Thüringen Neuer Anlauf für Werrabahn-Lückenschluss

Noch endet der Schienenstrang von Coburg in Bad Rodach. Jetzt sprechen die Landesregierungen in Bayern und Thüringen darüber, ob und wie der Lückenschluss im Schienennetz zwischen Coburg und Hildburghausen verwirklicht werden kann. Foto: Archiv Frank Wunderatsch

Rot-Rot-Grün macht beim Bahn-Lückenschluss zwischen Eisfeld und Coburg wieder Tempo. Nun soll zunächst eine Trasse ausfindig gemacht werden - gemeinsam mit Bayern.

Erfurt/Bamberg - Die Thüringer Landesregierung will den Lückenschluss der Werrabahn zwischen Eisfeld und Coburg offenbar nun aktiv vorantreiben und ein Planungsverfahren für eine passende Trasse auf den Weg bringen. Man sei dazu mit den bayerischen Kollegen in Gesprächen, sagte der Staatssekretär im Infrastrukturministerium, Klaus Sühl (Linke) unserer Zeitung am Rande einer Testfahrt auf der neuen ICE-Strecke zwischen Erfurt und Bamberg.

Man habe die Deutsche Bahn gebeten, "einen Verfahrensvorschlag für die Vorbereitung und Durchführung eines Raumordnungsverfahrens" zu erarbeiten, erläuterte eine Ministeriumssprecherin auf Nachfrage. Ziel des Raumordnungsverfahren sei es, einen Korridor zur Schienenanbindung der Werrabahn an Coburg zu finden. Zunächst gehe es darum, Aufgaben für eine Grundlagenplanung zu definieren. Die Landesregierung habe für diese Vorstufe einer Raumordnung bereits Planungsmittel in den Doppelhaushalt 2018/2019 eingestellt. Dieser muss jedoch noch vom Landtag beraten und beschlossen werden.

Die Werrabahn von Eisenach über Meiningen nach Coburg ist seit 1945 zwischen Eisfeld und Coburg gekappt. Die Schließung dieser 20 Kilometer langen Lücke würde Südthüringen auch Richtung Süden an die neue ICE-Strecke anbinden. In Oberfranken gilt er als Lebensversicherung für den ICE-Halt in Coburg, der nur dann dauerhaft im Fahrplan bleibt, wenn genügend Fahrgäste ein- und aussteigen. Bisher müssen Südthüringer, die die neuen ICE-Verbindungen nach Süden nutzen wollen, entweder große Umwege über Erfurt oder Schweinfurt nehmen oder zwischen Eisfeld und Coburg in den Bus umsteigen. Lediglich Sonneberg ist direkt per Schiene an Coburg und Bamberg angebunden.

Der Bundestag hatte den Werrabahn-Lückenschluss Anfang 2016 aus dem Bundesverkehrswegeplan geworfen. Die Begründung: Die Strecke sei lediglich regional bedeutend und daher außerhalb der Bundes-Zuständigkeit. Seitdem hoffen die Verfechter des Wiederaufbaus - darunter die Wirtschaftskammern und Verkehrspolitiker - auf ein Engagement der Länder Thüringen und Bayern. Ob auch Bayern, auf dessen Gebiet der Großteil der Strecke - und damit auch der Kostenlast - läge, bereits konkrete Planungsschritte unternimmt, war am Montag nicht zu erfahren. In München hatte man bisher abwartend auf den Vorschlag für eine Länder-Kooperation beim Streckenbau reagiert. In Oberfranken gibt es zahlreiche Befürworter, aber auch Gegner des Lückenschlusses und dem damit möglicherweise verbundenen Aufkommen an Güterzügen.

Der Lückenschluss gilt als problematisch, weil die alte Trasse im Lautertal nördlich von Coburg in den 80er Jahren bebaut worden ist. Daher wäre entweder eine Tunnel-Umfahrung des Lautertals oder eine alternative Linienführung über Hildburghausen und Bad Rodach nötig.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nannte den Werrabahn-Lückenschluss ebenso "dringlich" wie den der Höllentalbahn zwischen Blankenstein/Saale und dem oberfränkischen Lichtenberg. "An beiden Stellen sollte Bayern unbedingt kooperieren", sagte Ramelow am Rande der ICE-Testfahrt. er

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