Thüringen Kein Baby-Boom in Corona- und Lockdown-Zeit

Drei Frauen schieben ihre Kinderwagen über eine Straße. Foto: picture alliance / Marcus Brandt/dpa/Symbolbild/dpa

Einen Anstieg der Geburtszahlen durch das Coronavirus und dem damit verbundenen Lockdown hält Professor Ekkehard Schleußner vom Uniklinikum Jena (UKJ) für unwahrscheinlich.

Jena - "Unsichere Zeiten, wie es die Corona-Pandemie zweifelsohne ist, führen nicht zu mehr Geburten. Stattdessen schieben Paare ihren Kinderwunsch auf, soweit es möglich ist", sagte der Direktor der Klinik für Geburtsmedizin am UKJ laut Mitteilung von Mittwoch. Dies habe sich etwa in den 1990er Jahren gerade in den neuen Bundesländern gezeigt, wo zur Wendezeit die Geburtenzahlen deutlich, teils um mehr als die Hälfte, zurückgingen und erst langsam wieder anstiegen.

Bislang seien seines Wissens nach auch keine erhöhten Geburtszahlen erfasst worden. "Es gab keinen Babyboom im Herbst", so Schleußner. Im Vergleich zum Jahr 2019 seien sogar insgesamt weniger Kinder geboren worden. "Allein in Thüringen sank die Anzahl der Geburten um fast sechs Prozent. Das sind im Jahr 2020 mit 14 950 Geburten fast 1000 Geburten weniger als im Jahr zuvor", so Schleußner mit Bezug auf eine Befragung von Thüringer Geburtskliniken und -stationen. Hausgeburten etwa sind dabei aber nicht berücksichtigt.

Viel sei darüber spekuliert worden, ob die Pandemie und die damit verbundenen Aufforderungen und Auflagen, zuhause zu bleiben, zu einem Anstieg bei den Geburten führen könnten. Am UKJ habe es im vergangenen Jahr mit 1522 Geburten zwar tatsächlich mehr gegeben als 2019 (1446 Geburten), hieß es. Doch der Zuwachs sei vor allem im Frühjahr zu verzeichnen gewesen. Das bedeute, dass die Kinder deutlich vor dem Lockdown gezeugt worden sind.

 

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