Thüringen Streit im Umgang mit Gift, Mäusen und Hamstern

Der vom Elsass bis nach Sibirien einst millionenfach verbreitete Feldhamster ist jetzt offiziell in seinem gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht. Foto: Uwe Anspach/dpa

Thüringens Landwirte klagen über eine Feldmausplage – und würden am liebsten großflächig mit Gift gegen die Tiere vorgehen. Doch Umweltschützer fürchten um die letzten Feldhamster im Land. Der Streit um den Umgang mit den Schädlingen scheint nun das Klima im Regierungskabinett vergiftet zu haben.

Der Streit über den Einsatz von Gift gegen eine Feldmausplage in Thüringen spitzt sich weiter zu. Ein kurzfristig erarbeiteter Entwurf für eine Kabinettsvorlage aus dem Haus von Landwirtschaftsminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) soll bereits am Dienstag beraten werden. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) sagte, dies sei «eine ungewöhnliche Verfahrensweise». Dem darin skizzierten Vorgehen gegen die Plage werde sie nicht zustimmen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Sie sei aber bereit, auf Grundlage dieser Kabinettsvorlage über das Thema zu beraten. Ihr Haus habe bereits Vorschläge gemacht, um das Papier aus dem Landwirtschaftsministerium «qualitativ zu verbessern». Das Klima in der Koalition angesichts des Streits beschrieb Siegesmund so: «Die Qualität einer Koalition bemisst sich daran, dass man Konflikte möglichst intern löst.»

Im Entwurf aus dem Ministerium Hoffs, der dpa vorliegt, schlägt dieser zur Bewältigung der Feldmausplage vor, so zu verfahren wie in Sachsen Anhalt. Dort hatte Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Grüne) Landwirten jüngst gestattet, Gift gegen die Mäuse einzusetzen, wenn sie versichern, dass es auf ihren Feldern keine Feldhamster gibt.

Den geplanten Gift-Einsatz müssen die Bauern mit einem Vorlauf von mindestens fünf Werktagen bei den Behörden anzeigen. Außerdem müssen sie dokumentieren, dass sie etwaiges Feldhamstervorkommen überprüft haben. Aus Hoffs Haus heißt es, es sei nicht einzusehen, warum eine Grüne-Politikerin in Thüringen sich einer Lösung des Feldmaus-Problems sperre, die eine Grüne-Politikerin in Sachsen-Anhalt im Interesse des Artenschutzes und der Landwirte mittrage.

Siegesmund dagegen erklärte, sie wisse nicht genau, wie es um die Feldhamster in Sachsen-Anhalt stehe. Sie wisse aber sehr gut, dass das Feldhamstervorkommen in Thüringen um 95 Prozent gegenüber den einstmaligen Beständen gesunken seien. «Wenn wir nicht auf diese aussterbende Art achten, wird es in fünf Jahren keine Feldhamster mehr in Thüringen geben», sagte sie. Das Gift, das gegen Feldmäuse eingesetzt wird, ist auch für die Hamster tödlich.

Zugleich zeigte sich Siegesmund kompromissbereit. Bisher bestand sie darauf, dass Gutachter vor jedem möglichen Gifteinsatz die entsprechende Fläche untersuchen, um auszuschließen, dass dort Feldhamster leben. Sie sei nun bereit zu akzeptieren, dass dies die Landwirte selbst gemeinsam mit dem Pflanzenschutzdienst des Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum prüfen, falls kein Gutachter verfügbar sei. dpa

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