Grund sind privat betriebene Autobahnabschnitte, wie die Hörselbergumfahrung an der A4, die mit Mauteinnahmen finanziert werden. Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums sagte MDR Thüringen, den Betreibern stünden Ausgleichszahlungen zu, wenn die Lkw-Maut aufgrund gesetzlicher Änderungen wesentlich sinke.

Insgesamt trifft das bundesweit für vier Strecken zu, die von Privatbetreibern gebaut wurden und instand gehalten werden. Dafür erhalten die Unternehmen ganz oder anteilig die dort anfallende Lkw-Maut. Bei sinkenden Einnahmen muss der Bund das Minus ausgleichen. Die mautabhängige Vergütung hat der Bund für die A4-Hörselbergumfahrung zwischen Gotha und der Landesgrenze zu Hessen sowie für die Strecken Hamburg-Bremen (A1), Malsch-Offenburg (A5) und Augsburg-München (A8) vereinbart. Es handelt sich dabei um Pilotprojekte sogenannter Öffentlich-Privater-Partnerschaft (ÖPP). Die Wirtschaftlichkeit für den Bund würde sich durch geringere Mauteinnahmen verschlechtern.

Erst kürzlich hatte der Bundesrechnungshof die ÖPPStraßenprojekte kritisiert, seinen Prognosen zufolge hätte
der Bund die Autobahnen in Eigenregie günstiger bauen und finanzieren können. Als bundesweit erstes ÖPP-Fernstraßenprojekt war im September 2010 der rund 44 Kilometer lange A4-Abschnitt zwischen Gotha und Hessen für den Verkehr freigegeben geworden. Betreiber ist die Via Solutions Thüringen, ein Gemeinschaftsunternehmen des Baukonzerns Hochtief und dem französischen Autobahnbetreiber Vinci. Hochtief-Sprecher Bernd Reuther sagte MDR Thüringen, sein Unternehmen erwarte "erstmal keine Auswirkungen" der Lkw-Mautpläne auf die Zahlungen des Bundes, aber man werde sich "das im Detail ansehen". Generell gehöre die Thüringer Strecke zu den älteren ÖPP-Projekten, wo anders als bei neueren Strecken "tatsächlich eine Verbindung zu den Mauteinnahmen" bestehe.

Laut Bundesverkehrsministerium sind weitere ÖPP-Fernstraßenprojekte nicht von den Lkw-Mautplänen betroffen. Sie wurden und werden nicht direkt an die Lkw-Maut-Einnahmen gekoppelt. Dort setzt der Bund auf andere Vergütungsmodelle. So soll z. B. für die in Bau befindliche ÖPP-Strecke auf der A9 zwischen Lederhose und Bayern das sogenannte Verfügbarkeitsmodell greifen. Damit will der Bund den privaten Betreiber Via Gateway Thüringen erfolgsabhängig bezahlen. Das bedeutet, der Bund zahlt unabhängig vom Verkehrsaufkommen eine feste Summe, die aber gekürzt wird, wenn beispielsweise in Bauphasen nicht alle Fahrspuren befahrbar sind. Die ausgebaute A9-Strecke soll im November 2014 in Betrieb gehen.