Prozess Gutachten stellt Vorwurf des Mordes in Frage

Eine Statue der Justitia. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild/dpa

Ein Gutachten stellt den Vorwurf Mord im Prozess um den Tod einer jungen Frau aus Neustadt an der Orla (Saale-Orla-Kreis) in Frage. 

Gera/Neustadt an der Orla - Der Prozess um den gewaltsamen Tod einer 32-Jährigen aus Neustadt an der Orla vor dem Landgericht Gera geht in die Verlängerung. Für den zunächst mit fünf Verhandlungsterminen angedachten Prozess wurden am Donnerstag durch den Vorsitzenden Richter zwei weitere Verhandlungstage bis Mitte Mai angesetzt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 43 Jahre alten Angeklagten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Der Deutsche soll seine Partnerin im Juni 2020 brutal zu Tode geprügelt haben.

Ein Gutachten stellte den Vorwurf Mord am Donnerstag jedoch in Frage. Die Lungenembolie der 32-Jährigen sei zwar tödlich gewesen, ließe sich aber nicht mehr sicher auf die massiven Verletzungen der 32-Jährigen zurückführen, erklärte ein Rechtsmediziner vor dem Landgericht Gera. Dass das Blutgerinnsel der brutal zugerichtete Frau nicht anders ausgelöst worden war, lasse sich nach Rücksprache mit behandelnden Ärzten der Frau nicht sicher ausschließen. "Ich halte das für wenig wahrscheinlich, aber die Möglichkeit besteht", so der Rechtsmediziner am fünften Verhandlungstag.

Als Lungenembolie bezeichnet man den Verschluss einer oder mehrerer Lungenarterien oft aufgrund eines eingeschwemmten Blutgerinnsels. Dieses stammt meist aus den Bein- oder Beckenvenen, wo sich eine Thrombose gebildet hat. Das Opfer war, kurz bevor es massiv verprügelt wurde, wegen des Verdachts auf ein Blutgerinnsel in den Beinen in ärztlicher Behandlung gewesen.

Es klingt wie ein schlimmer Einzelfall, doch das ist er nicht. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet, wie Statistiken des Bundeskriminalamts zeigen. Durchschnittlich jeden Tag versucht ein Ehemann, Partner oder Ex-Partner in Deutschland, seine (Ex-)Partnerin zu töten. Frauen aus allen Sozial- und Bildungsschichten sind davon betroffen. Männer aus allen Bildungs- und Sozialschichten können gewalttätig werden.

Seit dem ersten coronabedingten Lockdown 2020 wird in Deutschland vor einem Anstieg von männlicher Gewalt gegen Frauen gewarnt. Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" (08000 116 016) ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben - genauso wie für Nachbarn, Freunde oder Familienangehörige.

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