Corona-Lockdown Gastgewerbe und Handel fordern Öffnung zu Ostern

Restaurants, Bars und Clubs sind seit 2. November geschlossen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Vor der Bund-Länder Konferenz am Mittwoch pochen Thüringens Gastwirte und Händler auf eine möglichst schnelle Öffnung von Hotels, Gaststätten und Gewerben. 

Erfurt -  "Wenn jetzt nicht ein konkreter Plan auf den Tisch kommt, wie die Öffnungsperspektive für unsere Branche ist, wäre dies völlig inakzeptabel", sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Thüringen, Mark Kühnelt, am Montag. Mehr als 90 Prozent der Thüringer Unternehmer im Gastgewerbe erwarteten eine Öffnung zu Ostern. Die Thüringer Industrie- und Handelskammern (IHK) in Erfurt forderten Öffnungen, die spätestens mit der neuen Verordnung ab Mitte März erfolgen. "Ansonsten werden wir in vielen Bereichen unheilbare Brüche und eine nachhaltige, allgemeine Stimmungsänderung erleben."

Egal, ob im Einzelhandel, der Gastronomie, im Beherbergungsgewerbe, bei Kulturschaffenden oder in anderen Branchen - die Corona-Krise hinterlasse im gesamten Mittelstand tiefe Spuren, die an die Substanz gingen, so die Erfurter Kammer. Über die Hälfte (56 Prozent) der Unternehmen in Nord-, Mittel- und Westthüringen sehe sich in finanziellen Schwierigkeiten. Viele Firmen hätten sich von Monat zu Monat durchgekämpft und stünden nun "wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand". Vor allem kleine familiengeführte Hotels und Gaststätten, der stationäre Einzelhandel oder die Veranstaltungsbranche, die seit mehreren Monaten nicht öffnen können, seinen stark gefährdet.

"Wir verkennen nach wie vor nicht, dass wir in einer Pandemie-Situation sind" so Dehoga-Präsident Kühnelt. Das vom Gastgewerbe ausgehende Risiko sei aber bewiesenermaßen gering. Daher forderte er einen "auf den aktuellen Erkenntnissen basierenden Stufenplan". Die Politik müsse dafür sorgen, "dass die Branche der Gastfreundschaft keinen Tag länger als medizinisch dringend erforderlich geboten, geschlossen bleibt", so Kühnelt.

IHK fordert Lockdown-Ende

Die IHK Erfurt fordert von Land und Kommunen eine schnelle Ausstiegsstrategie aus dem Lockdown. In einer sogenannten "Agenda des Machbaren" skizzieren die Branchenvertreter konkrete Vorschläge. Der Ausstieg solle aber nicht von Infektionszahlen abhängig gemacht werden. Die Forderung für Gastgewerbe, Veranstaltungswirtschaft und Handel lautet: Ganz oder gar nicht, der Lockdown solle enden. Spätestens Mitte März müsse endlich geöffnet werden. Andernfalls seien viele Brüche nicht mehr heilbar, die Mitarbeiter weg, die Unternehmen pleite und mindestens ein Drittel der Innenstadtgeschäfte zu, so die Branchenvertreter. Möglich sei das Öffnen mit kostenlosen Schnelltests, schnellem Impfen und Abstands- und Hygiene-Regeln.

Auch die Forderung nach einer Imagekampagne wurde laut. Die fehlende Wertschätzung sogenannter nicht systemrelevanter Berufe habe ihre Spuren hinterlassen, so die Vertreter. Allein im Thüringer Gastgewerbe hat laut IHK-Vizepräsident Olaf Seibicke ein Viertel der Azubis im vergangenem Jahr die Ausbildung abgebrochen.

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