10 Jahre nach NSU-Enthüllung Erfurter Rapper warnt vor dem Vergessen

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Der Erfurter Rapper Michael Blanco Perez, kurz MBP, sitzt auf einer Bank hinter der Krämerbrücke neben einer Sandmännchen-Figur. Bekannt wurde MBP durch die Teilnahme an einer Castingshow im Jahr 2018. Schon vorher hatte er zahlreiche Solo-Auftritte in Erfurt. Foto: Martin Schutt, dpa

Der Erfurter Rapper MBP war sieben Jahre alt, als der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) im Jahr 2000 seine Mordserie begann. Bewusst hat er den NSU nicht mitbekommen, aber es bewegt ihn - so wie viele andere Themen, die ihn täglich beeinflussen.

Erfurt - Dem Erfurter Rapper MBP hilft Musik, um seine Rassismus-Erfahrungen und Geschehnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Er sei bedrückt, wenn er sich heute - zehn Jahre nach der Enthüllung - mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) beschäftige, denn "das hätte auch ich damals sein können", sagte der Rapper, der eigentlich Michael Blanco Perez heißt, der Deutschen Presse-Agentur.

Bekannt wurde MBP durch die Teilnahme an der Castingshow "X-Factor" im Jahr 2018. Aktuell arbeitet der 27-Jährige an einem Lied, das sich unter anderem mit dem NSU beschäftige. Jeder Song sei ein Teil einer Geschichte, die erzählt werden müsse - "damit sie nicht vergessen wird".

Die rechtsextreme Terrorgruppe NSU ermordete in den Jahren 2000 bis 2007 zehn Menschen: acht türkisch- und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. Am 4. November 2011 töteten sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in einem Wohnmobil in Eisenach selbst, so konnte die Terrorzelle NSU aufgedeckt werden. Am 11. Juli 2018 wurde Beate Zschäpe, die einzige Überlebende des Täter-Trios, als Mittäterin zu lebenslanger Haft verurteilt.

Man müsse nur anders aussehen, das reiche schon, um gehasst zu werden, sagte MBP. Weil er schwarz ist, suche er einige Orte nicht auf, erzählte er: "Ich fahre nicht nach Rudolstadt, ich fahre nicht nach Eisenach. Es gibt Orte, die ich meide und das ist traurig, weil ich hier geboren wurde."

In die Zukunft schaut der Rapper jedoch zuversichtlich. Besonders auf diversen Social-Media-Kanälen lehnten sich viele Menschen gegen Diskriminierungen auf - das mache ihm Hoffnung. "Ich sehe die jüngere Generation, die weltoffen aufwächst und bin ganz positiver Dinge, dass alles Richtung Toleranz geht". Er selbst mache immer wieder auf gesellschafts-politische Themen auf seinem Instagram-Kanal aufmerksam, denn nur durch Informieren könne man erreichen, "dass sowas wie der NSU nie wieder passiert."

 

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