Erfurt - Die Bilder vom 14. Juni 2015 waren durch ganz Deutschland gegangen - weil das, was sich damals im Erfurter Steigerwald-Stadions abspielte, selbst für die Krawall gewohnten unteren Fußball-Ligen der Republik ziemlich heftig war. Acht, neun, manchmal sogar zehn selbsternannte Fußballfans hatten damals zum Beispiel Ordner angegriffen, nachdem es während eines Spiels zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und dem FC Rot-Weiß-Erfurt in der Landeshauptstadt zu einem Platzsturm der Leipzig-Anhänger gekommen war. Auf der Gästetribüne hatten die Leipziger zudem ein Feuer entzündet. Und das nur, weil ihre Mannschaft das Spiel zu verlieren drohte.
Erst durch einen massiven Polizeieinsatz war es gelungen, die Situation wieder einigermaßen unter Kontrolle zu bringen. Obwohl - wie immer bei solchen Einsätzen - die Polizei zunächst gar nicht für die Sicherheit im Stadion zuständig ist; sondern erst dann eingreift, wenn die privaten Sicherheitsdienste überfordert sind. Was sie damals waren. So, wie auch die Polizei zunächst von dem Gewaltexzess überrascht worden war. Der damalige Polizeiführer Torsten Donner sagt, zwar sei die Partie als Risikospiel klassifiziert gewesen, sodass zu Beginn des Einsatzes 150 Beamte zu dessen Absicherung eingesetzt worden seien. Um die Lage einigermaßen beherrschen zu können, seien dann aber 270 Beamte nötig gewesen. Was meint, dass 120 zusätzliche Polizisten herangeholt werden mussten, während das Spiel lief.
Nun, etwa eineinhalb Jahre später, hat die Thüringer Polizei nach eigenen Angaben insgesamt 74 der mutmaßlichen Randalierer vom Sommer 2015 identifiziert. Aus Sicht des Leiters der eigens dafür bei der Erfurter Polizei gebildeten „Arbeitsgruppe Steigerwald“, Tobias Albert, ein großer Erfolg. Was sicher auch stimmt. Was aber eben auch bedeutet, dass die sieben Beamten der Arbeitsgruppe nur etwa die Hälfte der Randalierer namentlich machen konnten. 64 Stunden Videomaterial und etwa 5.500 Fotos werteten sie dazu aus. Dass die Täter in der Regel ihr Gesicht verhüllt hatten, habe es sehr schwer gemacht, sie zu identifizieren, sagt Albert. Die Identifizierten seien zwischen 17 und 46 Jahren alt und gehörten vornehmlich zu den Anhängern des Leipziger Fußball-Vereins.
Und die Zukunft? Dass das Steigerwald-Stadions inzwischen zu einer Multifunktionsarena umgebaut wurde und dabei viele Details der Sicherheitsvorkehrungen verbessert worden sind, sei laut Donner sehr zu begrüßen. Zum Beispiel liefere die Kameraanlage heute sehr viel bessere Bilder als in der Vergangenheit. Trotzdem ist der Polizist wenig zuversichtlich, dass sich selbst schwere Ausschreitungen bei Fußballspielen in Erfurt in Zukunft gänzlich werden verhindern lassen. "Ob wir solche Vorfälle noch mal haben werden? Ich prognostiziere: Ja!", sagt er.
Am Samstag findet das nächste Risikospiel im Steigerwald-Stadion statt. Es spielt: Erfurt gegen Rostock.