Gera - Der 46-Jährige aus Gera saß bereits zweieinhalb Jahre wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Haft. Weil er sich danach erneut an Mädchen und Jungen vergangen und dies gefilmt haben soll, steht er seit Montag erneut vor Gericht.
Doch zum Prozessauftakt am Landgericht gab sich der Angeklagte uneinsichtig. Ja, er habe die Filme gemacht, sagte er. Aber aus seiner Sicht handle es sich nicht um Kinderpornografie: «Ich bin nie in die Kinder eingedrungen.» Vielmehr habe er mit den Filmen dokumentieren wollen, wie er die Kinder wusch oder eincremte.
«Das ist so ein Quatsch, den sie uns hier erzählen», erwiderte der Vorsitzende Richter Berndt Neidhardt ungehalten. Warum er die Videos dann überhaupt gespeichert und akribisch auf seinem Computer archiviert habe, will der Richter wissen. Er habe Platz auf seiner Speicherkarte schaffen wollen, erklärte der Angeklagte und beteuerte, er habe die Filme nicht erneut angeschaut. Zugleich räumte der 46-Jährige aber ein, er fühle sich zu Kindern hingezogen.
Die Ermittler fanden laut Anklage mehr als 19.000 Dateien auf den Festplatten mit pornografischen Bildern und Videos von Kindern und Jugendlichen. Fast 1100 davon soll der Mann selbst aufgenommen haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat er etwa die Genitalien der Kinder gefilmt, während sie schliefen. Zu sehen sei auch, wie er anal und vaginal in die Kinder eindringe. Insgesamt ist von 21 Fällen des sexuellen Missbrauchs die Rede. Die sechs Kinder seien dabei zwischen fünf und elf Jahre alt gewesen; eines soll geistig behindert sein.
Laut Anklage hatten die Eltern ihre Kinder dem Mann anvertraut; er arbeitete ehrenamtlich für einen sozialen Verein. Dabei blieben sie auch über Nacht bei ihm. Aufgeflogen ist das Ganze, nachdem sich eine Mutter dem Kinderschutzdienst anvertraut hatte. Daraufhin wurden weitere Missbrauchsfälle bekannt.
Für den Prozess sind derzeit weitere Verhandlungstage bis Anfang Dezember geplant. dpa