Thüringen Strom und Gas vielerorts teurer

Die EEG-Umlage sinkt zum Jahresanfang, dafür kommt die Steuer auf CO2 . Viele Versorger drehen an der Preisschraube. Gas wird bei fast allen teurer, doch beim Strom gibt es auch sinkende Preise.

Suhl/Sonneberg/Meiningen - Die Bundesregierung will die Verbraucher bei den Stromkosten entlasten. Doch die Strompreise in Deutschland bleiben auch im kommenden Jahr auf hohem Niveau. Die meisten regionalen Stromanbieter halten ihre Preise zum Jahreswechsel stabil. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Vergleichsportals Verivox hervor.

So gelingt der Anbieterwechsel

Natürlich warnen Versorger davor, den Anbieter zu wechseln. Sie begründen ihre Warnung oft damit, dass andere nur mit Prämien winken würde, bei denen nicht sicher sei, ob man sie am Ende auch bekommt.

Die Prämien sind tatsächlich ein Problem. Doch es gibt eine einfache Lösung: Alle Vergleichsportale im Internet bieten die Möglichkeit an, sich die Tarifvergleiche ohne Prämien und Sonderzahlungen anzeigen zu lassen.

Zudem können Verbraucher in den sogenannten Filtern die gewünschte Vertragslaufzeit und die gewünschte Kündigungsfrist einstellen. So erscheint am Ende ein monatlicher Strompreis, der mit dem aktuellen Tarif verglichen werden kann.

Viele Kunden können auch sparen, wenn sie einfach bei ihrem bisherigen Versorger in einen anderen Tarif wechseln. Noch immer ist nach Angaben der Bundesnetzagentur rund ein Viertel der Stromkunden in der Grundversorgung. Diese ist aber meistens der teuerste Tarif. Eine Nachfrage beim örtlichen Versorger kann sich also lohnen.

Demnach senkt nur ein kleiner Teil der rund 820 regionalen Stromversorger zum Jahreswechsel die Preise. 45 Grundversorger haben Preissenkungen von durchschnittlich 1,8 Prozent angekündigt. Für eine Familie mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeutet das eine Entlastung von 24 Euro. In Südthüringen gehört die Likra Sonneberg zu den Versorgern, die ihre Preise senken wollen. Geschäftsführer Michael Bindzettel kündigte dieser Tage eine Senkung des Strompreises um 0,36 Cent je Kilowattstunde an. Bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeutet das eine jährliche Ersparnis von rund
14 Euro.

Bundesweit haben aber auch 42 Grundversorger Preissteigerungen von durchschnittlich 2,4 Prozent mitgeteilt, was Mehrkosten von 31 Euro entspricht. In der Region gehören die Stadtwerke Meiningen zu den Versorgern, die ihre Strompreise erhöhen. Bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden kommt auf die Verbraucher im Tarif Meiningen-Strom eine Erhöhung von fast 60 Euro im Jahr zu. Wechseln die Kunden in den neuen Online-Tarif, beläuft sich die Steigerung auf rund
22 Euro im Jahr.

Deckel für EEG-Umlage

Die Bundesregierung hat die Umlage für den Ausbau der erneuerbaren Energien (EEG-Umlage) für das Jahr 2021 auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gedeckelt. Dadurch sinken die Kosten für einen Musterhaushalt um rund zehn Euro, rechnet Verivox vor. Gleichzeitig steigen jedoch die anderen Abgaben und Umlagen um rund vier Euro. Die Stromnetzgebühren werden im bundesweiten Durchschnitt um einen Euro angehoben. "Die Mehrheit der Stromanbieter sieht trotz gedeckelter EEG-Umlage derzeit offenbar keinen Spielraum für günstigere Preise", sagt Thorsten Storck von Verivox. "Wir rechnen daher für das kommende Jahr mit stagnierenden Strompreisen auf hohem Niveau."

Fast durchgängig teurer wird im kommenden Jahr das Heizen mit Gas im kommenden Jahr. Die Kosten steigen laut Verivox durchschnittlich um 7,1 Prozent. Neben höheren Netzgebühren treibt der neue CO2-Preis die Gasrechnung nach oben.

Zum Jahreswechsel haben bisher 104 Gas-Grundversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich 7,1 Prozent angekündigt. Für einen Musterhaushalt mit einem Gasverbrauch von 20 000 Kilowattstunden bedeutet das Mehrkosten in Höhe von rund 100 Euro pro Jahr.

Regional gibt es jedoch deutliche Unterschiede. So steigen die Preise in Berlin in der Grundversorgung um 9,7 Prozent. Gaskunden müssen hier Mehrkosten von 134 Euro einplanen. Überdurchschnittlich stark fallen die Preiserhöhungen auch in Rheinland-Pfalz (plus 8,9 Prozent), in Bayern (plus 7,7 Prozent) und in Hessen (plus 7,5 Prozent) aus. In Thüringen haben bisher zehn von 35 Grundversorgern eine Preiserhöhung beim Gas angekündigt. Sie beträgt im Durchschnitt 6,6 Prozent. Betroffen von diesen Preiserhöhungen sind rund 150 000 Haushalte.

Während aus Bremen und Hamburg bisher keine Preiserhöhungen gemeldet wurden, steigen die Gaspreise in Sachsen-Anhalt (plus 2,2 Prozent) und im Saarland (plus 3,7 Prozent) vergleichsweise gering.

Zwei von bundesweit 712 Gas-Grundversorgern wollen aktuell ihre Preise um durchschnittlich 1,3 Prozent senken.

Strom- und Gasanbieter haben noch bis zum 20. November Zeit, Preisänderungen an ihre Kunden weiterzugeben. Wer ein solches Schreiben erhält, hat ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht. Das bedeutet, Verbraucher können in der Regel zu einem günstigeren Anbieter wechseln.

 

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