von der katholischen Kirche betrieben.
Für die Initiatoren des Volksbegehrens ist Henkel nun einer von jenen kommunalen Verantwortlichen, von denen man sich bei der Unterschriften-Sammlung ausgebremst fühlt. "Wir werden massiv behindert", klagt der Vize-Vorsitzende des Trägerkreises, Peter Häusler. Ihm zufolge erhält er aus vielen Regionen die Meldung: "Wir kommen nicht in die Kitas rein." Das gelte auch für Geisa. "Der Bürgermeister will nicht, dass in den Kindergärten der Stadt Unterschriften gesammelt werden", sagt Antje Most, die in der Rhön für das Volksbegehren aktiv ist. In mehreren Kindergärten des Deutschen Roten Kreuzes in der Region sei die Initiative ebenfalls unerwünscht.