Suhl Neuer Chef der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete

Im Foto: Alexander Theus, neuer Leiter der EAE (li), Frank Roßner, Präsident des Thüringer Landesverwaltungsamtes (mi), Björn Christian Paterok, bisheriger Leiter der EAE (re) Quelle: Unbekannt

Die Thüringer Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl bekommt einen neuen Chef.

Das Landes-Erstaufnahmeheim für Flüchtlinge (EAE)  in Suhl bekommt zum wiederholten Mal binnen Kurzem einen neuen Chef. Alexander Theus wird auf Geheiß des Landesverwaltungsamts ab 1. September die Einrichtung mit ihren rund 600 Bewohnern leiten, teilte die Behörde am Donnerstag in Weimar mit. Theus folge im Rahmen eines „planmäßigen Wechsels“ auf Björn Christian Paterok, der ein Jahr im Amt war und laut Mitteilung  in ein anderes Bundesland geht. Theus war zuvor Referent in der im gleichen Komplex angesiedelten Außenstelle des Bundesflüchtlingsamts BAMF.

Die EAE sorgt seit geraumer Zeit für politische Debatten wegen einer Reihe von Vorfällen in ihrem Umfeld, die die von Weimar aus agierende Landesverwaltung nach Ansicht von Kritikern nicht in den Griff bekommt. Im Fokus ist dabei auch die teils chaotische Führungssituation, die geprägt war von häufigen Wechseln an der Spitze, provisorischen Personallösungen, politischem Zwist, Zuständigkeitsstreit und einer Verwaltung, die weit weg von Suhl in Weimar und Erfurt sitzt. Während  für den Betrieb das SPD-geführte Weimarer Landesverwaltungsamt zuständig ist, wird die EAE politisch vom grünen Migrationsminister verantwortet. Für das  Sicherheitsumfeld ist wiederum das SPD-geführte Innenministerium federführend.   

Der EAE-Chefposten in Suhl gilt als schwierig und unter Landesbeamten  unbeliebt. Was der Neue, der in Suhl wohnt, nun anpacken kann, will oder darf, ist offen. Er selbst äußerte sich nicht. Die Vorgänger hatten sich zumeist als unauffällige Verwaltungskräfte verstanden. Zwischenzeitlich hatte voriges Jahr ein von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nach Suhl entsandter Krisenmanager, Michael Hasenbeck, das Haus geführt, was wiederum das Landesverwaltungsamt bis heute am liebsten verschweigt. So ist auch in der aktuellen Mitteilung zum neuen Chef mit keinem Wort von diesem Interims-Leiter die Rede, während sonstige Vorgänger erwähnt werden. Damals schlugen ein Streit um Corona-Schutzmaßnahmen zwischen der Stadt Suhl und der Landesverwaltung sowie mehrere Gewaltvorfälle innerhalb der Einrichtung hohe Wellen.

Innenminister Georg Maier (SPD) hatte vor einigen Tagen eine polizeiliche Rund-um-die-Uhr-Bewachung rund um das Heim auf dem Friedberg angeordnet, nachdem eine Serie von Wohnungseinbrüchen und Randalen in Bussen für Aufregung bei Anwohnern gesorgt hatte.  Immer wieder hatten CDU und AfD diese Stimmung aufgegriffen und die rot-rot-grüne Landesregierung als untätig kritisiert. Zuletzt hatte Oberbürgermeister André Knapp (CDU) behauptet, „viele Bürger“ würden abends ihre Häuser nicht mehr verlassen. Es habe sich „eine subjektive Sicherheitslage für die Bevölkerung entwickelt, die besorgniserregend ist“, hieß es in einem vorige Woche versandten Brief Knapps an Ministerpräsident Ramelow. Einige allein oder in Gruppen reisende junge Männer beeinträchtigen nach Ansicht des Kommunalpolitikers durch Diebstahl und Bedrohung die Sicherheit in der Stadt. Knapp will die EAE schließen lassen und hat im Juni eine entsprechende Petition an den Thüringer Landtag initiiert und eingebracht. In dem jüngsten Brief forderte er Ramelow nun auf, Migrationsminister Dirk Adams (Grüne) die Zuständigkeit für den Umgang mit Störern unter den Bewohnen zu entziehen. Zwangsmaßnahmen und eine härtere Gangart gegenüber der Gruppe der auffällig gewordenen Bewohner auch ohne vorheriges Urteil der Justiz, wie sie CDU und SPD fordern, lehnt der Grüne nach wie vor ab.

Alle Asylsuchenden und Geflüchteten werden in Thüringen zunächst in Suhl untergebracht, versorgt und betreut und müssen ein behördliches Verfahren durchlaufen. Nach in der Regel vier bis sechs Wochen werden sie laut Verwaltungsamt auf die Landkreise und kreisfreien Städte verteilt. Die EAE in Suhl wurde 2014 errichtet. In Eisenberg bei Jena gibt es eine Außenstelle, die derzeit nicht belegt wird.

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