Thüringen Sexueller Missbrauch von Kindern: Grüne fordern Studie

Die hohen Fallzahlen beim Kindesmissbrauch haben zu Forderungen nach mehr Personal in den zuständigen Behörden geführt. Wirklich lösen wird das das Problem wohl nicht. Dazu braucht es umfassendes Umdenken vielerorts. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa Quelle: Unbekannt

Die Thüringer Grünen fordern, dass das Land eine Studie in Auftrag gibt, um zu ergründen, warum es im Freistaat nach den Daten der Polizei so viel mehr Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch gibt als in anderen Regionen Deutschlands.

Erfurt - „Die Zahlen zum Kindesmissbrauch in Thüringen sind mehr als beunruhigend“, sagte die Vorsitzende der Grüne-Fraktion im Thüringer Landtag, Astrid Rothe-Beinlich, am Mittwoch in Erfurt. Noch beunruhigender sei aber, „dass die Gründe für die im Vergleich hohen Fallzahlen in den zuständigen Ministerien quasi nicht bekannt sind“. Nur eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung könne das ändern. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion, Madeleine Henfling, sagte: „Klar ist, dass es mit mehr Personal bei Jugendämtern, Justiz und Polizei nicht getan ist. Das behebt das Problem im Kern nicht.“ Es müsse mehr für die Prävention getan werden.

Rothe-Beinlich sagte, die Grünen hätten während der Sommermonate zum sexuellen Missbrauch von Kindern zwei Kleine Anfragen an die Landesregierung gerichtet. Die Antworten darauf zeigten, dass viele Fragen dazu nicht tiefgreifend beantwortet werden könnten und es keinen landesweiten Überblick zu dieser Problematik gebe. Allerdings hatte zuletzt zum Beispiel auch die Landesvorsitzende der Opferschutzorganisation Weißer Ring, Marion Walsmann, gesagt, für sie sei unklar, warum die Zahlen zum sexuellen Missbrauch von Kindern in Thüringen und Ostdeutschland tendenziell deutlich über den Zahlen aus den alten Bundesländern liegen.

In keinem anderes Bundesland sind 2019 gemessen an der Einwohnerzahl so viele Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern erfasst worden wie in Thüringen. Im Freistaat registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 27 Fälle pro 100.000 Einwohner und damit deutlich mehr als zum Beispiel in Bayern oder Baden-Württemberg, wie aus der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes hervorgeht. Schon in den Vorjahren erfasste die Thüringer Polizei deutlich mehr solcher Delikte als Länderpolizeien in anderen Teilen Deutschlands. sh

 

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