Erfurt - Das kürzlich abgeschlossene Kartellverfahren gegen den Forst in Baden-Württemberg bedroht laut Bundeskartellamt nicht unmittelbar den Thüringer Forst. Kartellamts-Präsident Andreas Mundt widersprach am Donnerstag bei einem Treffen mit dem Thüringer Forstverein entsprechenden Befürchtungen. Das Verfahren sei ausschließlich gegen Baden-Württemberg geführt worden. Zwar habe es Grundsatzcharakter. «Sie können das aber nicht eins zu eins auf Thüringen übertragen.»

Die Wettbewerbshüter hatten dem Forst in Baden-Württemberg 2015 untersagt, sowohl Holz aus dem Staatswald als auch Holz aus den Kommunal- und Privatwäldern ab einer bestimmten Menge gemeinsam zu vermarkten. Der Thüringer Forst arbeitet nach ähnlichen Grundsätzen wie in Baden-Württemberg vor Entscheidung des Bundeskartellamtes. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kritisierte die Entscheidung.

Ramelow sagte, er könne diese nicht wirklich nachvollziehen. Wenn alle Beteiligten in der Forstbranche sich einig seien, dass die gemeinsame Vermarktung des Holzes richtig sei, «dann weiß ich nicht, warum wir dieses System nicht auch verteidigen sollten». Auch deshalb lehne er es ab, «im vorauseilenden Gehorsam» nach der Entscheidung beim Thüringer Forst Veränderungen vorzunehmen. «Wenn es gegen Gesetze verstößt, sollte man eher überprüfen, ob man die Gesetze verändern muss.» Für diese Äußerungen erhielt Ramelow viel Zuspruch von den Teilnehmern.

Mundt widersprach Ramelow. Es sei eben nicht so, dass alle an der Forstwirtschaft Beteiligten mit der gemeinsamen Vermarktung von Holz einverstanden seien. Seine Behörde sei überhaupt erst tätig geworden, weil es viele Beschwerden dagegen gegeben habe – unter anderem aus der Sägeindustrie. Er sei sich im Klaren darüber, dass der Wald kein reiner Wirtschaftsfaktor sei, sagte Mundt. «Aber er ist natürlich auch ein Wirtschaftsfaktor.» In Deutschland werde pro Jahr Holz im Wert von etwa vier Milliarden Euro verkauft.

Ehe sich das Bundeskartellamtes aber möglicherweise zur Struktur des Thüringer Forsts äußere, werde man sich die regionalen Zustände sehr genau ansehen, sagte der Kartellamtschef. «Die Einzelfallprüfung steht absolut im Vordergrund.» Einen Zeitplan dafür gebe es nicht. sh