Es ist Freitag, der 13., als ich am frühen Nachmittag mit der Bahn Erfurt erreiche. Treppab, treppauf, und schon bald kommt der ICE. München ist mein Ziel, von dort aus soll’s losgehen in die Sonne. Die Heimat fliegt an mir vorüber. Umgepflügtes Land, durchbohrte Berge, überbrückte Täler. Eine Vierersitzgruppe mit Tischchen habe ich für mich allein, nebenan unterhalten sich drei Passagiere angeregt. Auch sie sind auf dem Weg zum Flughafen. Ilmenau ist schnell erreicht, bald schon ist das Oberbecken des Pumpspeichers Goldisthal zu erkennen. Der Froschgrundsee ist ebenso gut gefüllt wie der Main, hinter dem schon bald der Staffelberg grüßt. Draußen grüßt der Frühling, als es weiter hinten im Abteil laut wird. Ein Herr mittleren Alters beschimpft einen Bayern in Bundeswehruniform. Der hat offenbar in seine Hand genießt und nicht in den Ellenbogen, wie man das ja jetzt tun soll. Der Herr referiert noch immer lautstark über das Verantwortungsbewusstsein, das der Soldat doch für sein Land sicherlich aufbrächte, seinen Mitbürgern gegenüber aber ganz offensichtlich nicht. Er beruhigt sich erst, als der Uniformierte mit dem oberbayerischen Dialekt aufsteht, um sich die Hände zu waschen. Grinsend kommt er zurück und verkündet dem ganzen Abteil, dass "in dar Doileddn" sogar Desinfektionsmittel vorzufinden sei.